| 16:02 Uhr

Das grelle Achtel des Grauens

ACH WAS?!. Sobald die Temperaturen über die 20 Grad klettern, neigen Männer gerne mal zu Modesünden auf Knöchelhöhe. Und das sagt einiges über sie aus. Marc Prams

Es muss vor etwa sechs, sieben Jahren gewesen sein, als unter Herren jeder Altersgruppe eine Mär die Runde machte, man könne im Sommer mit einer besonders pfiffigen Mode-Kombination die Blicke der Damenwelt auf sich ziehen: Die Siebenachtel-Hose war angesagt. Diese, so glaubte man, verberge zwar das Gros des alabasterfarbenen Beinfleischs, lasse aber die notwendige Blickfreiheit auf das muskulöse Wadenende, um so der Fantasie der Damenwelt keine Grenzen zu setzen.


Gesteigert wurde dieser Irrglaube durch die Annahme, man könne die nun vorhandene Bein-Erotik durch Sneaker-Socken, im Volksmund auch gerne mal "Füßlinge" oder "Sockletten" genannt, steigern. Mit jener Art Mini-Söckchen soll auf subtile Weise suggeriert werden, dass der Träger eindeutig zu hip für Kniestrümpfe ist. Stattdessen offenbaren die Dinger jedoch, dass er für den echten Barfuß-Look nicht den notwendigen Mut besitzt. Stinkmauken hin, Käsefüße her - wer Füßlinge trägt, schwenkt auch überm Gasgrill. Dennoch hat sich dieser modische, weit unter der Gürtellinie angesetzte Tiefschlag bis heute gehalten, wenngleich die Dichte der 7/8-Gläubigen allmählich abnimmt. Aber noch trifft man sie an. Jetzt, im Sommer, blitzen sie wieder auf, die hellen Flecken in Bodennähe, blenden als strahlende Epidermis-Zylinder und hinterlassen auf der Netzhaut des Betrachters ihre grelle Signatur. Also Damen aufgepasst: Besser ohne Umwege den direkten Augenkontakt suchen. Schließlich findet sich in den Augen der Spiegel der Seele und nicht im weißen Achtel des Schreckens. Dort ist nur der Spiegel der Sockletten. Und in die möchte wohl kaum jemand tiefer blicken.