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Jenseits aller SchriftzeichenJenseits aller Schriftzeichen

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Neunkirchen. Die "Schriftstücke" sind weder in Griechisch, noch in Kyrillisch, noch in Latein verfasst. Manchmal glaubt der Betrachter zwar die Scriptura monumentalis der alten Lateiner zu erkennen, doch die Bilder von Dieter Trost sind eine Scheinschrift, ein deutbares Spiel aus Linien und Farben

Neunkirchen. Die "Schriftstücke" sind weder in Griechisch, noch in Kyrillisch, noch in Latein verfasst. Manchmal glaubt der Betrachter zwar die Scriptura monumentalis der alten Lateiner zu erkennen, doch die Bilder von Dieter Trost sind eine Scheinschrift, ein deutbares Spiel aus Linien und Farben. Oder wie es trefflicher die Kunsthistorikerin Verena Paul (Bexbach) beschreibt: Es handelt sich um "farbintensive Symbole und Buchstaben, die sich bisweilen in abstrakten, beschwingten Ondulationen (Wellungen) auflösen oder auf dem weißen Grund des Papiers eine metaphysische Körperlichkeit entwickeln". Dem Künstler sei nicht an der Bedeutung unserer Schriftzeichen und dem Wortsinn gelegen, sondern "an Ausdruck, Formqualität, Dynamik und Bewegungsstrukturen, die Resultat angespannter Konzentration, aber auch unbeschwerter Spontaneität sind". Verena Paul erkennt "lyrisch-subtiles Vokabular aus Lineamenten, Kurvaturen und Formationen, "glühende Farbschweife", die mit der "Darstellung von Rhythmus, Dynamik und Geschwindigkeit" spielen.Der sehr zurückhaltende, sympathische Künstler und Erzieher arbeitet, wie er im SZ-Gespräch verrät, mit Metall- und Holzstreifen und mischt seine Tusche und Farben aus lichtbeständiger Holzbeize selbst. Trost hat in den gezeigten 55 Arbeiten Schriftzüge neu entdeckt. Hannelore Seiffert aber hielt als Vorsitzende des Künstlerkreises für den "vielseitigen, vielschichtigen, hochbegabten" Künstler ein launiges Zitat eines Künstlers der Renaissancezeit namens Cennino Cennini parat, in dem er unter anderem mahnt:"Als Zeichner sollst Du immer ein geregeltes Leben führen, als studiertest Du Theologie, Philosophie oder eine andere Wissenschaft."Am Ende des Zitates heißt es, damit des Künstlers Hand nicht zitternder und flüchtiger werde, solle er den häufigen Umgang mit Frauen meiden. Den klangvollen Rahmen zur Vernissage gestaltete das begabte Jazz-Duo Lukas Reidenbach, 16 und Laurenz Karsten, 18, vor zahlreichen Kollegen des Künstlers vom Krebsberggymnasium und anderen Gästen.

ZUR PERSONDieter Trost ist am 5. Mai 1934 in St. Ingbert geboren. Er studierte Bildende Kunst, Malerei und Zeichnen sowie Philosophie in Saarbrücken. 34 Jahre lehrte die Fächer Bildende Kunst und Philosophie am Gymnasium am Krebsberg. Seit 1970 ist er Dozent an der VHS St. Ingbert für Zeichnen, Grafische Techniken und Malen. Dieter Trost bildete sich bei herausragenden Fachleuten weiter und kann auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland verweisen. Er ist Mitglied des Künstlerkreises Neunkirchen. gm