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Klimaprojekt Neunkirchen will mit viel Aufklärungsarbeit einen Anteil zum Klimaschutz leisten

Klimaprojekt Neunkirchen : Mit Kärrnerarbeit gegen Klimawandel

Stadt, Sparkasse und KEW arbeiten im Klimaprojekt Neunkirchen gemeinsam für ein besseres Umweltverständnis.

Kattowitz - der polnische Städtename steht für den jüngsten Versuch, das Weltklima zu retten. Fast 200 Staaten haben dort darum gerungen, die Erderwärmung möglichst unter 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Alles andere hätte für die Menschheit ernste Konsequenzen, sagen Wissenschaftler. Und während wichtige Stimmen der Weltpolitik darüber sinnieren, ob der Klimawandel tatsächlich menschengemacht sein könnte, mahnen andere: Die Zeit läuft davon. Ob die Konferenz ein Erfolg war, zeigt die Zukunft. In Neunkirchen arbeitet ein Bündnis mit dem Namen Klimaprojekt seit Jahren daran, ein Fundament für ein neues Umweltbewusstsein zu legen. Mit an Bord: Stadt, Energieversorger KEW und Sparkasse. Das Bündnis hat sich 2010 zusammengefunden. Wer dabei an Leuchtturm-Projekte denkt, wird von den drei Sparringspartnern enttäuscht. Ihr Ansatz ist zunächst einmal ein anderer: viele kleine Schritte, Basis- und somit Kärrnerarbeit. Das Neunkircher Rathaus erläutert: „Das Klimaprojekt Neunkirchen sieht einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Aktivitäten in der Vermittlung von Informationen rund um den Klimaschutz. Aufgrund der Vielzahl von Veröffentlichungen, kontroverser Diskussionen und natürlich auch wegen der Komplexität dieser Thematik entsteht oftmals Verunsicherung statt Meinungsbildung.“ Deshalb gehen die Partner vor allem in Schulen und sogar zu den Kleinsten in die Kitas. Für die unterschiedlichen Altersklassen gibt es die jeweils passenden Themen. So wollen die Initiatoren grundlegende Zusammenhänge vermitteln, um Schülern die Basis für eine eigene Meinung zu geben.

Im vergangenen Jahr gab es über 20 Veranstaltungen, vorrangig in und mit Neunkircher Schulen und Kindergärten. Rund 1100 Schüler haben teilgenommen. Die Klimakonferenz, ein Modul für die Älteren, war am Steinwald- und Krebsberg-Gymnasium zu Gast, an der Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen, an der Maximilian-Kolbe-Schule und am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum. Die Konferenz gibt den Schülern Informationen zu Klima und Klimawandel, die jungen Leute erarbeiten zudem Lösungsansätze für politische und wirtschaftliche Prozesse. Ein weiterer Baustein des Klimaprojektes: die Rohstoffexpedition. Mit ihr war das Bündnis 2018 an zehn Schulen in der Region unterwegs. Anhand des Alltagsgegenstands Smartphone haben die Schüler Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Konsum, Produktion, Rohstoffabbau sowie Umwelt- und Klimaauswirkungen bekommen. Der Energiedetektiv wiederum ist ein Modul für die Grundschulen. Mit Experimenten lernen die Abc-Schützen, was Energie ist, wie sie erzeugt und umgewandelt wird. Und natürlich, wie sie Energiefresser finden. „Energie erleben“ heißt ein Modul, das sich an Vorschulkinder richtet. Auch sie erleben mit Experimenten und Spielen, was es mit der Energie auf sich hat.

Mit der Umweltbildung, sagt Thomas Streit von der KEW, soll die heranwachsende Generation ein besseres Verständnis für die Thematik aufbauen. Unter den älteren Semestern erlebe man noch viele Vorbehalte, was es mit dem Klimawandel tatsächlich auf sich habe. Das müsse sich ändern. Deshalb die Kampagnen. Gleichwohl sei der kommunale Energieversorger auch ganz praktisch unterwegs in Sachen Klimaschutz. Ob im eigenen Unternehmen, das über ein Energiemanagement-System schaut, wo es selbst Energieverbrauch drosseln kann, oder mit anderen Dienstleistungen. Bei der E-Mobilität  zum Beispiel sind weitere Ladesäulen für Pedelacs in Planung. Und in diesem Jahr sollen Schnelllade-Stationen zur noch überschaubaren Infrastruktur hinzukommen. Wobei Streit sagt: „Dass es zu wenig Säulen gibt, stimmt nicht. Sie sollen mit dem Bedarf mehr werden.“ Neben Dienstleistungen wie Energieaudits weist er zudem auf das Mieterstromprojekt hin: Die KEW baut mit der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft (GSG) Photovoltaik-Anlage auf Dächern. Auf diesem Weg sei schon eine halbe Million Euro investiert worden in bald 30 Anlagen mit einer Spitzenleistung von 342 Kilowatt.

„Wir möchten motivieren“, sagt Sparkassen-Direktor Volker Fistler. Sein Unternehmen arbeite gerne im Klimaprojekt mit und wolle mit der Basisarbeit möglichst viele Menschen im Kreis ansprechen. Allerdings sei das Kreditinstitut auch bei ganz konkreten Projekten an Bord. Fistler schätzt, 30 bis 40 Prozent der Photovoltaik-Anlagen im Kreis  seien durch die Sparkasse initiiert oder umgesetzt. In Windkraftprojekten stecke zudem eine Finanzierungssumme von über 14 Millionen Euro. Neben weiteren Aktivitäten sei die Sparkasse auch Mitglied bei der Energiegenossenschaft Fürth, dem  größtes  Nahwärmeprojekt in Deutschland. Fistler: „Wir begrüßen im Klima-Projekt ausdrücklich, wenn möglichst viele konkrete Projekte im Sinne des Klima-Schutzes umgesetzt werden.“