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Theaterverein die Ischele aus Wustweiler stellt sich vor

Fastnachtverein Die Ischele Theater und Faasend : Der Orden ist hier was ganz Besonderes

Es gibt 31 Fastnachtsvereine im Landkreis Neunkirchen. Zuzüglich der Neunkircher Karnevalsausschuss (NKA) als Dachverband über acht Neunkircher Vereine. Sie teilen sich auf in zwei Regionalbezirke: Neunkirchen-Sulzbachtal und Illtal. Auch für die Fastnachter ist die Pandemie-Zeit besonders schwer: keine Umzüge, keine Kappensitzungen. Aber die Fastnacht lebt dennoch. Deshalb stellen wir in unserer Serie die Vereine vor. Heute: die Ischele aus Wustweiler

Wer eine der traditionell zwei Kappensitzungen der Wustweiler Ischele besucht, der fühlt sich, als käme er gerade aus dem Theater. Und das kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat der Fastnachtsverein seinen Ursprung im Amateurtheater. 1956 war es, dass sich Theaterverein und Volksbühne Wustweiler zur Laienspielgemeinschaft Wustweiler zusammentaten. Die Fastnacht wurde zu einer Sparte des Vereins. Den Vereinsnamen Die Ischele – Wustweiler Theater & Faasend trägt der Verein seit 2003. Damit verweist heute schon der Name auf die Ursprünge des Vereins Und die Sitzungen tun es ebenso. Denn die Ischele-Kappensitzungen, so erzählt es der Vereinsvorsitzende Dominik Marx der SZ, sind „immer eine Art Inszenierung mit Theaterelementen“.

Was das Ganze aber mit Igeln zu tun hat? Nun: Früher gab es in Wustweiler eine Gesangs- und Unterhaltungsgruppe, die Ischelsänger. Sie waren lange Jahre die Hauptattraktion der Wustweiler Faasend. Um sie zu ehren, nannte man die karnevalistische Sparte der damaligen Laienspielgemeinschaft 1972 eben Die Ischele. Der närrische Igel und eine Theatermaske machen denn auch das Logo des Vereins aus.

Weil die Kappensitzungen der Ischele nun einmal nicht so sind wie die aller anderen, verzichtet man, so erklärt Dominik Marx, hier gänzlich auf ein Prinzenpaar. Einen Elferrat samt Präsident – in persona Christoph Meiser – aber gibt es auch hier.

Aber nicht nur der Ursprung im Theater und der damit einhergehende Verzicht auf ein Prinzenpaar machen die Ischele anders als die anderen. Hier gibt es keinen Sessionsorden. Während die anderen Vereine Jahr für Jahr neue Orden entwerfen und ihren aktiven Mitgliedern und Senatoren bei – in normalen Zeiten – extra anberaumten Ordensverleihen überreichen, verzichtet man in der Wustweiler Fastnacht ganz bewusst darauf. Einen Orden haben die Ischele natürlich trotzdem – aber den muss man sich verdienen. Erst im fünften aktiven Bühnenjahr wird der Hausorden verliehen. Oder aber auch bei besonderen Verdiensten um den Verein. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden auch schon mal derart bedacht. Wer es dann bis ins elfte Jahr schafft, der bekommt den 11er Orden. „Dadurch“, so sagt Marx, „wird bereits bei den Kleinen die deutliche Wertigkeit erhöht und es wird auf den Orden hingefiebert.“

50 Kinder und Jugendliche tun dies aktuell. Insgesamt hat der Verein über 200 Mitglieder, davon 115 Aktive. Wie erwähnt, finden normalerweise zwei eigene Kappensitzungen statt. Seit 1978 lädt man in die damals neu errichtete Seelbachhalle ein. Zuvor war das Gasthaus Zum Bäcker die Narrhalla. Doch irgendwann wurde der Andrang zu groß, der Saal drohte „aus allen Nähten zu platzen“, sagt Marx. Damals wie heute gilt in Wustweiler eines: Alle Programmpunkte werden ausschließlich von Vereinsmitgliedern gestaltet. Das macht den Vorsitzenden Dominik Marx ganz besonders stolz. Sieben Tanzformationen hat der Verein: Tanzflöhe, Tanzmäuse, Juniorengarde, Ischelgarde, Ischel-Infernale, Funkenmariechen und das Männerballett Les Flatschniggels. Ähnlich gut bestückt ist man auch im Bereich Büttenredner. Gleich sechs Vereinsmitglieder sorgen hier für Stimmung. Für Lacher sorgen Die drei lustigen Zwei unn ihr krumm Stück Holz, die Slapstick-/Nonsens-Truppe Los Trampolinos und das Redner-/Gesangs-Duo Die Marx-Brothers.

Präsident und Ischelgarde beim Rosenmontagsumzug in Illingen. Foto: dominik Marx/Dominik Marx
Sessions-Eröffnung in der Illinger Illipse. Foto: dominik Marx/Dominik Marx
Das Männerballett Les Flatschniggels tritt auch regelmäßig bei Männerballettmeisterschaften auf. Foto: Ischele/seventysixshots
Wer die bekommt, der kann stolz sein: Hausorden und 11er-Orden der Ischele. Foto: Dominik Marx
Vereinsausflug am ersten Mai Foto: seventysixshots Foto: Verein/seventysixshots
Der närrische Igel ist Teil des Vereinslogos. Foto: Dominik Marx

Die Teilnahme am Rosenmontagsumzug in Illingen mit eigenem Wagen und Fußgruppe gehört zum Programm ebenso dazu wie gemeinsame Ausflüge und Wanderungen. „Deshalb ist der vereinsinterne Zusammenhalt sehr groß“, bestätigt Marx der SZ. Dass in diesem Jahr so gar nichts laufen kann, darüber sind die Wustweiler Fastnachter noch ein bisschen trauriger als alle anderen. Denn in der Session 2021/2022 feiern die Ischele ihr närrisches 5 x 11. Jubiläum. Festgemacht an der ersten eigenen Kappensitzung am 9. Januar 1967. „Dieses besondere Jubiläum“, bedauert Marx, „kann leider wegen Corona nicht so gefeiert werden, wie geplant, soll aber nächstes Jahr nachgeholt werden.“