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Judo
Immer an der Spitze sein

Bartone Franco feiert den Titel des deutschen Meisters. Foto: Bartone/Verein
Bartone Franco feiert den Titel des deutschen Meisters. Foto: Bartone/Verein FOTO: Privat
Zweibrücken/Neunkirchen. Seit fast 40 Jahren betreibt Franco Bartone Judo. Jüngst gewann er Silber bei den Europameisterschaften in Glasgow. Von Lucas Jost

Jahrelang kämpfte er in der 1. Bundesliga. Mit dem Judo-Club Zweibrücken, anschließend mit dem Judo Club Ettlingen. Mit denen erreichte er zweimal den Europa-Cup, bestes Resultat: Fünfter. Inzwischen glänzen in seinen Palmarès zusätzlich zwei fünfte Plätze bei Veteranen-Weltmeisterschaften, sieben deutsche Meistertitel und, seit kurzem vielleicht einer der größten Erfolge: Silber bei den Veteranen-Europameisterschaften in der Klasse M4 bis 60 Kilogramm. „Judo war schon immer mein Sport, das war schon immer mein Traum“, sagt Franco Bartone.


Fünf Jahre alt war er, als er die Liebe zur Kampfsportart entdeckte. „Mein Vater ist auch Sportler. Er wollte, dass sich jedes seiner Kinder eine Sportart sucht. Ich habe gesagt, ich will Judo machen. Woher das kam, weiß ich nicht. Ich bin in den Verein und war direkt infiziert“, blickt er zurück. Seine Anfänge machte er unter Gerhard Reindorf in St. Wendel. „Er hat eine ganz tolle Jugendarbeit gemacht“, weiß Bartone noch. Von da an ging es als Jugendlicher zum Judo-Club Grügelborn, der eine der stärksten Judo-Nachwuchsabteilungen Deutschlands stellte. Bartone: „Das war einer der erfolgreichsten Vereine in Deutschland. Wir sind da recht schnell in den Nationalkader gekommen. Wir waren richtig erfolgreich mit dem kleinen Dorf Grügelborn.“

Und während ehemalige Kollegen, Kameraden und Wegbegleiter der Sportart aus unterschiedlichsten Gründen den Rücken zukehrten, blieb Bartone ihr treu. Zu groß war sein Ehrgeiz: „Mein Ziel ist es immer, ganz hoch zu kommen. Ich wollte weiter in die erste Liga“, erzählt er. Und das gelang. Mit Zweibrücken meisterte er den Aufstieg in die Bundesliga, maß sich dort jahrelang auf höchstem nationalem Niveau. Mehrere dritte Plätze und darüber hinaus eine doppelte Teilnahme bei Europa-Cup inklusive.



Inzwischen hat der 44-Jährige seine Bundesliga-Karriere beendet und geht für seinen Stammverein TuS 1860 Neunkirchen, für den er zu Bundesliga-Zeiten parallel in Ober- und Landesliga antrat, bei Veteranen-Wettkämpfen an den Start. Zuletzt bei der Europameisterschaft in Glasgow, bei der er einen großen Erfolg landen konnte. Denn Mitte des Monats kehrte Bartone mit einer Silbermedaille in der Klasse M4 bis 60 Kilogramm aus der schottischen Hauptstadt zurück. Sein Dank, das betont der Zweibrücker, gebührt insbesondere seiner Familie. Seinen vier Kindern und seiner Frau, mit der er heute im Stadtteil Wattweiler lebt. „Meine Familie hat mich ganz toll unterstützt und hat mir Plakate gemalt. Da hat das ganze Drumherum gepasst. Da konnte ich ganz befreit in das Turnier“, erzählt er. Denn nur mit dieser Unterstützung sei es überhaupt möglich, den gesamten Zeitaufwand zu bewältigen.

Zeitaufwand, der auf den ersten Blick für viele zu hoch erscheint, in Wirklichkeit aber Ausgleich und ein Stück Seelenruhe bedeutet. „Judo gibt einem ganz viel. Es kann Ruhe geben, wenn man beruflich aufgewühlt ist. Man kann sich abreagieren. Das hat mir auch im Berufsleben geholfen. Ich habe Judo immer gleichwertig betrachtet, manchmal auch etwas mehr als den Beruf“, sagt Bartone und beginnt zu lachen. Geschadet hat der Sport seiner beruflichen Laufbahn jedenfalls nicht. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmacher und Arbeit als Teamleiter, leitet er heute als Meister in einem Industrieunternehmen ein Team von rund 30 Leuten. Und auch sportlich ist sein Ehrgeiz nach wie vor nicht gestillt. „Silber bei der Europameisterschaft ist ein klasse Erfolg. Für mich heißt das dann aber auch, nächstes Jahr gibt es nochmal die Möglichkeit, dort  hinzufahren – und dann kann ich ja vielleicht Gold gewinnen.“