| 15:26 Uhr

Jörg Aumann OB-Kandidat
Von der SPD ins Rennen geschickt

Die Neunkircher Genossen wählten Bürgermeister Jörg Aumann am Sonntagvormittag zu Ihrem OB-Kandidaten.
Die Neunkircher Genossen wählten Bürgermeister Jörg Aumann am Sonntagvormittag zu Ihrem OB-Kandidaten. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Klares Votum für Jörg Aumann bei der Nominierungskonferenz am Sonntag in der Gebläsehalle. Von Anja Kernig

Das war selbst für eingefleischte Kenner der Szene ein Oh, là, là-Ergebnis: 96,6 Prozent all derer, die am Sonntag zu den Wahlurnen in der Gebläsehalle schritten, sprachen sich für Jörg Aumann aus. Überhaupt war diese Nominierungskonferenz der Neunkircher Sozialdemokraten eine einzige Pro-Aumann Veranstaltung – mangels anderer Bewerber. Im Foyer begrüßte der Bürgermeister in doppelter Ausführung die Gäste. Live mit Handschlag zum einen und zum anderen überlebensgroß vom Plakat: im Sportdress vor der Kulisse des Aha-Geländes. „Mit Ausdauer zum Erfolg“ lautet der Slogan, der bis zur Wahl am 26. Mai Lust auf einen künftigen Oberbürgermeister Aumann machen soll.


Etwa 400 Genossen und Sympathisanten, davon 239 Stimmberechtigte, wollten dabei sein, wenn Aumann offiziell ins Rennen um die Nachfolge von Jürgen Fried geschickt wird. Etliche Stühle mussten noch beigeschafft werden, mit so viel Resonanz hatte offensichtlich keiner gerechnet. Dass es „keine normale Parteiversammlung“ war, wie Moderator Stephan Schweitzer anmerkte, war schon beim Reinkommen klar: Amby Schillo, Michael Marx und Nino Deda besangen auf der Bühne unter anderem das Auseinanderklaffen von „Ideal und Wirklichkeit“ á la Tucholsky: „Man möchte immer eine große Lange, dann bekommt man eine kleine Dicke.“ Die Gefahr besteht bei Aumann schon mal nicht.

Nach den von Sebastian Thul abgehandelten undankbaren Formalien brachte Kristin Backes etwas Glamour in die Halle. Das Musicalprojekt Neunkirchen-Eigengewächs interpretierte unter anderem Songs aus „Die Päpstin“. Mit Verve brach SPD-Landesvorsitzende Anke Rehlinger anschließend nicht nur eine Lanze für den Kandidaten. Aumann sei „keiner, der sich weg duckt, wenn es unangenehm wird“, einer, „der nichts aus dem Weg geht um des lieben Friedens willen“. Dabei agiert der 48-Jährige „nicht abgehoben“, irgendwo im „Elfenbeinturm“. Seine oft kritisierte Nähe zu den sozialen Netzwerken – „wir wissen zu jeder Minute des Tages, wo er ist und welche Ideen er gerade hat“ – ordnet die Ministerin sowieso der Haben-Seite zu. Aumann gehe halt mit der Zeit. Rehlinger schätzt den Parteikollegen zudem als „agilen, motivierten, engagierten Lokalpolitiker“ – der sich, wie sie eben beim Neben-ihm-Sitzen festgestellt hat, „mit jeder Faser seines Körpers“ auf dieses Amt freut: „Das ist das Wichtigste. Bewahre dir das.“



Nach so vielen Lorbeeren entschlüpfte Jörg Aumann am Mikro zunächst ein kleines „Huch“. Dann aber bekannte er sich klar zu dieser Stadt mit ihrem „trotzig, selbstbewussten Habitus“, in die er mit seiner Frau und den drei Kindern vor neun Jahren gezogen ist, „die beste Entscheidung unseres Lebens“. Gleichwohl es „unter Sozialdemokraten verpönt ist“, stellte der Bürgermeister seiner Rede ein Bibelzitat voran: Jeremias 29, Vers 7: „Suchet der Stadt Bestes, …“. Er stehe zum Neunkircher Kulturentwicklungsplan, vermisse aber ein Hüttenstadtmuseum, das nach wie vor auf seiner Agenda steht. Stärker in den Fokus rücken möchte er die Stadtteile und ihre Zentren. Viel Beifall gab es für seine Forderung nach einem gerechten Landesentwicklungsplan und einem eigenen Bauordnungsamt in städtischer Hand, um „verantwortungslosen Eigentümern“, die „kaputt vermieten“ statt zu sanieren, „das Handwerk zu legen“. Verhaltener fiel er beim Thema Integration der Neubürger aus, um dann am Schluss noch mal aufzubranden und in Standing Ovations zu münden. Mit nach Hause bekam Jörg Aumann ein paar rote Laufschuhe. Somit ist der Wahlkampf eröffnet.