Von Punkrock bis Kammermusik

Illingen. Die Große Nachtmusik in Illingen ist erwachsen geworden. Zum 18. Mal luden die eifrigen Veranstalter von der AG Nachtmusik zum musikalischen Jahresabschluss ein

Illingen. Die Große Nachtmusik in Illingen ist erwachsen geworden. Zum 18. Mal luden die eifrigen Veranstalter von der AG Nachtmusik zum musikalischen Jahresabschluss ein. Das Programm kam heuer vergleichsweise kammermusikalischer, ruhiger und auch nachdenklicher daher, sieht man von den jungen Punkrockern Finding Faith ab, die den Lärmpegel kurzzeitig anhoben und wie ein Wirbelwind durch die Illipse fegten. Das Programm fächerte sich weit auf, musikalisch wie geographisch. Von Petra's Poster, einem innovativen Duett aus Saarbrücken, bis zu Teneke, die die Sehnsucht nach anatolischen Landschaften ertönen ließen, erfreuten sich die vielen Besucher an einem abwechslungsreichen Potpourri, das mal melancholisch wie Teneke oder ganz und gar fröhlich wie Empire daher kam. Petra's Poster besteht aus Michael Schäfer an der Weltraumharfe und Martial Frenzel am Schlagwerk. Die beiden schöpften in Illingen aus dem schier unendlichen Stilreservoir moderner Musik. Sie sind witzig, authentisch, schlagfertig, "ein höchst gelungener Auftakt", wie Mit-Organisator Andreas Goldbach bemerkte. Das Querflötenduo Christina Dietrich und Claudia Hahn wird gern als Illinger Urgestein apostrophiert, natürlich nur musikalisch und was die Zahl der Auftritte bei der Großen Nachtmusik anbetrifft. Bozza, Hindemith und Bartok gehörten am Silvestervorabend zu ihrem Vorrat. Interessante Texte mit vielfach zeitkritischen Anklängen bot das Vokalensemble d'accord, das sich mit weltlicher Madrigalmusik der Renaissance bis hin zum Jazz öffnet. Tja, und dann kam die Phase 4. Christoph Thewes (Posaune) und Sabine Noss (Gesang) drückten diesem Nachtmusik-Abend des Jahres 2008 den Stempel auf. Hochqualifiziert besetzt mit Jan Östreich am Bass und Hartmut Osswald (Bassklarinette). Mit von der Partie war auch der Harmonika-Virtuose Jörg Aatz. Mit ihm zusammen mischte Phase 4 zarten Jazz mit kernigem Blues. Helen Vogt und Patric Busch am Steinway-Flügel interpretierten französische Chansons. Wie die Piaf kam einem Helen Vogt vor, als sie, ganz in schwarz, das Mikrophon schützend vor den Körper gepresst, einsam auf der großen Bühne stand. Die türkische Musik von Jak Cenkel (Klarinette), Hayrettin Ceylan (Saz) und Martial Frenzel (Percussion), alle zusammen sind sie Teneke, stimmte nachdenklich, weckte aber auch Neugier nach den Menschen, die diese Musik spielen und damit erzählen von dem Land, aus dem sie stammt. Zum Jahresausklang versöhnte die Formation Empire und verströmte musikalische Zuversicht mit gut gelauntem Funk, Rock und Jazz.