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Lesedino
„Jeder, der liest, ist ein Gewinner“

Bürgermeister Jörg Aumann auf der Treppe inmitten der jungen Leseratten. Emma Breitsch erster Platz, vor Aumann, links Franziska Pohl, zweiter Platz, und rechts, Lia Braun, dritter Platz.
Bürgermeister Jörg Aumann auf der Treppe inmitten der jungen Leseratten. Emma Breitsch erster Platz, vor Aumann, links Franziska Pohl, zweiter Platz, und rechts, Lia Braun, dritter Platz. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Beim erste Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs „Lesedino“ kämpften elf von 139 Schulsiegern um den Einzug ins Finale.

Bescheidenheit wäre hier ausnahmsweise mal fehl am Platz: „Wir sind eines der führenden Länder in der Leseförderung“, merkte Jörg Sämann vom Ministerium für Bildung und Kultur noch schnell an, bevor es am Montagnachmittag ernst wurde. So einen Vorlesewettbewerb in der vierten Klasse leistet sich ja nicht jedes Bundesland. „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal.“ Mag sein. Aber den acht Mädchen und drei Jungen – Schulsieger aus Neunkirchen, Schiffweiler und Spiesen-Elversberg – die inzwischen schon ein wenig wie auf glühenden Kohlen herum rutschten, war das piepegal. Weshalb Sämann schnurstracks zum wichtigsten Programmpunkt überging: der Bekanntgabe der Gewinner des Lesedino 2018 – oder besser gesagt der ersten Hälfte der Gewinner. Bei 22 Grundschulen im Kreis kommt man um eine Splittung gar nicht herum.


Landesweit beteiligten sich bei der 17. Auflage des Wettbewerbs 6500 Schüler aus 300 vierten Klassen, informierte Bibliotheksleiterin Gabriele Essler. Ihr Team hatte sich wieder viel Mühe gegeben, um die Gäste zu verwöhnen. Es dauert ja schon eine Weile, bis alle elf Kinder aus ihrem eigenen Buch vorgelesen haben und anschließend aus dem vorgegebenen – in dem Fall „Der unvergleichliche Ivan“ von Katherine Applegate. „Menschen gehen verschwenderisch mit Worten um. Sie werfen sie einfach weg wie Bananenschalen und lassen sie dann verrotten. Dabei weiß doch jeder, dass die Schale das Beste an einer Banane ist.“ Mit diesem Monolog beginnt die Lebensgeschichte von Ivan, einem Gorilla, der seine besten Tage im Zoo schon hinter sich hat. Trotz philosophischer Tiefe und systemkritischer Botschaft war der „Fremdtext“ gut zu bewältigen, befand Buchhändlerin Katja Rohles – dank kurzer Sätze und einfacher Sprache der Autorin. Das Mitglied der fünfköpfigen Jury opfert für die beiden Regionalentscheide gern seine Zeit. Warum? „Weil der Lesedino das Medium Buch fördert“, für Katja Rohles eines der wichtigsten Kulturgüter überhaupt.

Hilfreich bei der Beurteilung sei ein Punkteschema von eins bis fünf. Beim Lesevortrag achte sie vor allem auf Technik und Textgestaltung, „mit wieviel Elan“ gelesen wird zum Beispiel und ob jemand monoton spricht oder, im besten Falle, Charakteren eine eigene Prägung verleiht. Eine Rolle spiele auch, „ob man den Sinn des Textes beim Lesen rauskriegt“. Überrascht und angetan zeigte sich die Fachfrau, wie viele Klassiker unter den mitgebrachten Büchern waren, etwa „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler oder Michael Endes „Wunschpunsch“. Direkt warten könne man auf Harry Potter, ist die Erfahrung von Katja Rohles. „Der ist fast immer dabei.“ Mit den vielen englischen Namen und dem Phantasievokabular seien die Rowling-Bände zwar „total schwierig“ vorzulesen, „aber Kinder können das“.



Für das Landesfinale qualifizierte sich Emma Breisch von der Walter-Bernstein-Grundschule Schiffweiler. „Nee, damit habe ich nicht gerechnet“, schüttelte die glückliche Zehnjährige den Kopf. Viele ihrer Bücher stammen von ihrer älteren Schwester Leni, darunter auch „Vorsicht, die Herdmanns schon wieder“ – das Buch, das ihr zum Sieg verhalf. „Das habe ich schon öfters gelesen, das ist so lustig.“ Lesezeit ist in der Regel abends im Bett. Wobei es sich bei den Breischs aus Stennweiler um eine außerordentlich lesebegeisterte Familie handeln muss. Auch Leni war schon als Schulgewinnerin beim Lesedino angetreten, vor drei Jahren. Aber gewonnen hat Emma.

Was so nicht ganz stimmt. Denn dann hieße es im Umkehrschluss, dass alle anderen Teilnehmer verloren hätten. Und das sei keineswegs der Fall, betonte Bürgermeister Jörg Aumann. „Jeder, der liest, ist ein Gewinner.“ Er legte den Kindern wärmstens ans Herz, weiter und „viel“ zu lesen. „Bitte behaltet das bei, das wird immer von Vorteil sein“. Begünstigt lesen doch „die Fähigkeit, Informationen schnell aufzunehmen“ und abzuspeichern. Aber nicht nur das. Jeder Bücherfan wird bestätigen können, wie toll es ist, „die Welt außen vor zu lassen und sich für ein paar Stunden hinter einem Buch zu verschanzen“, schwärmte Aumann. Da kann „kein Handy, kein Fernsehen und keine Spielekonsole“ mithalten.

Platz zwei ging an Franziska Pohl von der Grundschule Furpach. Über „Bronze“ freute sich Lia Braun von der Grundschule Steinwald. Alle elf Schulsieger wurden mit einer Urkunde und einem Buchpreis beschenkt. Am Montag treten die Schulsieger aus Eppelborn, Illingen, Merchweiler, Ottweiler, Riegelsberg und Landsweiler-Reden in der Stadtbibliothek gegeneinander an. Der Landesentscheid ist am 15. Mai im Bildungsministerium.