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Wer Worte hat, ist hier willkommen

Die ehemalige Dorfkneipe in Uchtelfangen, die Alte Schule, hat die evangelische Kirchengemeinde angemietet. Sie ist Treffpunkt für die Lese-Reihe. Fotos: SZ-Archiv
Die ehemalige Dorfkneipe in Uchtelfangen, die Alte Schule, hat die evangelische Kirchengemeinde angemietet. Sie ist Treffpunkt für die Lese-Reihe. Fotos: SZ-Archiv
Illingen. Der Illinger Jazzer und SR-Musikredakteur Peter Kleiß ist in Rente. Jetzt hat er Zeit für Neues. Eines davon ist eine Lese-Reihe, die vor allem zur Kommunikation einladen soll. Erster Gast: Bernhard Stigulinszky. Elke Jacobi

Eigentlich kennt man ihn aus der Jazz-Szene. Peter Kleiß hat sich um die St. Ingberter Jazztage verdient gemacht, hat bei der Jazz-Lounge in Illingen die Finger im Spiel - und hatte dienstlich als SR-Redakteur sowieso mit dem Metier zu tun. Nun ist Kleiß in Rente. Und da ihm nichts ferner liegt, als die einfach untätig zu genießen, hat er sozusagen ein mehr oder weniger neues "Hobby". Da Ehefrau Elfie die Jazz-Lounge in ihren bewährten Händen hält - Ehemann Peter steht natürlich beratend zur Seite - hat der frischgebackene Rentner sich dem Lesen zugewandt, oder besser: dem (Vor-)Lesenden. Ab März wird es da in Illingen oder besser in Uchtelfangen etwas ganz Neues geben. Unter dem Titel "Haste Worte" wird Kleiß in die evangelische Begegnungsstätte Alte Schule in der Uchtelfanger Friedrichstraße einladen.

Man erinnert sich: Die Alte Schule war einst klassische Dorfkneipe, wurde aber - wie es das Schicksal vieler ihrer Art ist - kaum noch frequentiert. Mittlerweile hat die evangelische Kirche mit Pfarrer Reinhold Wawra die Gaststätte angemietet, sie wurde renoviert. "Nun", so schreibt Kleiß, "war die Frage: Was machen wir dort?" Mieten kann man den Raum beispielsweise. Das wird gerne genutzt für Geburtstage, Hochzeiten und Ähnliches. Ansonsten wird er von ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern jeden Dienstag und Sonntag bewirtschaftet. Die ehemalige Dorfkneipe kommt gut an, so stellte Kleiß fest. Da entwickelte er gemeinsam mit Wawra die Idee, dort eine Lese-Reihe zu etablieren. "Wichtig ist mir", so Kleiß, "dass die Lesenden zur Kommunikation einladen."

Da orientiert sich Kleiß ganz an der Jazz-Reihe von Ehefrau Elfie. Im Falle von "Haste Worte" heißt das: Die Literaten sollen nicht an ihrem Text kleben, sondern in der Lage sein, zu erzählen. "Wenn sie dabei ihren Text benötigen - okay." Kleiß selbst wird die Lesenden zu Beginn der jeweiligen Veranstaltung vorstellen, macht "zum Aufwärmen" ein kurzes Interview mit ihnen. Die ersten beiden Termine der Reihe stehen. Den Anfang macht am heutigen Freitag Kleiß' ebenfalls in Rente stehender Kollege Bernhard Stigulinszky. "Stigus Funkgedichte" stehen da auf dem Programm. Diese Reime bereicherten einst die Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR3, deren Stimme Stigulinszky war. Sozusagen Gereimtes aus seinem Leben, von Rilke über Storm bis Ringelnatz und Busch zu Spitzweg oder Rosegger - quer durch die Lieblingsautoren eben wird es da zu hören und zu bereden geben. Normalerweise soll einmal pro Monat eine Veranstaltung stattfinden. "Auf die Schnelle" hat man aber für den April niemanden gefunden, gesteht Kleiß. Deshalb geht es dann erst einmal im Mai weiter mit Veranstaltung Nummer zwei. Am Freitag, 22. Mai, ist dann Alfons Klein zu Gast. Der St. Wendeler Sprachwissenschaftler hat mit seinen beiden Büchern "Ebbes is immer" und "Die Kuh der englischen Königin" die saarländische Leserschaft für sich erobert. Dabei geht es ihm gar nicht so um die Mundart . Den Alltag der "ganz normalen Leute" will er in Szene setzten. Mundart und Hochdeutsch wechseln, machen seine Geschichten lebendig. Die im kulturellen Bereich übliche Sommerpause haben auch Kleiß und Wawra vor, einzuhalten. Da, so vermutet man, werden die Saarländer eher seltener zu Lesungen gehen. Deshalb geht es mit Lesung Nummer drei erst Ende September weiter. Dann soll es aber zum monatlichen Rhythmus kommen mit "Haste Worte" in der Alten Schule in der Friedrichstraße.



Peter Kleiß. Foto: SZ-Archiv
Peter Kleiß. Foto: SZ-Archiv FOTO: SZ-Archiv
Bernhard Stigulinszky
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AlfonsKlein
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