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Stefan Schäfer aus Illingen restauriert Oldtimer

Kostenpflichtiger Inhalt: Illinger baut Vorkriegsautos um : Ein Oldtimer Marke Eigenbau

Stefan Schäfer aus Illingen restauriert einen Daimler ganz nach seinen Vorstellungen.

Andere Leute beschäftigen sich in diesen vom Virus verseuchten Zeiten der sozialen Abstinenz mit einsamem Kreuzworträtsellösen. Andere machen Shopping-Versuche, die meist schnell beendet sind. Und viele gehen ihren Angehörigen in gefühlt immer kleiner werdenden Wohnungen auf den Wecker.

Nicht so Stefan Schäfer aus Illingen. Der begnadete Schrauber in Sachen Motorräder und Autos baut  gerade einen englischen Daimler aus dem Jahre 1936 nach seinen eigenen ästhetischen Vorstellungen um. Die Bezeichnung „Schrauber“ ist in diesem Falle nicht despektierlich zu verstehen, sie bezieht sich vielmehr auf das kreative Potenzial, das der 61-Jährige, gelernter Schreinermeister und Zweiradbauer, bei seinen Projekten entwickelt. Der Bau, beziehungsweise Umbau von Motorrädern hat ihn jahrelang beschäftigt, aber immer schon haben ihn die Vierräder aus längst vergangenen Zeiten interessiert. Der Wagen der englischen Daimler Motor Company, die 1896 gegründet wurde, ist inzwischen schon das vierte Fahrzeug, das in seinem „Werk zwo“ in Illingen sozusagen neu erfunden wurde.

Gekauft hatte Schäfer den Wagen Ende Dezember in Belgien. „Es gibt im Internet ein Portal namens ‚pre war cars’ – Vorkriegsautos –, das ich regelmäßig besuche. Dort habe ich den Wagen gefunden“, erzählt Schäfer. Allerdings sah das Auto komplett anders aus als jetzt. Schäfer liebt alte Rennwagen à la Sunbeam, also mit langem Vorbau und kurzem Heck. Da der Daimler allerdings eine gewöhnliche Limousine war, und die alte Karosse morsch, entfernte Schäfer sie. Nach eigenen Plänen und Skizzen entwarf der Autogestalter eine komplett neue Karosserie, Ausfertigung in Aluminium. Alles formte er selbst, baute sogar eigene Werkzeuge, zum Beispiel um die zahlreichen Lüftungsschlitze in die Alu-Haut zu stanzen.

Maße sucht der interessierte Laie in Schäfers Skizzen vergeblich: Der Meister arbeitet intuitiv, zuweilen auch impulsiv, aber stets dem Ziel untergeordnet, ein ästhetisch und technisch stimmiges Fahrzeug entstehen zu lassen. Stichwort Sunbeam: Um an die Formen des Idealrennwagens heranzukommen, versetzte Schäfer den Motor 15 Zentimeter nach hinten, Lenkung und Pedale rutschten 36 Zentimeter Richtung Heck, so dass der Chauffeur auf der Hinterachse sitzt – so, wie es sich gehört.

Der Originalmotor, den Schäfer nur am Vergaser modifizierte, schöpft aus 2,2 Liter Hubraum 51 PS. Interessant ist auch das Vorwählgetriebe. Diese Schaltvariante ist ein Handschaltgetriebe, bei dem der gewünschte Gang mit einem Schalthebel zunächst vorgewählt und dann bei Betätigung eines weiteren Bedienelementes, zum Beispiel eines Pedals, eingerückt wird, ohne dass gleichzeitig ein Kupplungspedal getreten werden muss – ein Vorläufer der Halbautomatik also. Die Londoner Doppeldeckerbusse fuhren noch bis in die 1960er Jahre mit diesem Getriebe.

Schäfers Schöpfung nimmt allmählich sehr konkrete Gestalt an. „Es ist genau so geworden, wie ich es plante“, sagt er und zieht seine Handskizze hervor. Das Fahrzeug ist ein Hybrid aus Kunstwerk und technisch-handwerklicher Raffinesse. Die Alu-Haut glänzt, einige Schweißnähte gefallen Schäfer auch noch nicht, die neuen Reibungsdämpfer aus dem Hause Andrew Hartford in London sind bisher nicht angepasst, und bei der Farbe des Autos ist sich Schäfer auch noch nicht ganz sicher. Der Plan für die Autoelektrik ist allerdings in trockenen Tüchern. „Mein Freund und Spezialist Peter Ritz macht das. Wenn ich das versuche, geht kein Licht“, beschreibt Schäfer seine technischen Grenzen.

Eigentlich sollte der Daimler „Marke Schäfer aus Illingen“ als Auto für das Flaggengirl beim Festival „Wheels and Stones“ in Baltersweiler im Juli die große Attraktion sein. Doch die Veranstaltung wurde wegen Corona verschoben – auf das nächste Jahr.