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Jazzpiloten im Musikuniversum

Jazzpiloten im Musikuniversum

Illingen. Mop de Kop. Der Name, den sich die Musiker Daniel Prätzlich und Oliver Maas für ihr Jazz-Duo gegeben haben, ist ebenso ungewöhnlich wie ihre Musik: Denn die beiden Free Jazzer spielen eigene, ja fast schon eigenwillige Kompositionen, die sich in einem Spannungsfeld zwischen Jazzimprovisation und zeitgenössischem Klangbild bewegen

Illingen. Mop de Kop. Der Name, den sich die Musiker Daniel Prätzlich und Oliver Maas für ihr Jazz-Duo gegeben haben, ist ebenso ungewöhnlich wie ihre Musik: Denn die beiden Free Jazzer spielen eigene, ja fast schon eigenwillige Kompositionen, die sich in einem Spannungsfeld zwischen Jazzimprovisation und zeitgenössischem Klangbild bewegen. Am Montagabend nutzten rund 20 Zuhörer die Gelegenheit, sich im Rahmen der feinen Reihe "Gumbo" in der Illinger Illipse ein Bild von der klanglichen Vielseitigkeit der Saarländer, die jüngst mit dem Jazzförderpreis der Stadt St. Ingbert ausgezeichnet wurden, zu machen. Mit "Eislandschaft". "Die Dose", "Ein Vorhang ohne feste Farbe", "Bewegung 1" oder "Bewegung 2" bezeichnen Pianist Maas und Drummer Prätzlich ihre Stücke. Sie sind eine Mischung aus komplett ausgeschriebenem Notentext und reinen Spielanweisungen, die viel Platz lassen für einen freien Umgang mit eigenen, spontan entwickelten Vorstellungsbildern. "Für uns öffnet sich so ein Universum an Musik, durch das wir als Piloten unaufhaltsam manövrieren, um neue Planetenmusik zu erreichen." kommentiert Oliver Maas die Idee der Band. Die wird mit Feuereifer umgesetzt. Wie ein Besessener haut Daniel Prätzlich auf die Trommeln, lässt seine Sticks über die Felle und Becken fliegen - das Gesicht vor Anspannung schon fast erschreckend rot. Auch Oliver Maas hält es kaum ein Sekunde ruhig auf seinem Klavierschemel. Er scheint ständig auf der Suche nach der nächsten Note zu sein. Doch nicht nur das Klavier oder die Drums kommen als Instrumente zum Einsatz. Prätzlich hat ein Glockenspiel dabei und erweitert seinen Klangkörper auch gerne mal mit einer Eisenkette oder leeren Konservendosen. Eine davon war einmal mit halben Pflaumen gefüllt, wie das noch vorhandene Etikett verrät. Sogar der ehrenwerte Steinway-Flügel der Illipse muss als Schlaginstrument herhalten. Ein weiteres, gerne eingesetztes Instrument, ist die Stimme. Insbesondere Maas summt, spricht und singt immer wieder mit. Die Klangwelten von Mop de Kop, obwohl durchaus noch sehr melodisch, sind sicher nicht jedermanns Sache. Wer sich aber auf das Spiel der beiden hervorragenden Musiker einlässt, wird daran seine Freude haben. Jazz-Fans sollten sie sich jedenfalls nicht entgehen lassen.