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Sozialverband VdK wächst weiter

Sozialverband VdK wächst weiter

Nach vier Jahren tagten wieder die Mitglieder des Sozialverband VdK im Saarland. Sie wählten Armin Lang erneut zum Landesvorsitzenden und stellten neue Forderungen für mehr soziale Gerechtigkeit auf.

Der Kampf gegen drohende Altersarmut und für mehr Rechte älterer und behinderter Menschen ist das Kerngeschäft des Sozialverbands VdK, der im Saarland weiter kräftig wächst. Er zählt jetzt 41 700 Mitglieder, knapp 5000 mehr als zu Beginn dieses Jahrzehnts. Auf dem nur alle vier Jahre zusammenkommenden Landesverbandstag in Illingen lobte die Bundesvorsitzende Ulrike Mascher am Mittwoch die Arbeit des VdK Saar mit seinen 190 Orts- und sieben Kreisverbänden sowie mehr als 2000 ehrenamtlichen Helfern als "sehr gut". Die Delegierten wählten ihren seit 2008 amtierenden Landesvorsitzenden, den früheren SPD-Politiker Armin Lang (68), mit großer Mehrheit (190 von 196 Stimmen) wieder. Sein Vergangenheits-Image als Kriegsopfer-Verband und "Rentner-ADAC" hat der VdK längst abgelegt, wie die Tagung zeigte.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) schickte vom Deutschen Katholikentag in Leipzig aus eine Video-Grußbotschaft. Prominente Politiker aller fünf Landtagsparteien, Gewerkschafter und Kirchenvertreter waren auf der VdK-Tagung anwesend. "Wir sind mittlerweile ein Verband für die Mehrheit der Bevölkerung", sagte Armin Lang. Denn immer mehr Menschen drohten unter die Armutsgefährdungsschwelle zu geraten, die im Saarland derzeit bei 890 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt liegt. Und nichts ist dem VdK so sehr ein Dorn im Auge wie soziale Ungerechtigkeit. VdK-Präsidentin Mascher forderte deshalb in Illingen "eine schrittweise Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 8,50 Euro die Stunde, weniger schlecht bezahlte Minijobs sowie zumindest eine Stabilisierung des Rentenniveaus mit einer Rente, von der man leben kann". Dazu verlangte sie angesichts der bald 40 000 pflegebedürftigen Menschen im Saarland eine Besserstellung pflegender Angehöriger und professioneller Pflegekräfte gleichermaßen sowie mehr Barrierefreiheit bei Bus und Bahn, aber auch in Arztpraxen und Krankenhäusern.

Landeschef Lang sieht im Einklang mit Präsidentin Mascher keinen Interessenkonflikt darin, dass er beruflich Gesundheitskongresse organisiert und auch Ärzte berät. Das könne bei der VdK-Arbeit nur helfen.

Lang appellierte an die Landespolitiker, sich an einen runden Tisch zu setzen und dafür zu sorgen, dass pflegende Angehörige ohne große Finanzeinbußen in Arbeit bleiben und ihre Angehörigen zu Hause betreuen können. Dazu müssten die saarländischen Pflegestützpunkte gestärkt und Bedingungen geschaffen werden, dass nicht weiter jedes fünfte Kind im Saarland unter Hartz IV falle.

"Wir sind zwar kein Schlaraffenland, sondern ein Haushaltsnotlageland, aber auch hier muss man manche Dinge machen können", sagte Lang: "Wir sind keine Jammerlappen, Schwarzmaler und Gutmenschen. Wir beschreiben die Wirklichkeit, wie sie ist."

Für seine Mitglieder hat der VdK Saar vergangenes Jahr in 3300 Fällen knapp drei Millionen Euro Nachzahlungen und Rentenansprüche erstritten. In einer "Sozialen Agenda 2020", die der VdK Saar beschloss, werden unter anderem die Abschaffung des "Flops" Riester-Rente, ein öffentlich geförderter sozialer Arbeitsmarkt sowie flächendeckend Senioren- und Behindertenbeiräte in allen Kommunen des Landes gefordert.

Zu neuen stellvertretenden Vorsitzenden wählte der VdK Saar die CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Demenz-Vereins Saarlouis, Dagmar Heib , sowie Wolfgang Krause vom Wohlfahrtsverband "Die Parität". Neue Schatzmeisterin ist die ehemalige Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lawall (SPD ).