Große Nachtmusik in der Illipse: Wo Klassik auf die Musik der Moderne trifft

Große Nachtmusik in der Illipse : Wo Klassik auf die Musik der Moderne trifft

In der Illinger Illipse waren mehr als 250 Besucher begeistert von der nunmehr 27. Auflage der „Großen Nachtmusik“.

 Eigentlich sagt ein Sprichwort: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“ 2017 hingegen war eher: „Wenn du denkst, da kann jetzt nichts mehr kommen, kommt alles noch viel schrecklicher. Trump, Kim Jong-Un, Rechtsruck und Terroranschläge legen beredtes Zeugnis ab. Da freut man sich doch auf ein Ereignis, das dazu geeignet ist, das Jahr musikalisch-geruhsam ausklingen zu lassen.

Zum 27. Mal fand in der Illipse in Illingen nun schon die Große Nachtmusik der AG Nachtmusik,  wie in jedem Jahr auch wieder in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, statt. Und mit über 250 Besuchern war die Veranstaltung ein toller Erfolg.  Davon werden die Stiftung Illinger Bürger und die Opferhilfsorganisation „Weißer Ring“ profitieren, denn die AG-Nachtmusik-Leute formen nicht nur ein kulturelles Forum, auch die Erlöse werden caritativen Organisationen gespendet. Mit seiner bewährten Mischung aus Avantgarde, Jazz, Klassik und Pop begeisterte die Nachtmusik wieder ihr Publikum. Prof. Günter Dörr zum Beispiel kommt zusammen mit seiner Frau Monika seit Jahren zur Nachtmusik. „Dieses nachweihnachtliche Konzert ist alle Jahre wieder ein Muss für uns, Leute treffen, klasse Musik hören...“, die Nachtmusik altere nicht, meinte Dörr. Horst Peter Eisenbeis sagte, es sei für die Gemeinde Illingen ein gutes Zeichen, dass sich derartige Veranstaltungen über einen so langen Zeitraum erhalten können. Thomas Weber aus Saarlouis liebt die Vielseitigkeit und Abwechslung des musikalischen Angebotes, die kulturelle Toleranz und die Anhäufung so vieler netter Leute.

Den musikalischen Anfang hatten „Mariachis De La Muerte“ für sich. Das unplugged-Duett startete furios mit eigenwilligem Sound. Ungewöhnlich war auch der Auftritt von „Quasi Lontano“ mit den vier Saxophonisten Frank Hirschelmann (Sopran), Michael Hahn (Alt), Herbert Monz (Tenor) und Theo Weißkircher (Bariton), die klassische Musik, zum Beispiel die „kleine Nachtmusik“ von Mozart, mal nur mit Saxophonen erklingen zu lassen; neue Welten tun sich auf.

Einen Flügel, mehr braucht Georg Ruby nicht, um seinen Klangvisionen Form zu geben. Ruby bricht Strukturen auf und experimentiert mit ungewöhnlichen Klangfolgen, seine Stücke transportieren vor allem Emotionen. Georg Ruby gilt als einer der Motoren der deutschen Jazzszene, und das nicht nur als Initiator des JazzHaus-Labels, Mitbegründer des Kölner Stadtgarten und als Professor für den Bereich Jazz und Improvisierte Musik an der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken. Die beiden Mitglieder „bass2voice“, Jörg Kirsch und Lisa Mörsdorf, sind musikalisch schon viele Jahre getrennt unterwegs. Im August 2017 beschlossen sie nun, ihre Erfahrungen in einen Topf zu werfen. Was beide Musiker verbindet, ist die Liebe zum Bass, und das spürten die Konzertbesucher in der Illipse sehr deutlich. Seit März 2016 begleiten die Saarbrücker Musiker Rudy Schaaf (Kontrabass) und Heiner Franz (Gitarre) eine Gruppe syrischer Musiker, die auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat im Saarland angekommen sind. „Ankommen“, so heißt der Verein, der den Flüchtlingen auf unterschiedliche Weise dabei hilft, wieder Fuß zu fassen. „Al Rabieh“, bedeutet Frühling. Diesen Namen haben die Musiker für ihr Ensemble ausgewählt. Die Band bot in der Illipse eine Melange aus nahöstlicher und westlicher Musik.

Zum Abschluss spielte „Roxanne“ die bekannten und auch weniger bekannten Hits der 80er-Jahre Band „The Police“. Das Trio Jochen Philippi am Bass, Steven Buch(Schlagzeug) und Endi Caspar (Gitarre) teilen ihre nicht endende Begeisterung für die weltbekannten Songs aus der Feder von Sting mit ihrem tanzenden Publikum.

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