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Wochenkolumne
Auf ein Gläschen Wein an die Blies...

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Der Weg zu einer schönen Innenstadt ist ein langer und schwieriger. Aber in Neunkirchen hat man schon ein gutes Stück der Strecke hinter sich. Und noch vor sich.

Es macht momentan wirklich nicht viel Spaß, aus dem Fenster zu schauen. Der Dauerregen hüllt auch die schönsten Landschaften in tristes Grau. Das gilt fürs Illtal ebenso wie für die Neunkircher Innenstadt. Und die hat ja nun ohnehin nicht den Ruf, die allerschönste zu sein. Ja, es stimmt, wir haben hier keine Altstadt. Ja, es stimmt, die Kneipenszene ist überschaubarer als das Rotlichviertel im Vatikan, und überhaupt sind andere Städte eh viel schöner. Stimmt alles: Aber das Neunkircher Stadtratsmitglied Claus Hoppstädter hat unter der Woche im Rat etwas angemerkt, was man unterschreiben kann. Denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Innenstädten, in denen nach wie vor in jedem Winkel der betonierte Charme der 70er und 80er steckt, hat sich in Neunkirchen in vergangenen Jahrzehnten einiges getan. Klar müssen viel dicke Bretter gebohrt werden, bis Bund und Land Fördergelder locker machen, aber da darf man eben auch nicht locker lassen. So hat sich der Rat in dieser Woche wieder einmal dafür stark gemacht, neue Fördermittel beizuschaffen. Damit es weitergehen kann. Damit nicht nur der obere Teil der Bahnhofstraße einladend wirkt, sondern irgendwann auch der Rest davon. Damit nicht nur ein Teil der Goethestraße ein schönes Wohnviertel ist, sondern irgendwann auch der Rest davon. Damit sich irgendwann mal Besucher der Stadt gerne auf den Weg vom Hüttenareal - um das Neunkirchen nicht selten beneidet wird - durch eine schöne City zu den Bliesterrassen machen, um sich dort an einem lauen Sommerabend bei einem Glas Wein eine Band anzuschauen. Das wird alles noch etwas dauern, keine Frage. Aber es sind schon viele Schritte auf dem Weg dahin getan. Und vom Hände in die Taschen stecken und rummosern, wie doof doch alles ist, ist noch keine Stadt schöner geworden.



Ein wenig doof war  auch die räumliche Situation für die Neunkircher Lokalredaktion unter der Woche. Nach einem Deckeneinsturz  im Parterre konnten die Redaktionsräume nicht mehr genutzt werden, sodass das Personal bei den Kollegen in Homburg, St. Wendel und Saarbrücken um Unterschlupf bitten musste. Die Ausgaben  fertigzustellen, verlangte zwar unter diesen  Umständen organisatorisch von allen einiges ab, aber rummosern, wie doof das alles ist, hätte uns auch nicht weitergebracht. Aber,  es ist geschafft, Seit Freitag können wir wieder in Neunkirchen arbeiten. Und aus dem Fenster schauen. Und einiges sehen, was  ganz schön ist.