Kolumne : Der Kamm im Buxensack

Mode bleibt Mode, bis sie den Leuten aus dem Hals hängt“, hat Karl Lagerfeld mal gesagt. Mancher Herr hat das offenbar falsch verstanden und geht in der Annahme durch die Welt, Mode sei Mode, wenn sie den Leuten um den Hals hängt. Und zwar in Form eines Herrentäschleins. Kleiner als ’ne Schachtel Mon Chérie, größer als ’ne Tafel Ritter Sport, baumeln die Dinger unterhalb der Hüfte, fest verzurrt mit einem Riemchen, das bäuchlings ein halbes X darstellt. Aber was könnte da bloß drin sein? Gedöns wie Handy, Fluppen und Schlüssel lässt sich ja locker im Buxensack verstauen, da braucht‘s keine Herrentasche. Früher galt es mal als besonders lässig und maskulin, einen Kamm in der Gesäßtasche mit sich zu führen. Das ist heute zwar nicht mehr so, aber der ließe sich gut in dem baumelnden Accessoire verstauen. Oder hat die Herrentasche am Ende gar den Kamm auf dem Spitzenplatz der Coolness-Liste abgelöst? Vielleicht wollen ihre Träger damit besondere Härte und Männlichkeit zeigen. Ob diese Rechnung aufgeht? Die Antwort liefert eine Gegenfrage: Wurden Humphrey Bogart, Steve McQueen, Robert Mitchum oder Charles Bronson je mit einem kleinen Herrentäschlein gesehen? Eben.

Bis wir Männer dank Serien wie „Sex and the City“ über den Inhalt von Frauenhandtaschen aufgeklärt wurden, hat es Jahrzehnte gedauert. Es kann sich also noch etwas ziehen, bis das Rätsel um den Inhalt des Herrentäschleins gelüftet wird. Da die Dinger aber ungefähr so sexy sind wie Eiersalat am Doppelkinn, wird dann wohl eher die Serie „Kein Sex and the City“ für Klarheit sorgen.