Kolumne Ach was?! : Spülinator holt Gold für Deutschland

Das ist natürlich schon klasse, wenn man sieht, wie Karl Geiger die Schanze in Garmisch abwärts Richtung Tal brettert und dann 140 Meter durch die Luft flattert wie Superman im Sondereinsatz. Der Mann hat eben Talent.

Oder Robert Lewandowski. Der schießt 20 Tore in zehn Minuten, weil er es einfach drauf hat. Keine Frage, derartige Leistungen müssen bejubelt werden. Aber was ist mit uns Durchschnitts-Heinis? Rein sportlich hat es gerade mal zu einem Blechpokal bei „Unser Dorf spielt Fußball“ gereicht und einer Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Wurde natürlich beides nie in der Tagesschau erwähnt. Aber mal ganz davon abgesehen, interessiert sich ja eh kein Hering für die Talente, die unsereins so hat. Ich zum Beispiel träume davon, dass das Olympische Komitee  irgendwann einsehen wird, dass das Einräumen einer Geschirrspülmaschine einer Disziplin bei den Sommerspielen würdig ist. Oder bei den Winterspielen. Das ist eigentlich egal. Und dann schlägt meine Stunde. Denn wenn bei uns im Haushalt alle die Waffen strecken, weil auf der Spüle noch drei Teller, fünf Tassen, das Milchkännchen und ein Suppentopf stehen, der Geschirrspüler aber angeblich schon voll ist, fängt für mich der Spaß erst an. Schluss mit blindem Reinballern der verkrusteten Müslischälchen, jetzt ist der Stratege gefragt. Nicht nur bis zum nächsten Untersetzer denken, nein, Weitblick besitzen, das Momentum nutzen. Man muss so eine Maschine einfach lesen können. Hier eine Korrektur bei den Gläsern, das Nudelsieb von unten nach oben versetzen, die vertikalen Schlupflöcher für Schneidebrett und Kuchenplatte nutzen und schon ist die Maschine nicht mehr „voll bis oben hin“, sondern so leer, dass sogar noch Platz für den Schwenker wäre. Ja, wer Großes leistet, darf auch großspurige Sprüche klopfen. Später einmal, wenn ich Olympisches Gold nach Hause bringe,  werden mich die Gazetten den „Miele-Maestro“ nennen, den „Spülinator“, oder vom „Calgon-König“ schwärmen und titeln, was ich am Spüler vollbringe sei einfach „GESCHIRRE GEIL“. Doch, es ist schon toll,  derart viel Talent zu besitzen. Schade nur, dass es wirklich keinen Hering interessiert.