Das Upcycling-Zentrum Neunkirchen steht als Vorzeigeprojekt Pate für weitere Einrichtungen in Deuschland

Unsere Woche : Aufwerter dürfen stolz sein

Das Upcycling-Zentrum bleibt erhalten und wertet den Kreis auf. Denn was seine Mitarbeiter dort machen, wird beispielhaft für weitere solche Zentren in Deuschland.

Das kleine, aber feine Upcycling-Zentrum Neunkirchen kann auch über den Förderzeitraum durch das Landaufschwung-Projekt hinaus weiter bestehen. Der Bund schießt aus einem anderen Programm das nötige Geld zu. Das ist eine gute Nachricht, die für die Verantwortlichen noch eine schöne Dekoration obendrauf bekommen hat. Das Zentrum wird in den kommenden drei Jahren sozusagen als Vorbild für zwei weitere solche Zentren in Deutschland Ansprechpartner sein. Aachen gehört dazu, ein weiterer Standort steht noch nicht fest. Doch, sie dürfen stolz sein auf diesen Erfolg, die Mütter und Väter dieser Einrichtung und alle Aufwerterinnen und Aufwerter, die mit ihren Händen aus Alt Neu machen. Das Weiterverwerten und Aufwerten von Dingen, die sonst auf dem Müll landen, das Upcycling, dürfte in unserer Gesellschaft ruhig in viel breiterem Umfang geschehen. Wegwerfen und neu kaufen, dieser zentrale Ansatz der kapitalistischen Werteordnung, bringt auf Dauer eine Menge Probleme mit sich. Die Rohstoffe gehen aus, die Müllberge wachsen. Mit unserem Lebensstil verseuchen wir Land, Wasser und Luft. Und selbst denen, die von der Klimadiskussion wenig bis gar nichts halten, könnte dämmern, dass angesichts einer stetig wachsenden Weltbevölkerung irgendwann die Handbremse gezogen und gegen die Verschwendung nicht etwas, sondern viel getan werden muss. Am besten gestern schon. Es genügt nicht, sich an einem schwedischen Mädchen abzuarbeiten, das den Finger in die Wunde legt. Upcycling gehört zu diesem Umdenken dazu. Die Produkte, die in Neunkirchen entstehen, sind keine kompletten Neuerfindungen. Aus Stoffresten, Leder oder Plastik Mäppchen oder Schlüsselanhänger zu machen, aus Altholz Bänke und Tische, das haben Leute auch schon früher gemacht. Aber mit dem Design der Saarbrücker Hochschule der Bildenden Künste kommen die Artikel frisch und stark auf den Markt. Leute, die lange keinen Job haben oder aus anderen Ländern kommen und hier Schutz suchen, fertigen sie. Die Rohstoffe kommen von Firmen aus der Umgebung. Das ist ein gutes Gesamtkonzept. Prima, dass es weiterläuft und die Aufwerter aus der Kreisstadt künftig auch in anderen Städten ihre Arbeit vorstellen werden und beim Aufbau weiterer Zentren helfen.

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