Von Beduinen und Grabräubern

Ein gelungener Abend im Zeichen der Literatur und der Begegnung: Peter Kleiß, syrische Flüchtlinge und die evangelische Kirchengemeinde hatten zur Veranstaltung „Haste Worte“ in die Alte Schule eingeladen.

Tabletts mit gefüllten Weinblättern und überbackenen Teigfladen machten die Runde, während Tarek und Mahmoud auf der Baglama und der Oud (orientalische Lauteninstrumente) exotische Melodien erklingen ließen. Die Flüchtlinge im Ort hatten sich einiges einfallen lassen, um am Freitag für die Besucher von "Haste Worte" ein Stück syrische Wüste in die Alte Schule in Uchtelfangen zu zaubern. Die Macher der Lesereihe - Leiter Peter Kleiß sowie die Evangelische Kirchengemeinde - freuten sich über die Unterstützung. Und auch die Besucher trugen ihren Teil zum Flair bei: Sie erschienen so zahlreich, dass sie im kleinen Veranstaltungsraum für wonnige Temperaturen und einen Grundpegel an Lebendigkeit sorgten.

Mittendrin hatten in syrischer Tracht Ari Tur und Stefan Jakob Position bezogen. Und auch wenn man Ersterem vom Namen und Letzterem vom Erscheinungsbild her den Orientalen ohne Weiteres abnahm, so sind sie es doch beide nicht: Ari Tur ist das Pseudonym, unter dem Harald Klein seinen Roman "König der vier Weltgegenden. Der Blaue Fuchs" veröffentlicht hat.

"Für die Beduinen in Syrien war mein Vorname ein echter Zungenbrecher", erklärte er. Also habe man ihn zunächst "Harry" und irgendwann "Ari" genannt. Und "Tur" sei einfach das sumerische Wort für "Klein".

Der Autor, zuletzt Mitarbeiter beim Saarländischen Rundfunk, ist eigentlich Archäologe und hat 17 Jahre lang jeweils für einige Monate in Syrien gelebt und gearbeitet. 2010, kurz vor Ausbruch des Krieges, hat er das Land noch einmal bereist und anschließend seine Erlebnisse in einem Roman verarbeitet. Jakob, den Uchtelfangern als Leiter des evangelischen Kirchenchores bekannt, war Kleins Kollege bei den Grabungen und las nun "seine" Passagen im Buch.

Das Publikum tauchte mit Klein und Jakob in die Welt der Beduinen ein, besuchte unter anderem die womöglich älteste christliche Kapelle und traf natürlich auch auf den blauen Fuchs - einen Grabräuber. Auch durch die Erzählungen zwischendurch sprang die Begeisterung des Autors für die Spuren früher Kulturen über und man konnte nachvollziehen, was es für das Grabungsteam bedeutete, als es in einer versunkenen Stadt auf ein ganzes Tontafel-Archiv aus dem 12. Jahrhundert vor Christus stieß. "Die Stadt wurde plötzlich lebendig für uns", so Klein.

"Der Blaue Fuchs" ist übrigens nur der erste Band des Romans. In Band zwei will Klein die Überlieferungen der Tontafeln, die Jakob in mühevoller Kleinarbeit übersetzt hat, verarbeiten.

Das Uchtelfanger Publikum, das schlussendlich noch einen syrischen Reihentanz tanzte, dürfte auf den vertiefenden Einstieg in die syrische Kultur vorbereitet sein.