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Kolumne
FKK mit Claydermann

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Schon mal auf den Kalender geschaut? Genau: In knapp 120 Tagen ist Weihnachten. Schon mal aus dem Fenster geschaut? Genau: Sonne satt und über 30 Grad. Wie, bitte schön, soll denn da Weihnachtsstimmung aufkommen? Von Marc Prams

Dieser verdammte Sommer mit seiner endlosen Hitze verhagelt einem komplett die Vorfreude aufs Fest. Wie schön es doch ansonsten ist, wenn im August endlich wieder Lebkuchen, Spekulatius und Dominosteine im Laden stehen. Das ist der Startschuss, um die Heizung wieder ein- und den Ventilator auszuschalten. Im Keller kramt man die Kiste mit dem Plastikweihnachtsmann hervor, der in seiner Strickleiter buchstäblich rumhängt wie Quasimodo nach drei Flaschen Asti Spumante und dennoch ab Ende September an den ersten Fassaden kraxeln darf.


Legt man dann noch zu Glühwein und Christstollen die „Größten Weihnachtshits“ mit Richard Claydermann auf, kann man fast schon ein bisschen die Fahne vom Weihnachtsmann mit der Sammelbüchse in der Fußgängerzone riechen. Weihnachtsfeeling pur. Und dieses Jahr? Kann man das alles knicken. Kommt doch null Stimmung auf, wenn im Freibad die Schokoglasur vom Lebkuchen mit der Sonnencreme eine schmierige Verbindung eingeht. Und Spekulatius mit verschwitzten Händen mampfen, ist auch nur so appetitlich wie ein Gruppenfoto bei der Vereinsfeier adipöser FKK-Anhänger. Nein, es will in diesem Sommer einfach keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Aber am Wochenende sollen die Temperaturen auf frostige 25 Grad abstürzen. Endlich. Dann gilt es: Lebkuchen, Heizung, Claydermann – das volle Programm. Und wenn dann demnächst im Radio „Last Christmas“ läuft, steht das Christkind auch bald schon vor der Tür. Ich wünsche frohe Weihnachten.