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Kolumne
Der Mitesser im Grübchen juckt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wonach riecht Fußball? Beknackte Frage, stimmt. Wenn man aber mal seine Erfahrungen aus Hartplatzgebolze, Mehrzweckhallengekicke und Kabinenduft im Flacon zusammenkippt, wird schnell klar: Fußball riecht nicht gut. Von Marc Prams

Wobei „nicht gut“ bei einem Mief-Cocktail aus Achselschweiß, durchgerockten Stollenlatschen und in der Sporttasche vergessenen Trikots arg untertrieben ist. Machen wir’s kurz: Fußball stinkt ganz oft. Aber das ist okay. Da geht’s ja auch zur Sache. Da brechen auch mal Knochen, da bluten auch mal Schienbeine – da muss es nicht nach Mandarinen-Zesten im Pinienwäldchen riechen. Tut es aber. Noch feiner sogar. Und zwar immer dann, wenn Julian Draxler aufläuft. „Ich nehme immer drei Spritzer Parfum, bevor ich die Kabine verlasse“, hat der kürzlich in einem Interview verraten. Und dass er gerne mal in den Schönheitssalon geht. Wer ihn bei der WM gesehen hat, darf mit Fug und Recht behaupten: So hat er auch gespielt. Ja meine Güte! Geht’s noch? Er kann ja vorm Spiel zur Pedi-, Mani-, von mir aus auch zur Konfitüre gehen, aber muss man das dem Gegner aufs Auge drücken? Man stelle sich vor, Abwehrbrecher wie Jürgen Kohler, Karlheinz Förster oder Klaus Augenthaler hätten vorm Spiel gelesen, dass da einer aufläuft, der sich die Wimpern hat formen lassen. Jesses! Der hätte sich nach drei Minuten in seinem Kulturbeutel hinter der Eckfahne versteckt. Gut, Kalle Rummenigge hat mit seiner Friese für Wella Reklame gemacht, aber über dessen Waden wurden Hymnen geschrieben. Im Spiel gegen Schweden wurde Draxler ausgewechselt. Nagelbruch? Mitesser im Grübchen? Egal. Draxler, hau gegen Südkorea einfach zwei rein, und gut is. Und wenn du dir danach die Brusthaare färbst: Lass es bitte, bitte niemanden wissen.