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Unsere Woche
Der Globus auf Vinyl

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Freitagmorgen, 9 Uhr, Parkplatz hinter den Hochöfen in Neunkirchen. Ich parke dort, weil er kostenlos ist. Ich steige aus und sehe: Schallplatten. Überall Vinyl. Gut, es ist früh. Dennoch real: Plattenhüllen, schwarze Scheiben. Von Michael Kipp

Stones, Woodstock, Beatles, Abba. Warum? Ich gehe in die Redaktion und erzähle von meinem mysteriösen Parkplatz-Plattenfund: Bestimmt 30 Scheiben, sage ich. Was ist dort geschehen? Kollege Marc Prams ist sich nahezu sicher, dass es sich nur um den Racheakt einer Frau handeln kann. „Da hat bestimmt eine Dame die Platten ihres Ex-Freundes entsorgt.“ Das könnte gut sein. Und: eine besonders perfide Art, sich zu rächen.


Oder gar ein Hinweis durch die Blume? Durchs Vinyl sozusagen. Dass auf diesem Platz demnächst die Musik spielt? Denn das war die zweite wichtige Nachricht am Freitagmorgen: Am Plattenfundort will Globus bauen. Einen Einkaufsmarkt. Ein Lebensmittel-Händler. Zur Freude vieler Neunkircher und zur Last einiger Geschäftsleute. Und das auf meinem kostenlosen Parkplatz mit den Schallplatten. Dass wir das wissen, verdanken wir dem Zufall. Hat uns keiner vorher gesagt, dass der Lebensmittelhändler dort bauen will. Hängt vielleicht damit zusammen, dass unsere Zeitung in den vergangenen Jahren ausführlich und kritisch über den Versuch von Globus berichtet hatte, ein paar Meter weiter ein Einkaufszentrum zu bauen. Dummer- und teilweise im Naturschutzgroßprojekt Lik Nord. Durften sie letztendlich nicht. Muss aber auch nicht der Grund für die ausgebliebene Mitteilung sein. Die wichtigen Fragen bleiben eh. Könnte ich beim neuen Globus weiterhin kostenlos parken? Und was ist jetzt mit den Schallplatten?