| 20:40 Uhr

Gegen die Vermüllung der Welt
Die Schöpfung bewahren

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Die Dürre bringt es an den Tag: Unter der Kurt-Schumacher-Brücke in der Neunkircher City hat jemand irgendwann mal zwei Einkaufwagen in der Blies „entsorgt“. Der Fluss fließt nur noch sehr, sehr träge vor sich hin, hat bemerkenswertes Niedrigwasser.

Kleine Fische schwimmen um das Untergestell der ausrangierten Einkaufswagen und scheinen nach Luft zu schnappen. Am Ufer sieht es stellenweise noch trostloser aus. Unterhalb der Treppe, wo abends geraucht, gegessen und getrunken wird, werden die Kippen und der Verpackungsmüll achtlos über das Geländer geworfen. Drei Meter weiter hängen Abfallbehälter, die Mitarbeiter der Stadt im Schweiße ihres Angesichts regelmäßig leeren. Drei Meter sind offenbar zu weit weg.


Auch im Freibad wird gegessen und getrunken. Im Sonnenborn in Uchtelfangen beseitigt Pascal Groß jeden Abend die Hinterlassenschaften der Badbesucher. Leere Standbodenbeutel mit herzlichen Grüßen von der Capri-Sonnen-Fan-Gemeinde, umherfliegende Zellophanschnipsel der Zigarettenraucher und wespenlastige Kaffeestückchentütchen – zimperlich sollte man da nicht sein. Aber nicht alles landet in der großen Mülltüte. Manches lassen die Badegäste unfreiwillig liegen. Handtücher, Brillen, Handys oder Schlüssel; auch um die Fundsachen kümmert sich Pascal Groß. Er hat übrigens den Eindruck, dass weniger Müll im Freibad rumliegt. Picobello, die jährliche „Frühjahrsputzaktion“, scheine die Kinder und Jugendlichen zu sensibilisieren.

Schön wär’s. Es wird höchste Zeit, dass wir Deutschen den Titel „Europameister im Müll produzieren“ ablegen. Wie wäre es mit „Weltmeister im die Welt retten?“ Zu ambitioniert? Zu anstrengend? Zu teuer? Wir können ja mal mit kleinen Schritten anfangen.



Wie die Katholische Pfarrgemeinde Herz-Jesu Landsweiler-Reden. Die hat diese Woche eine Mail geschickt, um auf ihr Pfarrfest hinzuweisen, das am 15. August (Maria Himmelfahrt) gefeiert wird. Darin heißt es: „Wie schon beim letzten Pfarrfest soll auch diese Veranstaltung als ,faires Pfarrfest’ durchgeführt werden. Der Pfarrgemeinderat möchte damit aufzeigen, dass das Bemühen um die Bewahrung der Schöpfung und der Einsatz für gerechte Lebensbedingungen auch in konkrete Taten umgesetzt werden kann. Mit Produkten aus der Region und aus dem fairen Handel sowie unter Beachtung umweltfreundlicher Aspekte soll unser Pfarrfest zum ,fairen Pfarrfest’ und somit Vorbild für nachhaltiges Feiern werden.“

Wow. So einfach kann’s gehen. Produkte aus der Region, die nicht Hunderte von Kilometern in Luft verpestenden Lkws nach Landsweiler-Reden transportiert wurden. Kuchen auf richtigem Geschirr, Getränke in Gläsern, die gespült werden und nicht im Müll landen. Dieses Pfarrfest wird sicher nicht die Welt retten. Aber ein kleines bisschen Hoffnung macht es schon.