Von der Schönheit des Hörens

Im Rahmen der Reihe „Haste Worte“ stellte Stanislaus Klemm sein Buch „Reden ist Silber, Hören ist Gold“ vor. Organisiert wurde die Veranstaltung von Peter Kleiß und der evangelischen Kirchengemeinde.

"Es gibt keine Sinneswahrnehmung, die ich mehr verehre, als das Hören." Über zwanzig Jahre lang ist Stanislaus Klemm bei der Telefonseelsorge Saar tätig. Zudem arbeitet der gebürtige Selbacher sieben Jahre bei der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen. "Dabei hatte ich mit etwas evident Wichtigem zu tun: Dem Zuhören." In dieser langen Zeit beginnt Klemm, sich mehr und mehr für die vielfältigen Aspekte der akustischen Wahrnehmung zu interessieren. Mit seinem Buch "Reden ist Silber , Hören ist Gold " will er den Lesern näherbringen, warum das Ohr das für ihn wichtigste Sinnesorgan überhaupt darstellt.

Die buchstäblich augenfälligsten Eindrücke sammelt der Mensch durch das Sehen. Der optische Wahrnehmungsmoment hat allerdings seine Schwächen: "Wir können nur sehen, was vor uns liegt", formuliert Klemm. Das Hören geht viel weiter. Es funktioniert in alle Richtungen. Es ist multidimensional und gleichzeitig zentral. "Hören geht nach innen, viel tiefer als das Sehen. Bis heute habe ich nichts erlebt, das so tief geht, wie die Musik."

Wie immens wichtig akustische Sinneswahrnehmungen sind, verdeutlicht auch der Philosoph Immanuel Kant anhand einer Verlustprämisse: "Menschen, die blind sind, werden von Dingen getrennt. Menschen, die taub sind, von Menschen." Hören als Schlüsselkomponente des sozialen Umgangs - hier setzt Klemm an. Er schreibt über verschiedene Hörweisen: Sachohr, Beziehungsohr, Befehlsohr und Selbstoffenbahrungsohr - sie machen klar, wie etwas gehört wird.

Neben all den Geräuschen betont Klemm besonders die Relevanz der Stille. "Stille macht den Klang, den wir in uns haben, erst wahrnehmbar." Damit verweist Klemm auf eines seiner Meinung nach größtes Problem unserer Zeit: "Die meisten kennen Stille doch nur vom Hörensagen." Ob Verkehrslärm, "Hörmüll" aus dem Fernsehen oder der mittlerweile oft obligatorische "Knopf im Ohr" - all dies führt zu überlauter Beschallung von morgens bis abends. Neben der Gefährdung für die Zellen im Gehör ist es vor allem die fehlende Balance, die Klemm anprangert: Wenn nicht genug Raum für ruhige Momente gegeben ist, kann das Gehörte nicht wirklich verarbeitet werden. Die Aussage "Wir brauchen eine akustische Entschleunigung!" stellt eine der wichtigsten Thesen seines Buches dar.

Von der Verankerung der Thematik im christlichen Glauben sprach Pfarrer Reinhold Wawra.