Klaus Häusler ist seit 20 Jahren Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Neunkirchen

20 Jahre Geschäftsführer : Ein runder Geburtstag für Zwei

20 Jahre existiert die Gesellschaft der Wirtschaftsförderung im Kreis. Klaus Häusler ist Geschäftsführer seit der ersten Stunde.

Geschäftsführer Klaus Häusler lehnt sich mit einem zufriedenen Lächeln gegen das Polster des schicken roten Sofas. Die „Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Neunkirchen“, kurz WFG, hat es gut getroffen mit den Räumen an der Bliespromenade. Modern, großzügig, hell ist es hier. Auf der einen Seite des Flurs das von der WFG betreute Startup-Center, auf der anderen die Räume der Gesellschaft selbst mit Blick auf die Bliesterrassen. In der Mitte der offene Raum mit Küchenzeile und eben dem einladenden Sofa. Aus den Startup-Büros schaut manchmal einer der Jung-Unternehmer herein, grüßt, holt sich einen Kaffee. Entspannte Atmosphäre. Häusler hat für das Gespräch auch noch eine bedeutsame Kennzahl im Köcher. Die Zahl der Beschäftigten im Kreis hat die 40 000er Marke in den jüngsten Statistiken überschritten. Und liegt damit über den goldenen Zeiten von Kohle und Stahl. Die vielen schweren Jahre der Umstrukturierung, so darf man diese Zahl interpretieren, sind geschafft. Und der Wirtschaftsförderer darauf auch stolz. Häusler lehnt, die Beine überschlagen, am Sofa. Zurücklehnen geht in seinem Job aber wohl nie. Von schwierigerem Fahrwasser für die saarländische Wirtschaft ist dieser Tage die Rede. Und auch ohne aktuelle Sorgen hat der Wirtschaftsförderer Höhen und Tiefen erlebt. Immerhin ist er seit 20 Jahren Chef der Gesellschaft und Mann der ersten Stunde

1999 hat die Wirtschaftsförderung im Kreis ihren heutigen Namen bekommen. Feiert also diesen Sommer wie ihr Geschäftsführer Häusler, von Hause aus Bankkaufmann und vor seiner WFG-Zeit bei der Sparkasse Firmenkundenberater, runden Geburtstag. Die Vorgängergesellschaft stammte aus den Endsechzigern und hörte auf den ausgesprochen europäisch klingenden Namen Wirtschaftsförderung Saar-Ost-Westpfalz-Bitche. Die WFG ist eine GmbH, genießt als solche allerdings einen Sonderstatus. Sie ist nicht gewinnorientiert, der kommunale Gesellschafterkreis besteht aus den sieben Kreiskommunen, der Sparkasse Neunkirchen und der Landesbank. Ihr Job ist, kurz gesagt, die Wirtschaft im Kreis zu stärken. Vom großen Unternehmen über den Mittelstand bis zum Einzelkämpfer, der in der Region ein Ladenlokal sucht. 18 Jahre war die Gesellschaft am Rande der Stadt angesiedelt im sogenannten Wagnerhaus am Blücherflöz. Dann ist sie auf die Bliesterrassen gezogen und somit heute mitten in der Stadt angesiedelt.

Die Wirtschaft stärken, das fängt bei der Existenzgründung an. Sie ist eines der wesentlichen Betätigungsfelder, sagt Häusler. „Start up“ sagt man heute dazu. Das Startup-Center besteht seit 2017. Ein halbes Jahr lang können Einsteiger komplett eingerichteten Büros mitsamt der dazu gehörenden Infrastruktur kostenlos nutzen. Das Know-how der Wirtschaftsförderung vis-a-vis. An ihnen kann Häusler mit Händen greifen, was Wirtschaftsförderung will. Für die Startups, aber auch für andere Unternehmen im Kreis, berät die WFG in Finanzfragen, etwa wo es welche Förderung gibt. Und sie betreibt Fleißarbeit: Über den Standortatlas der Gesellschaft können sich Interessenten ins Bild setzen, wo es welche freien Flächen fürs eigene Gewerbe gibt. Der Atlas listet sowohl Industrie- und Gewerbeflächen als auch Produktions- und Lagerhallen, Praxis- und Büroflächen, Ladenlokale und Gastronomie-Räume. „Wir bündeln das für die Region“, sagt Häusler. So müssen nicht die einzelnen Rathäuser im Kreis Mitarbeiter damit beschäftigen. Und Interessenten bekommen einen Überblick. Innerhalb des Standortmanagements geht es bei der Kreis-Gesellschaft um Vermittlung und Vermarktung von Grundstücken und Flächen. Innerhalb des Standortmarketings bietet sie Veranstaltungen, macht Image-Broschüren, einen Newsletter, ist bei Kampagnen wie „Hände hoch fürs Handwerk“ mit an Bord.

20 Jahre WFG, 20 Jahre Klaus Häusler als deren Geschäftsführer. „Es gab gute und schlechte Jahre“, sagt der Chef. In den Krisenjahren 2008/2009 habe es wenig Anfragen gegeben, wenig Investitionen. Tiefschläge, etwa der Niedergang der Firma Bauknecht am Standort Wellesweiler (heute ZF) taten weh: „Bauknecht hatte über 1000 Beschäftigte und davon immer mehr abgebaut“. Wenn er in einen Betrieb komme, egal ob groß oder klein, der von Insolvenz bedroht ist und in die Augen der Leute schaue, nehme ihn das mit. „Da geht es um Existenzen“, sagt Häusler. Und die Mitarbeiter hofften darauf, dass vielleicht der Wirtschaftsförderer noch einen Ausweg sehe. Als Bankkaufmann und zertifizierter Wirtschaftsförderer wisse er, was ein Unternehmen tun, an wen es sich wenden könne in der Krise. Aber zaubern kann auch der Chef der WFG nicht.

Häusler ist 57 Jahre alt. Ein paar Jahre kann er sich der Förderung der Wirtschaft im Kreis noch witmen. Das mache ihm auch nach 20 Jahren noch Spaß, sagt er, lächelt, und lehnt sich gegen das rote Sofa.

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