Im "Doktor-Taxi" zum Arzttermin

Im "Doktor-Taxi" zum Arzttermin

Neunkirchen. Wenn Artem Goldmann über das deutsche Gesundheitssystem spricht, gerät er gewaltig in Rage. Einer seiner Kritikpunkte ist der Umgang der Krankenkassen mit dem Thema Patienten-Beförderung. Denn nur noch in Ausnahmefällen ("da muss man einen enormen Aufwand betreiben, um einen Beförderungsschein zu bekommen") erstatten die Kassen die Transportkosten

Neunkirchen. Wenn Artem Goldmann über das deutsche Gesundheitssystem spricht, gerät er gewaltig in Rage. Einer seiner Kritikpunkte ist der Umgang der Krankenkassen mit dem Thema Patienten-Beförderung. Denn nur noch in Ausnahmefällen ("da muss man einen enormen Aufwand betreiben, um einen Beförderungsschein zu bekommen") erstatten die Kassen die Transportkosten. "Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung macht es aber gar keinen Sinn in diesem Bereich zu sparen. Wer seine ambulante Versorgung wegen der Fahrtprobleme nicht geregelt kriegt, landet schließlich im stationären Bereich, was deutlich höhere Kosten verursacht", ärgert sich Goldmann. Er hat es aber nicht beim Kritisieren belassen, sondern nach Gesprächen mit Kollegen das Unternehmen DocCab gegründet, das sich mit der Organisation und Durchführung von Patienten-Fahrten befasst. Wobei DocCab sich weder als Taxi- noch als Krankentransport-Unternehmen versteht und deswegen auch nicht in Konkurrenz dazu tritt. "Wir wollen mit unserem Angebot den Patienten helfen und die ambulante medizinische Versorgung unterstützen", erläutert Goldmann seine Beweggründe. Anders als beim Taxi kann ein DocCab nicht adhoc angefordert werden. Vielmehr muss eine Fahrt (Goldmann: "Die meisten medizinischen Termine sind im vorhinein geplant") vorher via Telefon oder Internet (siehe Info) bestellt werden, damit die Zentrale sinnvolle Fahrtrouten zusammenstellen kann. Da nimmt das DocCab dann auch schon mal, mit den Ärzten Rücksprache, damit sich Touren und Termine für alle Beteiligten besser vereinbaren lassen. Ist der Transport eines Rollstuhl-Fahrers angesagt oder ein Liegendtransport, vermittelt die DocCab-Zentrale das an entsprechende Unternehmen weiter. Zudem ist DocCab dabei, weitere Dienstleistungen in sein System aufzunehmen. So werden Rezepte vom Fahrzeug an die Apotheken gefaxt, können dann von dort direkt zum Patienten gebracht werden. In Zusammenarbeit mit einem Neunkircher Lebensmittelmarkt ist es sogar möglich, mittels einer Einkaufliste auch dort Bestellungen für Dinge des täglichen Bedarfs aufzugeben, die dann vom DocCab abgeholt und dem Kunden sogar bis in die Wohnung getragen werden. Goldmann sieht noch eine Menge Möglichkeiten für weitere Vernetzungen - beispielsweise mit Pflegediensten. Und verliert sein Ziel nicht aus den Augen: "Stärkung der Hausärzte und des ganzen ambulanten Medizin-Systems".

Auf einen BlickSeit März sind die neunsitzigen DocCabs vom Neunkircher Zentrum am Boxberg aus unterwegs, um Patienten aus Neunkirchen und Umgebung zu Ärzten in der Region und zu anderen medizinischen Dienstleistungen (und zurück) zu transportieren. Pauschal werden pro Fahrt fünf Euro als Kostenbeitrag erhoben. Das System DocCab, für das es nach Einschätzung seines Gründers bundesweit kein Vorbild gibt, funktioniert nach Sammeltaxi-Muster. Dr. Artem Goldmann hat den Transport-Service gegründet, der mittlerweile sechs Vollzeitkräfte beschäftigt. Das Spektrum der Dienstleistungen wird stetig erweitert. Buchung und nähere Informationen unter Telefon (01802) 920 888 oder im Internet unter www.doccab.de. sl