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Im Ziehwald steht eine „Im Gedenken an Emmi Diedenhoven“

Eine Bank zur Erinnerung : Emmi Diedenhovens Bank im Ziehwald

Seit August kann man im Ziehwald eine wunderschöne Bank bewundern. „Im Gedenken an Emmi Diedenhoven“ steht auf einem Messingschild daran. Uns interessierte die Geschichte hinter der Bank.

Emmi Diedenhoven fehlt. „Man wartet drauf, dass sie um die Ecke kommt“, sagt Frank Holzer, der beim Telefonat mit der SZ auf seiner Terrasse steht und rüber zum Wald schaut. Die über 80-Jährige war jeden Tag im Ziehwald, schon morgens um halb acht konnte man sie dort antreffen – bis spät in den Abend. Stundenlang zog sie ihre Wege durch den Forst bis rüber nach Hangard und Höchen. Zwischendurch ging es kurz zum Essen heim, dann war sie schon wieder auf Tour, stets forschen Schrittes. „Sie hätte bestimmt einen Halbmarathon geschafft.“ Naja, nicht wirklich, aber es schwingt einige Bewunderung in Frank Holzers Worten mit. Fit war Emmi Diedenhoven in jedem Fall.

Freundschaften zu pflegen war nicht ihr Anliegen, „sie war wohl am liebsten allein“. Nachdem ihr Mann, ein im Ort bekannter Möbelschreiner, vor einigen Jahren gestorben war, fiel Emmi Diedenhoven zu Hause die Decke auf den Kopf. „Sie hat sich jeden Tag ihren Frust abgelaufen“, deutet es Gudrun Holzer. Da ergab es sich zwangsläufig, dass viele Leute Emmi Diedenhoven kannten. Eigentlich jeder, der regelmäßig im Wald spazieren geht. Ein oder zwei ältere Damen begleiteten sie manchmal.

Im Frühjahr starb die rüstige alte Dame. Sie wurde tot am Sportplatz gefunden. Ein kleiner Schock für die „Familie“ der Waldnutzer. Der Gedanke kam auf: Warum nicht Emmi Diedenhoven eine Bank widmen, oben, in ihrem geliebten Ziehwald? Die Initiative, der unter anderem auch das Ehepaar Holzer angehört, sammelte Geld. Das Sitzmöbel selbst fertigte Alexander Knoll an, ebenfalls ortsansässig und oft oben im Forst tätig.

Parallel kontaktierte man den zuständigen Forstmitarbeiter. „Wir haben einen Vororttermin vereinbart“, bestätigt Ober-Revierleiter Heiner Scherer. Gemeinsam sah man sich die favorisierte Stelle an: eine gut frequentierte Wegkreuzung auf dem Philosophenweg. „Ich habe das so akzeptiert. Die Stelle war gut geeignet“, sowohl was den Untergrund anbelangt als auch den Bewuchs. Morsche, trockene Äste würden beispielsweise eine Gefährdung darstellen, die es zu vermeiden gilt. Prinzipiell sei man dankbar für solche Privatinitiativen, „wir freuen uns über jede zusätzliche Bank“. Wobei laut Scherer natürlich die Verkehrssicherheit gegeben sein muss.

Alexander Knoll wollte schon längere Zeit an der Stelle eine neue Bank aufstellen. Die alte war durch Rückefahrzeuge schwer beschädigt worden. Zusammen mit Gisela Hild, einer Nachbarin, kam man auf die Idee, beide Anliegen zu verbinden. Als Material wählte Knoll „das ewige Holz“: Eiche. Geschnitten hat er die Platten aus einem Eichenstamm, der am Eberstein geschlagen wurde. Im Sommer stellte Knoll, der von Beruf Stadtplaner ist, die Bank auf. Einen Meter tief reicht das Fundament für die Stahlstützen – ein bisschen für die Ewigkeit, hofft der Hobbyschreiner. Zudem schenkt er dem Ziehwald bald einen Bären oder einen Adler aus Holz, mit der Kettensäge gearbeitet. Eine weitere marode Bank zu ersetzen, steht auch noch auf seiner Liste. Für Emmi Diedenhoven kommt das zwar zu spät. aber vergessen wird sie keiner hier. „Sie war ein Bestandteil des Waldes“, findet Frank Holzer.