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Märchenhaft
Wie das Aschenputtel zur Königin wird

Die Jugendgruppe des Theatervereins Illingen zeigte „Aschenputtel“.
Die Jugendgruppe des Theatervereins Illingen zeigte „Aschenputtel“. FOTO: Anja Kernig
Illingen. Die Kinder- und Jugendgruppe des Theatervereins Illingen zeigt eine moderne Version des bekannten Märchens. Von Anja Kernig

. „Komm an mein Herz, Schwiegertochter.“ Bis zu diesem honigsüßen Finale, bei dem König Philip das beglückte Aschenputtel in die Arme schließt, war es ein steiniger Weg. Weniger fürs Publikum in der Illipse, das knapp zwei Stunden bestens unterhalten (und in den zwei Pausen auch versorgt) wurde. Sondern für die arme Waise und ihren Prinzen, die um ein Haar nicht zusammengefunden hätten. Immerhin waren die Meinungen daheim im Schloss konträr: Während der Papa arrangierte Verbindungen bevorzugt – „Habe ich vielleicht aus Liebe geheiratet, häh?“, setzt Königin Erna auf die Kraft der Liebe. Möglichst die auf den ersten Blick.


Keine Frage: Aschenputtel ist ein Klassiker. Zur Freude vor allem der Erwachsenen handelte es sich gleichwohl um eine frische, fast schon emanzipierte Version des Grimmschen Märchens, die der Theaterverein Illingen unter Leitung von Caroline Zetzsche und Franziska Herrmann da in drei Vorstellungen auf die Bühne brachte. Endlich ist Aschenputtel kein Opfer mehr, sondern eine kritische junge Frau mit Grips, die nicht auf den Mund gefallen ist. Luana Schneiders verlieh ihrer Rolle Esprit und Charme, sodass man unbedingt von einer Idealbesetzung sprechen muss. Wobei auch ihre grässliche Stief-Familie alle Register zog: Schon im Eingangsdialog, bei dem sich Aschenputtel bei ihrer Stiefmutter über ihr Dienstmagd-Dasein beschwert, lief Lea Krämer als bösartige Stiefmutter zu Höchstform auf. „Merk dir, das Leben ist ungerecht“, freute sie sich diebisch an ihrer eigenen Bosheit. „Tja, Aschenputtel, Pech, Pech, Pech.“

Trotzdem hatte man fast so etwas wie Mitleid mit ihr, als ihre eigenen Kinder Stella (Emely Zimmer) und Nella (Kathrin Ott) auf den Plan traten: zwei geifernde Riesen-Oschis in Schlafanzug-Einteilern, die sich nur dann einig sind, wenn es gilt, Aschenputtel zu tyrannisieren. Ein Zusatzbonbon waren die beiden Ticks der Schwestern: Die eine kichert ständig affektiert, die andere zieht jedes „i“ in die Länge: „Mein Priiiiinz, ich biiiiin die Schönste.“



Und so ging es munter fort: Hier herrliche Überzeichnungen, etwa, wenn sich die penible Dienerschaft (unter anderem Mara Edler und Elisa Schneiders) im Palast beschwert, „sooo“ nicht richtig arbeiten zu können – als nämlich Aschenputtel ihren Namen verschweigt und infolge dessen nicht gebührend ausgerufen werden kann. Dort Neuzugänge beim Märchenkader, wie die schokoladensüchtige Prinzessin Malawina (Celine Senzig), über deren Naschsucht die Kinder im Publikum herzlich lachen konnten, oder die greise Königinmutter (Iris Zetzsche): Stocktaub verdreht sie alles und nervt die Throninhaber unsäglich. Dass der König (Jens Lenhoff) und seine Erna (Brigitte DePizzol) eigentlich amtsmüde sind und gern im Süden ihren Ruhestand genießen würden, glaubt man ihnen auf jeden Fall unbesehen.

So wurde es ein kurzweiliger Spaß, bei dem Prinz Johannes (Fiorina Seger) und sein Mädchen schon mal zu einem Hit von Ed Sheeran tanzten und die gute Fee (Marie Schmidt) ein bisschen ganz schön durch den Wind war. Dank der stimmungsvollen Kulissen und vor allem der prächtigen Kostüme war die Illusion perfekt – und der Beweis erbracht, dass man mit einem jungen Laienensemble einen wunderbaren Theaternachmittag gestalten kann. Auch ohne Jungs.