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Wie Faasekichelcher Vögel glücklich machen

Wie Faasekichelcher Vögel glücklich machen

Wer meint, ein Berliner und ein saarländisches Faasekichelche seien ein und dasselbe, der irrt. Anja Groß hat für die SZ das süße Hefegebäck gefertigt. Die Vorsitzende der Landfrauen räumt dabei mit Vorurteilen auf.

"S'is Faasenacht, s'is Faasenacht, die Kichelcher werre geback", heißt es in einem saarländisches Volkslied. Dieses kommt auch Anja Groß in den Kopf, wenn sie zu Fastnacht die berühmte Faasekichelcher zubereitet. Die Vorsitzende der Landfrauen im Kreis Neunkirchen kann über die kleinen leckeren Teilchen viel erzählen. "Ungefüllt und kleiner", sind die Faasekichelcher für Groß im Gegensatz zu Berlinern. "Manche füllen sie aber auch", weiß sie. Ihr Faasekichelcher-Rezept stammt fast unverändert von ihrer Mutter. Nur die darin ursprünglich verwendete Trockenhefe hat Groß durch frische Hefe ersetzt.

Dass sich einige Menschen vor der Zubereitung des angeblich so komplizierten Hefeteiges fürchten, aus dem die Kichelcher bestehen, kann sie nicht nachvollziehen. "Das ist ganz einfach", sagt sie und schreitet ans Werk: Zuerst gibt sie das Mehl in eine große Plastikschüssel und fügt nach und nach alle anderen Zutaten hinzu. "Eine bestimmte Reihenfolge habe ich da nicht", so Groß. Mit dem Knethaken ihres Handrührgeräts vermischt sie die Zutaten dann so lange, bis sich der Teig von der Plastikschüssel löst.

Eine Stunde Gehzeit

Dann heißt es warten: Die 48-jährige Hausfrau lässt den Teig in der Schüssel und bedeckt diese mit einem Geschirrtuch. "Bei Zimmertemperatur muss der jetzt gut eine Stunde gehen", sagt sie. So soll er sich gut um das Doppelte vergrößern. Alternativ könne man den Teig auch schon am Vorabend zubereiten und ihn über die Nacht in den Kühlschrank stellen. "Dabei geht er genauso gut auf", sagt Groß.

Die Wartezeit nutzt die 48-Jährige dazu, die Landfrauen von "dem ewigen Klischee "Backen und Kochen" zu befreien: "Wir machen auch andere Sachen", sagt Groß, die seit acht Jahren Vorsitzende des Kreisverbandes Neunkirchen ist, und lacht. "Die Landfrauen sind eine anerkannte Bildungsanstalt, wie die Volkshochschulen", so Groß. In diesem Sinne böten auch die vier Ortsvereine im Kreis Neunkirchen (Dirmingen, Hirzweiler , Steinbach und Wiesbach) Vorträge und Workshops in vielen verschiedenen Bereichen an. Neben ayurvedischer Ernährung stehen auch Seifenherstellung oder der Besuch der Kulissen des Saarländischen Staatstheaters auf dem Programm.

Fett nicht zu heiß

Während der Teig weiter aufgeht, erhitzt Groß das Pflanzenfett in einem Topf auf mittlerer Temperatur. "Das Fett sollte nicht zu heiß sein, sonst werden die Faasekichelcher außen zu braun und bleiben innen roh", sagt sie. Inzwischen ist der Teig aufgegangen. Bevor ihn Groß auf einer bemehlten Unterlage fingerdick ausrollt, knetet sie ihn noch einmal gut durch. Dann sticht sie mit einem kleinen Wasserglas (Durchmesser rund sechs Zentimeter) 40 Faasekichelcher aus.

Das Pflanzenfett ist inzwischen vollständig geschmolzen. Um die richtige Temperatur ausfindig zu machen, hat die Hausfrau einen Tipp parat: Sie hält einen Holzlöffel in das Fett und wartet einige Sekunden. Es entstehen Blasen - das heißt, dass das Fett heiß genug ist. Groß lässt also die erste Fuhre Teiglinge in das heiße Bad gleiten. Unter Zischen gehen sie darin noch mehr auf und schwimmen schnell an die Oberfläche. Nach wenigen Minuten ist die Unterseite bereits goldbraun und Groß wendet die Kichelcher mithilfe einer Schaumkelle, damit auch die andere Seite goldbraun wird. Dann schöpft sie das Gebäck aus dem Topf und befördert es mit der Schaumkelle in eine Schüssel, die sie vorher mit Küchenkrepp ausgelegt hat. "So tropft das Fett etwas ab", erklärt Groß.

Jetzt fehlt nur noch der Puderzucker, den Groß mithilfe eines kleinen Metallsiebs über die dampfenden fertigen Faasekichelcher streut. "Am besten genießt man die Faasekichelcher natürlich ganz frisch, wenn sie noch warm sind", empfiehlt Groß. Haltbar seien sie jedoch einige Tage. Damit sie auch noch später wie frisch gebacken schmecken, hat sie einen besonderen Tipp: "Die Faasekichelcher einfach ein paar Sekunden in die Mikrowelle stecken", so Groß.

Auch das abgekühlte Fett könne noch ein weiteres Mal erhitzt werden, dann sei es jedoch nicht mehr zum Frittieren zu gebrauchen, sagt Groß. Wegwerfen müssen man es jedoch nicht: Wenn man es abkühlen lässt und ihm Sonnenblumenkerne hinzufügt, kann man daraus Futterbälle formen und in die Bäume hängen. So hat dann auch die Vogelwelt etwas von Faasenacht.

Wer sich für eine Mitgliedschaft bei den Landfrauen im Kreis Neunkirchen interessiert oder einen Schnupperkurs besuchen möchte, kann sich per E-Mail an Anja Groß unter mollys@schlau.com wenden oder die Seite www.kreislandfrauen-neunkirchen.de besuchen.

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Rezept: 750 Gramm Mehl, 150 Gramm Zucker, eine Prise Salz, ein Ei, eine viertel kleine Tasse Sonnenblumenöl, ein Würfel frische Hefe, ein viertel Liter warme Milch, ein Kilogramm Pflanzenfett zum Ausbacken.red