Bistum: Wenn volle Kassen auf leere treffen

Bistum : Wenn volle Kassen auf leere treffen

Bistum informiert in Illingen über Vermögensfragen in den geplanten Großpfarreien. Verwaltungsräte verunsichert.

 Die Messdienerkasse ist sicher. Da geht keiner ran. Der junge Ministrant, der in der Pause auf einem der bereitgelegten Zettel seine Frage formuliert hat, kann später mit einer klaren Antwort und beruhigt nach Hause gehen. Das können nicht alle Teilnehmer der Informationsveranstaltung „Die Vermögensfragen in den Pfarreien der Zukunft“. Eingeladen hatte das Bistum Trier für Mittwochabend in die Illinger Illipse. Gut 250 Gäste füllen den Saal, das Gros aus Verwaltungsräten.

Hintergrund: Die Ergebnisse der Trierer Synode gehen in die Umsetzungsphase. „Pfarreien der Zukunft“ schaffen den Rahmen, in dem nun Inhalte gestaltet werden. Ein Entwurf zu Raumgliederung im Bistum (rund 1,4 Millionen Katholiken) sieht 35 Großpfarreien (bisher knapp 900 Pfarreien) vor, zehn im Saarland (die SZ berichtete). Derzeit wird über diesen Entwurf und die eingegangenen Rückmeldungen beraten, am 24. November abschließend. Dann geht eine Empfehlung an den Bischof. Der entscheidet. Die Diskussionsgrundlage für den Illinger Abend: Für jede „Pfarrei der Zukunft“ wird eine „Kirchengemeinde“, ein „weltlicher Schatten“, errichtet (siehe Info). Es geht also ums Geld, um Sachwerte, Immobilien, Schulden, Verpflichtungen. Die einen bringen gefüllte Kassen ein, andere leere Kassen – in eine gemeinsame Kasse. Diskussionsstoff.

Die Rückmeldungen zur Vermögensfrage fasst Moderator Gundo Lames, Direktor des Strategiebereichs Ziele und Entwicklung beim Bistum, zusammen. Etwa Klagen, dass es keine erkennbare Möglichkeit der Mitsprache gegeben habe. Oder die Angst, die Kirchengemeinden könnten „enteignet“ werden. Oder die Besorgnis, den Menschen werde die lokale Identität genommen.

Fürs Podium (Generalvikar Ulrich von Plettenberg, Gerichtsvikar Georg Holkenbrink, Finanzdirektorin Kirsten Straus, Justitiar Matthias Müller) und den Moderator ist Illingen die siebte von acht Info-Veranstaltungen im Bistum (zweite saarländische Station vor Illingen war Merzig). Und so antizipieren sie Unruhe, kritische Zwischenrufe, Beifall für Redebeiträge. Sie kennen es wohl schon.

Wieso gab es eine Richtungsentscheidung, bevor wir uns einbringen konnten? Wie soll die Verwaltung von der Dimension einer Großpfarrei zu schaffen sein? Werden weiter Räte gebildet und wie besetzt? Stiftungen für historisch wertvolle Gebäude? Wie soll das Zusammenspiel der angedachten Pfarrei-Leitung mit Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen aussehen? Was kann ich als Verwaltungsrat noch mitbestimmen? Wer entscheidet, welches Geld wir mit Zweckbestimmung wie lange für was festlegen? Auf manche Fragen kann das Podium lediglich mit einem Zwischenstand antworten. Die neue Kirchengemeinde wird einen Rat haben, der dann das Entscheidungsgremium ist, heißt es etwa. Unter Umständen könne nicht jede alte Kirchengemeinde personell in diesem Gremium vertreten sein. Auch zur Rätestruktur tagten derzeit noch Arbeitsgruppen. „Enteignung“ weist das Podium zurück. Von Plettenberg: „Sie sollen mitentscheiden, was mit Ihrem Kirchenvermögen in der Pfarrei der Zukunft passiert.“

Routiniert begründet Kirsten Straus die Vorentscheidung für den Lösungsweg „Eine Pfarrei - eine Kirchengemeinde“. Die „Frau der Zahlen“ skizziert das Überführen der Vermögen aus den jetzigen Kirchengemeinden in die neu zu gründenden Kirchengemeinden. Sie führt aus, wie und von wem Vermögens-Verantwortung zu gestalten sei. Und sie reißt auch ehrenamtliches Engagement und Unterstützungsstrukturen an. „Wir haben nicht nur gut wirtschaftende Kirchengemeinden, wir haben auch überschuldete“, stellt Straus fest. Es gehe um die wirtschaftliche und organisatorische Überlebensfähigkeit. Das Zusammenführen der Vermögen sei „locker da, wo das Kapital negativ ist“. Andersorts sei Widerstand vom Verwaltungsrat nachvollziehbar. Straus benutzt das Bild von „Gemeindegärten“, um die Idee hinter dem neuen Vermögenskonzept zu verdeutlichen: Grenzen und Gestrüpp müssen raus. Wir müssen Grundpflege hinkriegen. Für die Brachflächen brauchen wir Leute, die was Neues anbauen wollen. Operativ seien der Aufbau der Pfarrei, die Abläufe, die Rätestruktur anzupassen. Und zum Innenleben der XXL-Pfarreien: „Ich stelle mir eine 24-Stunden- und Sieben-Tage-Versorgung vor, irgendwo geht immer jemand ans Telefon und irgendjemand kommt.“ Skepsis hallt wider im Saal.

Was heißt das Neue für unser Geld? Das fragen auch die Verwaltungsräte in Illingen. Straus leitet an: Erstmal Vermögen klären. „Wir wissen doch, was wir haben“, höre sie oft. „Glauben Sie mir, das wissen nicht alle.“ Dann unterscheiden lernen. Welches Vermögen lassen wir zurück? Welches Vermögen bringen wir in die neue Kirchengemeinde ein? Welches identitätsstiftendes Vermögen wollen wir für uns abgesichert wissen? Es folgt verhandeln. Vermögenslisten der Kirchengemeinden nebeneinander legen und das Gesamtszenario beraten. „Sie können entscheiden, ob Sie es jetzt koordiniert, gemeinsam machen, oder dem Sachzwang folgend, wenn wieder eine Kirchengemeinde finanziell in die Knie geht.“ Dabei sei der Blick auf sich und andere eine echte Herausforderung: „Die gegenseitige Beurteilung stimmt fast nie.“ Schließlich: Verhandlungen haben Regeln zu folgen, Informations- und Rechtssicherheit sind zu gewährleisten.

Das Bild der „Gemeindegärten“ überzeugt nicht alle, da fällt auch der Begriff der „Bauernfängerei“. Jeder bringe über seine Kirchensteuer jetzt schon Solidarität ein, merkt Jochen Gabriel, Pfarrverwalter St.Josef/ St.Johannes Neunkirchen, zur eingeforderten Solidargemeinschaft an. Manche Pfarreien hätten schon zurückgelegt, an die Zukunft gedacht. Andernorts seien vielleicht auch Fehler gemacht worden. Gabriel: „Wir wollen miteinander teilen. Es muss aber so sein, dass alle satt werden.“

Was ist der Vorteil des Neuen? Immer wieder am Mittwochabend nachgefragt. Das neue Modell sei „flexibler“, so von Plettenberg: „Wir haben ein Dach, darunter viele Räumlichkeiten, die vielfältig ausgestaltet werden können.“ Den Modellbauern ist klar: „Wir machen keinen Trippelschritt, wir machen einen Sprung.“

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