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Kolumne
Demokratie live und in Farbe

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Warum nicht mal zur Abwechslung eine Sitzung eines Orts-, Gemeinde-, oder Stadtrats besuchen? Das kann unterhaltsam sein. Von Marc Prams

Sitzungen der Orts-, Gemeinde-, und Stadträte sind öffentlich. Jeder kann dort Platz nehmen und sich anhören, was unsere gewählten Volksvertreter zum Wohle aller entscheiden, worüber diskutiert wird, in welchen Punkten man sich einig, in welchen uneinig ist. Das Problem nur: Wenn es nicht gerade um einen geplanten Windpark oder ähnliche Aufreger geht, bleiben die Sitze verwaist. Dabei ist es in den meisten Räten üblich, dass Bürger den Mitgliedern ihre Fragen stellen können. Gelebte Basisdemokratie. Und so eine Sitzung kann, mal ganz vom Politischen abgesehen, auch durchaus unterhalten. Das ist ja auch gut so. Sicher, aus journalistischer Sicht ist man eh froh, wenn es mal hoch her geht. Da dürfen gerne die Fetzen fliegen. Eine gesunde Streitkultur gehört zu unserer Demokratie. Und Politik ist eben auch Entertainment. Ältere Reden aus dem Bundestag können es mit jedem  Blockbuster aufnehmen. Als neutraler Beobachter ist man zwar hin und wieder der Ansicht, der eine würde dem anderen gleich an die Gurgel springen, aber das Gegenteil ist der Fall. Nach einer Sitzung steht man dann beisammen und trinkt gemeinsam ein Feierabendbier. So soll es sein. Im Neunkircher Stadtrat hält sich der Diskussionsbedarf in der Regel in Grenzen. Die meisten Punkte auf der Tagesordnung werden im Vorfeld in den Ausschüssen beschlossen, die Abstimmung im Rat ist da eher Makulatur. Wenn aber, wie in der jüngsten Sitzung, eine Diskussion durch den Oberbürgermeister nicht einmal zugelassen wird (siehe Artikel Seite C 2), dann ist das zwar formal in Ordnung, schade ist es dennoch. Vielleicht würden mehr Besucher die Ratsmitglieder zu mehr Diskussion motivieren. Daher ein Ausgehtipp: Am 24. Oktober, 16.30 Uhr, tagt der Neunkircher Stadtrat erneut. Basisdemokratie live und in Farbe, bei freiem Eintritt. Ein Besuch lohnt sich (hoffentlich).