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Teamwork beim SV Kerpen Illingen

Amateurfußball : Basisdemokratie beim SV Kerpen

Der SV Illingen hat sich nach der letzten Saison freiwillig in die Kreisliga zurückgezogen. Und verfolgt dort im Rahmen seines Neuanfangs ein ungewöhnliches Modell. Trainer und Team entscheiden gemeinsam, wer spielt.

Bei den Fußballern vom SV Kerpen Illingen wurden die Uhren in dieser Saison wieder auf null gestellt. In der vergangenen Spielzeit belegte die Mannschaft in der Bezirksliga Neunkirchen zum Zeitpunkt des Abbruchs wegen der Corona-Pandemie den 15. Tabellenplatz. Dieser Rang hätte eigentlich zum Klassenverbleib gereicht – doch die Illinger traten freiwillig den Gang in die Kreisliga A Theel an. Hier hat der Verein, der 2018 noch in der Landesliga an den Start ging, den Neuanfang eingeleitet.

„In den letzten Jahren hat es bei uns aus verschiedenen Gründen sehr viele Abgänge gegeben. Für uns war es wichtig, wieder nach vorne zu schauen und eine neue, motivierte Mannschaft aufzubauen“, sagt der sportliche Leiter Ottmar Spaniol und ergänzt: „Wir haben viele junge Spieler dazubekommen, die einfach aus Spaß an der Freude etwas zusammen erreichen wollen. Wir spielen zwar jetzt vom Ligensystem ganz unten, haben aber in der A-Klasse eine gute und motivierte Mannschaft zusammen.“

Der 58-jährige Spaniol war früher Betreuer und ist nun seit sechs Jahren der sportliche Leiter der Illinger. Trainiert wird die Mannschaft von Günther Mergenthaler. Er sei aber kein Trainer im üblichen Sinne, sondern eher eine Art „Mannschaftsverantwortlicher“, so Spaniol. Denn beim SV Kerpen ist Gemeinschaftsarbeit angesagt: „Bei uns läuft viel über Teamwork. Jeder packt an, wo er gerade gebraucht wird. Bei der Organisation hilft auch Michael Sahl als erfahrener Spieler mit. Wir schauen, wer das Training besucht und stellen dann gemeinsam mit der Mannschaft den Kader für die Spiele auf  – und das klappt bislang auch sehr gut“, freut sich der sportliche Leiter. Die Devise des Vereins laute: Kein Spieler, der motiviert ist und sich im Training zeigt, soll den Spaß verlieren, weil er ständig nur zuschauen darf.

Trotz dieser im Vergleich zu anderen Vereinen demokratischen Art der Teamführung waren die Illinger im bisherigen Saisonverlauf mit ihrer neu formierten Mannschaft bereits für einige positive Überraschungen gut. Zwar kassierte der SV Kerpen gegen die beiden Spitzenmannschaften Merchweiler II (1:6) und Saubach II (1:7) deftige Klatschen. Gegen den Tabellenvierten Holz-Wahlschied II gelang den Illingern im letzten Spiel vor der Unterbrechung der Runde aber ein 2:1-Erfolg. Nach sechs Partien steht der SVI auf Platz neun im Tabellenmittelfeld. „Von der Einstellung sind wir in der Lage, auch den Titelfavoriten Paroli bieten zu können. Wir haben uns gut in der Klasse akklimatisiert. Auch wenn klar war, dass wir mit den besten Teams der Liga auf Dauer nicht mithalten können“, sagt Spaniol.

Mittelfristig wollen die Kerpen auch wieder eine zweite Mannschaft stellen, aber noch nicht in der kommenden Saison. Der Aktivenkader umfasst derzeit nur 18 Spieler. „Klar wäre es klasse, wenn wir jetzt im Winter dafür sorgen könnten, die Mannschaft auf breitere Füße zu stellen. Gleichzeitig hoffen wir natürlich darauf, dass uns die aktuellen Spieler weiter die Treue halten“, berichtet der sportliche Leiter.

Er will nicht auf die Vergangenheit zurückschauen, sondern sich auf das freuen, was nun kommt. Und das wäre aus sportlicher Sicht zunächst die Fortsetzung der laufenden Saison. „Die ganze Situation ist aber momentan sehr schwierig zu beurteilen. Vielleicht schaffen wir es noch, die Vorrunde zu Ende zu spielen und dadurch zu einer Wertungsmöglichkeit zu kommen. Allerdings kann derzeit ja niemand so richtig sagen, wie und wann es mit dem Amateurfußball weitergeht“, weiß der 58-Jährige.

Aber wenn dieser Tag gekommen ist, wollen die Kerpen wieder auf dem Platz beweisen, dass das basisdemokratische Modell der Illinger ganz blendend funktioniert.