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Die Geschichte eines Flusses
Im Fluss der Zeit – die Saar

Ein historisches Bild – der Saarbrücker Kohlehafen in den 1920er Jahren. Zur Rechten die heutige Hafenstraße mit der Abzweigung zur Sophienstraße. Links die Kaimauer mit den Kohlewagen. Wo Wasser und Schiffe zu sehen sind, stehen heute Congresshalle und Arbeitsamt.
Ein historisches Bild – der Saarbrücker Kohlehafen in den 1920er Jahren. Zur Rechten die heutige Hafenstraße mit der Abzweigung zur Sophienstraße. Links die Kaimauer mit den Kohlewagen. Wo Wasser und Schiffe zu sehen sind, stehen heute Congresshalle und Arbeitsamt. FOTO: ungeklärt
Eine Reise durch die Geschichte eines Flusses und ein fotografischer Blick an seine Ufer. Von Michael Kipp

Die Saar – sich ihrer Geschichte zu nähern, ist nicht einfach. Welche Menschen haben an ihren Ufern gelebt? Welche Tiere in ihr? Warum gibt es so viele alte Mühlen an ihrem Oberlauf? Warum ist die Saar kanalisiert, wenn so wenige Schiffe darauf fahren wollen? Warum will kaum einer in ihr schwimmen? Und die ganzen Burg- und Industrieruinen an ihren Ufern. Was soll das? Warum gibt es keine massive Großstadt an ihren Ufern? Wir hatten viele Fragen an die Saar. Die Antworten geben wir in unserer Serie.


Sie ist in zwei Episoden geteilt. In Episode eins gehen wir auf die Beziehung Mensch-Fluss ein, hangeln uns in den Serienteilen an der Chronologie an den Ufern entlang. Immer mit Blick darauf, wie die Saar das Leben der Menschen beeinflusst – und wie der Mensch den Lauf des Flusses einengt. Tausende Jahre hat der Fluss das Sagen in dieser Gemeinschaft – seit der Industrialisierung der Mensch. Die Kelten, Franken, Römer, die Fürsten, die Lothringer, die Franzosen. Später die Preußen, die Nazis, die Saarländer. Wir zeigen, wie bereits Müller und Flößer an der Oberen Saar erste Eingriffe in den Fluss vornehmen. Wir schauen auf die ersten Straßen, auf die ersten Orte, die ersten Klöster, die ersten Grafen und Fürsten. Renaissanceschlösser, massive Burgen, mystische Klöster, auf beste Riesling-Weinlagen.

Wir erklären, warum die Saar nie eine der ganz großen Schifffahrtsstraßen werden konnte, und warum sie vor allem im mittleren Saartal immer eine sein wollte. Warum an den Ufern Bundesstraßen, Eisenbahnlinien und Autobahnen an der mittleren Saar vorbeifließen. Warum die Kanalisierungen spät kamen. Wir erzählen, wie lange Störe und Lachse in der Saar lebten. Und warum nun nicht mehr. Wir schildern, wie der Mensch in der Industrialisierung und danach die Saar tötet. Bis zum großen Fischsterben 1986. Erst danach soll sich der Fluss erholen. Warum? Auch das berichten wir. Die Saar im Fluss der Geschichte ist das Leitmotiv unserer ersten Episode über die Saar. Die Geschichte gibt nicht alle Antworten auf die eingangs gestellten Fragen, aber auch nicht wenige. Die, die sie gibt, erstaunen, machen fassungslos, erfreuen, mahnen und machen sogar Hoffnung. Schließlich ist sie immer noch da: die Saar.



Das zeigt vor allem unsere zweite Episode der Serie. In fünf Teilen zeigen wir den 235 Kilometer langen Fluss im Hier und Jetzt. In Form einer Bilderreise. Von den Quellen am Donon bis zur Mündung in Konz. Unser Art-Director Robby Lorenz hat sie fotografiert. Monatelang. Die 121 Kilometer Fließstrecke durch Frankreichs „Grand Est“. Die elf Kilometer, die sie als fließende Grenze dient, die 68 Kilometer durch das Saarland und die 38 Flusskilometer durch Rheinland-Pfalz. Ohne Filter, ohne Sonne (was im Sommer gar nicht so einfach war). Um sie so zu zeigen, wie sie ist. Und nicht, wie sie in manchen Bildbänden zu sehen ist: Zur Fototapete verkommen.

Dabei ist sie vor allem am Oberlauf eine echte Natur-Schönheit, fließt mäandernd durch pittoreske schöne Ort- und Landschaften. Ab Saargemünd präsentiert sie sich im Arbeitskittel. Eine mannigfaltige Industrie hat sich am Mittellauf niedergelassen. Produziert heute noch – oder hat Industrieruinen zurückgelassen. Im Unteren Saartal ist der Fluss wieder liebreizend. Aber auch nicht mehr so, wie er war, als er sie sich einst mäandernd durch den Schiefer des Hunsrücks drückt, die Saarschleife formt. Bis in die 1970er Jahre zeigt sich die Saar dort wie ein rauschender Mittelgebirgsbach mit Stromschnellen, Untiefen und hoher Fließgeschwindigkeit. Bis die Politik unter Druck der Industrie auch diesen Teil der Saar kanalisiert.

All dieses Wissen über die Saar lässt sich aus verschiedenen Quellen erarbeiten. Sie sind nicht vielfältig. Aber es gibt sie. Zum Beispiel das hervorragende Buch „Die Saar – Geschichte eines Flusses“ herausgegeben von Richard von Dülmen und Eva Labouvie. Ruth Bauer vom Saarbrücker und Benedikt Loew vom Saarlouiser Stadtarchiv haben geholfen, wie Paul Burgard vom Landesarchiv. Dem Vor- und Frühgeschichtlichen Museum hat die Serie Infos und Fotos zu verdanken. Dessen Leiter, Dr. Franz-Josef Schumacher, ist an der Saar geboren und ein Freund des Flusses. Er hat bei den ersten Serienteilen sehr geholfen. Genau wie Albert Schöpflin, Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes, der alles zum Saarausbau weiß.

Wobei uns niemand helfen kann, ist eine allgemeingültige Gefühlsbeschreibung zu liefern. Wie denkt der Saarländer über seinen Fluss? Der Franzose? Der Pfälzer? Wenn der Völklinger, Dillinger oder Brebacher an die Saar denkt, hat er, meist kein sonderlich herzliches Verhältnis zu seinem Fluss. Die Saar ist zwar neben dem Rhein der einzige Fluss, der als Namensgeber für ein Bundesland herhalten muss, er ist aber nicht mit einer mythischen Liebe überzogen. Eine Kloake sei sie, hören wir oft. Wer darin schwimmen will, muss keimresistent sein. Dass dies heute mehr nicht nötig ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Die Poesie lässt die Saar fast ganz außen vor. Dabei hat sie den Menschen, die an ihr leben, nahezu alles gegeben. Und hat überlebt. Bis heute.

Alle Teile der Serie:
1. Wenn Nashörner und Kelten aus der Saar trinken. 2. Gedeih und Verderb der Römerstraßen an der Saar 3. Liutwins Wunder an der fränkischen Saar. 4. Grafen und Klerus am Saarufer 5. Eilsabeth und die Saar-Frösche 6. Der Sonnenkönig an der blutigen Saar 7. Der Barock-Style am Saarufer 8. Die Mühlen an der Saar 9. La Revolution á la Sarre 10. Die Industrie frisst das Saarufer I 11. Der Saarkohlenkanal 12. Die Industrie frisst das Saarufer II. 13. Die Industrie tötet die Saar. 14. Die Industrie baut die Saar um. 15. Still und tief fließt die Saar. 16. Fischer und Fische an der Saar. 17. und 18. Von den Quellen bis zur Grenze – eine Fotoreise. 19. und 20. Durch das Saarland – eine Fotoreise. 21. Vom Saarland bis zur Mündung – eine Fotoreise

Während der heißen Tage waren Denise und ihr Hund Askari oft und gern in der Saar baden. Vom Ufer oder Boot aus in der Nähe des Saarbrücker Osthafens.
Während der heißen Tage waren Denise und ihr Hund Askari oft und gern in der Saar baden. Vom Ufer oder Boot aus in der Nähe des Saarbrücker Osthafens. FOTO: Robby Lorenz