| 20:30 Uhr

Illinger Jazz- und Talkreihe
Von Grenzerfahrungen und Klangwelten

Illingen. Bei Jazz & Talk im Illinger Rathaussaal begeisterte der Finne Tuomas A. Turunen sein Publikum am Klavier. Von Maria Boewen-Dörr

  Ein gutes Gespräch mit einem der großen Romantiker des skandinavischen Jazzpianos eröffnete die erste Veranstaltung des neuen Jahres von Jazz & Talk im Rathaussaal. Was verbal begann, setzte Tuomas A. Turunen anschließend musikalisch fort und begeisterte damit sein Publikum. Turunen ist in seiner finnischen Heimat ein preisgekrönter Jazzpianist und Komponist und sowohl bekannt als Solokünstler als auch als Mitglied mehrerer skandinavischer Jazzgruppen. Eingeladen hatte ihn Peter Kleiß, der Turunen über den Schlagzeuger Emil Brandqvist kennenlernte.


Kleiß führte mit dem Künstler ein lebendiges Gespräch, das von entspannter Sachkenntnis und Spontaneität geprägt war. Der Künstler selbst erzählte aus seinem Leben. Grenzerfahrungen wie der Tod seiner Mutter oder die Geburt seines Sohnes drückte er in den Stücken „I Held Her Hand And Said Goodbye“ und „Sun-Run“ aus und entführte in eine Klangwelt, die Poesie und Emotion beinhaltete und während des gesamten Konzertes von einer hochkarätigen Virtuosität geprägt war. Keine Frage – seine Musik berührte, einmal im klassischen Gewand, ein anderes Mal in jazzigem Tonkleid, wenn er die rasanten Jahre seiner musikalischen Entwicklung Revue passieren ließ.

Neben eigenständigen Interpretationen finnischer und schwedischer Volkslieder präsentierte er überwiegend eigene Kompositionen, eine sogar im 23/4 Takt. Musikalisch beschrieben wurde speziell in dieser Komposition das Leben seines Großvaters als Holzfäller in den finnischen Wäldern. Die Atmosphäre im Rathaussaal war sehr angenehm. Der sympathische Pianist wirkte entspannt, sparte nicht mit Zugaben und nahm sich auch nach dem Konzert noch jede Menge Zeit für die Gäste, verbunden mit einer Signierstunde.



Der Initiator der Veranstaltung, Peter Kleiß, zeigte sich am Ende überaus glücklich, dass der sonst eher schüchterne Künstler aus dem hohen Norden richtig aus sich herausgehen konnte und vieles erzählt hat, unter anderem auch, dass es bei ihm Zuhause in Südfrankreich nur ein Klavier gibt. Da seine Frau ebenfalls Pianistin sei, müssten sie sich das Instrument teilen. Kleiß geht es mit dieser Veranstaltungsreihe in erster Linie um gute Musik, aber auch darum, dass sich Menschen im Illinger Rathaus treffen, miteinander reden, Wein trinken, Käse essen und dabei diese gute Musik hören. „Jedes Konzert ist ein Unikat“, so Kleiss, ehemaliger Jazz-Redakteur.