Brunnen für Tansania: Und im Frühjahr blühen Blumen für Afrika

Brunnen für Tansania : Und im Frühjahr blühen Blumen für Afrika

Marliese Jung-Dörr hat mit ihrer Kunstschule bereits 12.000 Euro für das Brunnenprojekt in Tansania eingenommen. Die dritte Säule startet.

Beim letzten Besuch waren es bergeweise Infomaterial und selbst gebastelte Sammelboxen, die Marliese Jung-Dörr mitgebracht hatte. Dieses Mal war’s bunter: zwei wunderschön bemalte Container. Zwei von insgesamt 70, die zweite Säule ihres Projektes für die Aktion „Life needs Water“ (siehe Info), von ihren Kunstschülern hergestellt. Es sind im Übrigen Kanister, wie sie die Frauen in Afrika zum Wasserholen benutzen. Wer sich an der kunterbunten Schönheit erfreuen will: Man kann sie gerne ausleihen für Feste, Feiern, Jubiläen, und so die Aktion unterstützen. „Innerhalb des Saarlandes bringen wir die Kanister und holen sie auch wieder ab.“ Einige Aktionen haben die Container schon hinter sich. Zum Erntedank sind sie bereits von Pfarrerin Britt Goedeking in Neunkirchen geordert, das Edeka in Freisen hat Interesse angemeldet.

Auch der unmittelbare Nachbar von Jung-Dörrs Kunstschule, Pfarrer Dietmar Bell, hat schon die Hand gehoben. Wie das Leben manchmal so spielt, hat er mittlerweile ein ganz besonderes Interesse entwickelt. „Er war zufällig dieses Jahr selbst in Tansania.“ Erst bei der Rückkehr hatte er von der Aktion erfahren und es stellte sich heraus,  dass er bei seinem Afrika-Besuch sogar genau dort war, wo der Illinger Brunnen gebaut werden soll. „Das war für mich nochmal ein gutes und wichtiges Gefühl, das nochmal von meinem Nachbarn zu hören“, erzählt Jung-Dörr. Der unterstützt die Kunstschule, wo er kann. „In seinem Gottesdienst hatte Bell das Thema Wasser und hat um Spenden gebeten“, freut sich Jung-Dörr. 1400 Euro kamen daraufhin für „Life needs Water“ im Rahmen des Sommerfestes zusammen.

Überhaupt fühlt sich die Künstlerin in und von ihrer  Gemeinde besonders unterstützt. Das Illtal-Gymnasium hatte beispielsweise extra einen Spendenlauf gemacht und so 1000 Euro zusammengebracht, beim Burg- und Weiherfest haben verschiedene Geschäftsleute zu Gunsten der Aktion agiert. „Das ist so schön, wenn ich aufs Spendenkonto gucke, und sehe, wie da immer wieder was zusammenläuft.“ Insgesamt 12.000 Euro sind zur Halbzeit des Projektes schon zusammengekommen, 2000 mehr, als sich Jung-Dörr fürs gesamte Projekt erhofft hatte. Das neu avisierte Ziel: 15.000 Euro. „Jetzt will ich es wissen“, ist Jung-Dörr zuversichtlich. Schließlich sind aktuell noch 70 Spendenbehälter draußen. Gut 5000 Euro könnten da zusammenkommen, glaubt sie. „Je nachdem, wie viel es wird, geht das noch in einen zweiten Brunnen oder eine neue Aktion im nächsten Jahr.“

Die ursprüngliche Angst, dass es ihren Kunstschülern langweilig werden könnte, die hat sie schon lange nicht mehr. Die Begeisterung, mit der die Kurs-Teilnehmer gerade wieder die Kanister bemalt haben - aus Bildmaterial über Afrika teils Tiere oder Landschaften, teils aber auch kritische Themen - zeigt, dass sie ins Schwarze getroffen hat. Nach Abschluss der Aktion werden die Jugendlichen die Kanister mitnehmen. Jung-Dörr freut sich derweil auf den nächsten Teil der Aktion. „Jetzt kommt mein Lieblingskind.“ Gemeinsam mit Frank Schuppner und Gabi Steuer von der Gemeinde Illingen hat sie sich vor einigen Tagen vier Illinger Wiesen angeguckt: an der Burg, hinterm Rathaus und am Eventhaus. Dort hebt die Stadt Rabatte aus. Nach den Sommerferien wird Jung-Dörr mit ihren Schülern Pflanzbuchstaben aus Karton basteln. Die werden zu Schalen geformt und mit Frühlingsblühern bestückt. Vier mal wird das Logo „Life needs water“ dann erblühen - allerdings in vier verschiedenen Sprachen: Deutsch, Englisch, Polnisch und Französisch, letztere für die Partnerstädte. Für 50 Euro kann jeder einen solchen Buchstaben kaufen. Das Geld - „abzüglich der Knollen, wenn sich nicht noch ein Spender findet“ - geht dann auch in die Aktion. Und wenn dann im Frühjahr Traubenhyazinthen, Krokusse, Mini-Osterglocken und frühblühende Tulpen auf den Wiesen sprießen, weiß man in Illingen, dass es nun mindestens einen Brunnen mehr in Tansania gibt.

Vor den Weihnachtsferien ist Kassensturz, dann fährt Jung-Dörr nach Österreich, um die Spende zu übergeben. Für mindestens einen neuen Brunnen.

www.kunstkuki.de

Die „naturbelassenen“ Kanister vor ihrer Verschönerung. Foto: Marliese Jung-Dörr
 Wahre Schmuckstücke: Die fertigen Container. Foto: Marliese Jung-Dörr/Marliese Jung-Dörr

www.lifeneedswater.org

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