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Interkultureller Nachbarschaftsgarten in Neunkirchen mit vielen Nationen

Interkultureller Nachbarschaftsgarten : In diesem Garten gedeiht Gemeinschaft

Interkultureller Nachbarschaftsgarten in Neunkirchen bringt viele Nationen zusammen. In der Anlage sind noch Parzellen frei.

Als Ort der Begegnung und der Gemeinschaft wurde im Herbst 2013 der interkulturelle Nachbarschaftsgarten in der Röntgenstraße eröffnet, in dem mittlerweile Menschen aus Deutschland, Syrien, der Türkei, Vietnam und der Dominikanischen Republik ihre Parzellen pflegen und so miteinander ins Gespräch kommen. „Die Idee war damals, etwas zur Wohnumfeldverbesserung beizutragen und Menschen unterschiedlicher Nationalitäten miteinander ins Gespräch zu bringen“, erzählt Sozialarbeiterin Janine Wack vom Familien- und Nachbarschaftszentrum (Mehrgenerationenhaus) Neunkirchen, welches das Projekt federführend betreut. Mittlerweile sei ein funktionierendes Miteinander entstanden.

Wie schnell es gelingen kann, ein Teil der Gartengemeinschaft zu werden, zeigt Ismail Hedar aus Syrien, der erst seit Juni mit seiner Familie eine Parzelle bewirtschaftet. Auf seinem Gartengrundstück gedeihen trotz der relativ kurzen Zeit bereits verschiedene Gemüsesorten wie beispielsweise Paprika, Tomaten und Bohnen. Auch die ersten Kartoffeln sind bereits zu sehen. Zum Treffen mit den anderen Gartenbetreibern hat Hedar arabisches Gebäck mitgebracht. Man sitzt zusammen und unterhält sich, so gut es eben geht. Ein Grillplatz kann von allen Parzelleninhabern genutzt werden.

„Wir können uns mit jedem verständigen, auch wenn wir die jeweilige Landessprache nicht kennen, schließlich haben wir ja Hände und Füße“, betont Rosa Heuser, die sich mit ihrem Ehemann Freddy seit der Eröffnung des interkulturellen Nachbarschaftsgarten in der Röntgenstraße engagiert und sich nicht nur um die eigene Parzelle, sondern auch um die Gemeinschaftsanlagen kümmert. „Ich wollte nicht nur eine Möglichkeit zum Gärtnern haben, sondern auch Gemeinschaft mit anderen erleben“, antwortet die 59-jährige Altenpflegerin auf die Frage, warum sie und ihr Mann sich damals für eine Parzelle im interkulturellen Nachbarschaftsgarten entschieden haben. „Wir haben vieles in Eigenregie gemacht“, ergänzt Freddy Heuser, der bei Fragen der anderen Hobbygärtner gerne als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Die beiden fühlen sich wohl im Nachbarschaftsgarten und kommen so oft wie möglich her. Begleitet werden sie dann oft von Kevin Laurinat, der sich in der Anlage als „Mädchen für alles“ sieht und mithilft, wo er gebraucht wird. Er verbindet mit dem Grundstück Erinnerungen an seine Kindheit. „Hier war früher ein Kinderspielplatz, auf dem ich als Junge oft gespielt habe“, erinnert der 31-jährige an die Geschichte des Grundstücks.

Hamo Bulat, der aus der Türkei stammt und seit 1994 in Deutschland lebt, arbeitet fast täglich in seinem Garten. Stolz präsentiert der 63-Jährige seine Kürbisse, aus denen die Familie Marmelade kocht. Auch Auberginen und Wassermelonen gedeihen neben Zwiebeln, Tomaten und anderen Gemüsesorten auf seiner Parzelle.

„Der Garten bietet viel Potenzial. Es braucht aber auch Leute, die dauerhaft bereit sind, ihre Arbeitskraft in dieses Projekt zu investieren“, sind sich Janine Wack und Stadtteilmanager Wolfgang Hrasky einig. Dies schließe nicht nur die Bewirtschaftung der eigenen Parzelle mit ein, sondern betreffe auch die Übernahme von Aufgaben für die Gemeinschaft. In einem Schuppen können Gemeinschaftsgeräte ausgeliehen oder eigene Utensilien für die Gartenpflege untergestellt werden.

 Freddy und Rosa Heuser sind von Anfang an mit dabei.
Freddy und Rosa Heuser sind von Anfang an mit dabei. Foto: Christine Schäfer
 Janine Wack vom Familien-und Nachbarschaftszentrum hilft bei Fragen.
Janine Wack vom Familien-und Nachbarschaftszentrum hilft bei Fragen. Foto: Christine Schäfer
 Ein Korb mit frisch geerntetem Gemüse.
Ein Korb mit frisch geerntetem Gemüse. Foto: Christine Schäfer
 Spitzpaprika im interkulturellen Nachbarschaftsgarten.
Spitzpaprika im interkulturellen Nachbarschaftsgarten. Foto: Christine Schäfer
 Auberginen gedeihen im Garten von Hamo Bulat.
Auberginen gedeihen im Garten von Hamo Bulat. Foto: Christine Schäfer
 Hamo Bulat hat auch Sonnenblumen angepflanzt.
Hamo Bulat hat auch Sonnenblumen angepflanzt. Foto: Christine Schäfer

Zur Geschichte des Nachbarschaftsgartens: Die Kreisstadt Neunkirchen hatte damals auf Initiative der Bürgerinitiative Stadtmitte und des Stadtteilbüros das brachliegende Spielplatzgelände in der Röntgenstraße zur Verfügung gestellt. Das 1100 Quadratmeter Gelände bietet heute neben Gemeinschaftsflächen Platz für insgesamt 16 Parzellen, von denen derzeit noch vier frei sind. Diese können an Interessierte aus dem näheren Wohnumfeld vergeben werden können. Ob Alleinstehende, Familien, Vereine oder Kindergruppen – wer mitmachen möchte, ist willkommen. Die Parzellen werden kostenfrei vergeben. Es wird lediglich ein jährlicher Beitrag zu den Wasserkosten erhoben. Mehr Informationen dazu hat  Janine Wack unter Tel. (0 68 21) 2 76 33.