1. Saarland
  2. Neunkirchen
  3. Illingen

SZ-Serie in Neunkirchen "Ich packe in meinen Koffer und nehme mit"

SZ-Serie „Ich packe meinen Koffer“ : Auf dumme Sprüche pfeifen

Urlaubszeit, Reisezeit. Sie kennen das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“? Die SZ hat sich spannende Koffer öffnen und ihren Einsatz erklären lassen. Teil 2: Fußball-Schiedsrichter Patrick Alt aus Illingen.

Patrick Alt hat sich beim Treffen mit der SZ für den kleinen Koffer entschieden. Den für den Ein-Tag-Einsatz: Fahrt zum Spiel, Anpfiff, Abpfiff, Fahrt nach Hause. Patrick Alt ist der derzeit hochklassigste Fußballschiedsrichter im Saarland. Seit 2015 pfeift er Zweitliga-Spiele, bis jetzt 35. Klar, auch sein Heimatverein SV Kerpen 09 Illingen ist stolz auf ihn.

Alles fing an vor ziemlich genau 20 Jahren. Am 24. Juni 1999 hat der damals 14 Jahre alte Illinger Bub seinen Schiedsrichter-Schein gemacht. „Mein erstes Spiel war F-Jugend, auf dem roten Platz in Wemmetsweiler“, erinnert sich der heute 34-Jährige. „Mit 17 hab ich dann aufgehört, selbst Fußball zu spielen“, sagt Alt, damals als klassischer Libero unterwegs. Schiedsrichtern war schon wichtiger geworden.

Sein schwarzes Mäppchen im Koffer mit Spielnotizkarten, Stiften, zwei Pfeifen und Sets mit den gelben und roten Karten ist immer noch das aus seiner Anfängerzeit, erzählt Alt. Die Schuhe haben inzwischen Größe 44 2/3. Heute reist er mit dem kompletten Farbensatz seiner DFB-Trikots: Gelb, Blau, Rot und Schwarz. Hose und Stutzen sind immer Schwarz. Im Gepäck liegt ebenfalls ein Set Fahnen mit Signalfunktion für seine Assistenten an der Linie, zudem ein Headset für die Kommunikation.

„Ruhig und entspannt“ beschreibt Alt seinen Leitungsstil auf dem Platz. Die Statistik der abgelaufenen Saison weist aus: Alt hatte 21 Einsätze in der 2. und 3. Liga, der Regionalliga Südwest und der B-Junioren-Bundesliga. 88 Mal zog er Gelb, viermal Gelb-Rot und einmal Rot. „Die rote Karte gab es im Spiel bei 1860 München“, erinnert sich Alt. „Eine Notbremse.“ Elfmal zeigte er in der Runde auf den Elfmeterpunkt. Alles ziemlich normal, meint der 1,81 Meter große und 72 Kilo leichte Referee.

Rund 75 000 Schiedsrichter pfeifen laut Zahlen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Deutschland. Sie leiten jährlich 1,6 Millionen Spiele von Bambini bis Senioren, von Kreisklasse bis Bundesliga. Patrick Alt gehört zum 150-köpfigen Elitebereich für die beiden höchsten Spielklassen 1. und 2. Bundesliga. Da warten dann zusätzlich individuelles Trainingsprogramm, sportpsychologische Betreuung und Fitness- und Athletik-Coaching, wie auf den DFB-Seiten nachzulesen ist. Zwei individuelle Fitness-Geräte reisen im Koffer mit Alt zu seinen Spielen: Blackroll und Blackroll-Ball -Massagegeräte, um verspannte Muskeln und verklebte Faszien zu lockern. „Vor allem Beine und Füße“, sagt Alt. Die müssen spritzig sein für die 90-Minuten-Auftritte.

Im Saarland gibt es laut Zahlen des Saarländischen Fußballverbandes rund 1100 Schiedsrichter. Unten für die Kreisliga B erhält der Unparteiische aktuell einen Spesensatz von 19 Euro. Oben in der Saarlandliga sind es 36 Euro. Für die zweite Liga erhielt ein Schiedsrichter zuletzt ein Grundgehalt von 40 000 Euro plus 2500 Euro Einsatzprämie.

Schiedsrichter sind zunehmend Beleidigungen, gar Anfeindungen ausgesetzt, wie immer wieder durch die Medien geht. Verbände versuchen gegenzusteuern. „Man muss über diesen Punkt kommen, wo man es dann schafft, viel Drumrum ausblenden zu können.“ Das ist für Alt die entscheidende Hürde auf dem Weg, um nicht aufzugeben und weiterzumachen. Und dabei sei es wichtig, gut begleitet zu werden: „Mir wurde Vertrauen rübergebracht.“

In seinen Anfangsjahren sollte Alt mal in eine Liste eintragen, was sein Ziel sei: „Ich hab damals Regionalliga geschrieben.“ Das hat der Wirtschaftsinformatiker und zweifache Familienvater längst geschafft. Er könne nicht die eine Eigenschaft benennen, die ein junger Mensch für den Schiri-Job mitbringen müsse. Ausbildungsinhalte beherrschen, entscheiden können seien erstmal die Voraussetzung. Persönlichkeit reife, aber sicher sei auch auf dem Fußballplatz schnell erkennbar, wer sich durchsetzen könne, eine natürliche Autorität habe: „Schiedsrichter-Einteiler müssen dann das Gespür haben, wann sie einen in eine höhere Ausgabe reinstupsen können.“

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter www.saarbruecker-zeitung.de/koffer-im-einsatz