In Neunkirchen gibt es eine Hilfestelle für Parkinson-Erkrankte

Gesundheit : Selbsthilfegruppe unterstützt Erkrankte und Angehörige

Rund 450 000 Menschen in Deutschland leiden unter Parkinson, der sogenannten „Schüttelkrankheit“.

Der 68-jährige Dietrich Rothhaar aus Elversberg ist seit zehn Jahren an Parkinson erkrankt. Nicht jeder, so erzählt der Pensionär der SZ, leide an den automatischen Schüttelerscheinungen der Hände: „Jede Erkrankung hat einen anderen Verlauf. Während die einen unter Bewegungseinschränkungen leiden oder in ihrer Mimik und Gestik beschnitten sind, haben andere die Schüttellähmung oder Verstopfungen.“ Er selbst habe es in einer Reha-Klinik geschafft, medikamentös gut eingestellt zu werden und sich mit Krankengymnastik, Ergo- und Physiotherapie mit der Krankheit zu arrangieren.

Nun setzt Rothhaar sich dafür ein, dass dies auch anderen Erkrankten gelingt. Das tut er in der regionalen Parkinson-Selbsthilfegruppe im Landkreis Neunkirchen, um sowohl den Erkrankten als auch den Familienangehörigen wichtige Hilfestellungen zu geben. „Zum einen tauschen wir uns regelmäßig in unseren Sitzungen aus und geben uns gegenseitig Ratschläge. Zudem fördern wir das Zusammengehörigkeitsgefühl und signalisieren, dass wir als Betroffene mit unserer Krankheit nicht alleine sind“, erklärt Rothhaar. Insgesamt zehn bis 20 Prozent der Selbsthilfegruppe, zu der aktuell rund 70 Mitglieder zählen, sind nicht von der Krankheit betroffen. Aus Treue und Verbundenheit zu ihren verstorbenen Lebenspartnern kommen sie weiter zur Selbsthilfegruppe. An der Gymnastik nehmen sie ebenfalls teil, erzählt Rothhaar.

Die Selbsthilfegruppe Parkinson der Regionalgruppe Neunkirchen trifft sich jeden Freitag. Am ersten Freitag im Monat wird gewandert. Im Anschluss gibt es einen Restaurantbesuch. „Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Rothhaar. ,An den übrigen Freitagen trifft sich die Gruppe regelmäßig um 16 Uhr im Mariensaal der katholischen Pfarrei St. Marien in Neunkirchen zur Gymnastik, bei der speziell auf die Motorik von Parkinson-Erkrankten eingegangen wird. Zudem findet am vierten Freitag im Monat immer noch zusätzlich ein Gruppengespräch statt. Von Zeit zu Zeit referieren auch Neurologen und Pharmareferenten über neue Behandlungsmethoden der bislang immer noch unheilbaren Krankheit.

Die „Deutsche Gesellschaft für Neurologie“ geht von 450 000 Betroffenen der Erkrankung in Deutschland aus. Viele Betroffene müssen zunächst mit der Bewegungsverlangsamung, den Sprech- und Schluckstörungen sowie den Geschmack- und Sehstörungen leben. Wie soll man regaieren, wenn der Befund „Parkinson“ kommt? „Man sollte offensiv mit der Parkinson-Krankheit umgehen und sich nicht dafür schämen oder gar verheimlichen“, sagt Rothhaar dazu. „Die Selbsthilfegruppe hilft dabei, mit der Krankheit umzugehen.“

Info Dietrich Rothhaar, Telefon (0 68 21) 7 09 40, und Edgar Dörr, Telefon (0 68 25) 4 19 79.

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