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Serie „Mitten in ...“ - Hüttigweiler, Welschbach und Hirzweiler

Serie „Mitten in ...“ - Hüttigweiler, Welschbach und Hirzweiler : Wenn Buden-Luke und Hallentüren aufgehen

Die Saarbrücker Zeitung besucht die Lebensorte der Menschen in unserer Region. Wo schlägt das Herz in Dorf und Stadt?

Diese Drei sind irgendwie alle miteinander verbunden – über die Hallen, die Schule, die Feuerwehr oder auch Themenwanderwege.

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Kreis-Kommunen Neunkirchen Teil 10 Foto: SZ/Müller, Astrid

Hüttigweiler. Treffpunkt an der Baustelle fürs wohl wichtigste Zukunftsprojekt des Ortes mit 3200 Einwohnern. Am 22. August feiern sie ihre neue Illtalhalle nach dem Sanieren. „Jetzt können die Vereine wieder zurückkommen“, sagt Ortsvorsteher Guido Jost (SPD) erleichtert. „Wir haben ein Investitionsvolumen von 5,368 Millionen Euro, die genehmigt sind, und liegen momentan 200 000 drunter. Das gibt es auch noch im öffentlichen Bereich“, rechnet Jost vor.

Ortsvorsteher Christian Petry am blühenden Fleckchen Haltestelle „Denkmal“ in der alten Welschbacher Ortsmitte. Foto: Claudia Emmerich

Sehr nüchtern, sehr grau, kommt die Hallenfassade schon rüber. Jost spricht von „industriell“. „Als wir die Außenfassade ausgesucht haben, wurde gesagt: Hinter das Lochblech kommt eine Farbfolie. Die Farbfolie ist wieder dem Brandschutz geopfert worden.“ Doch an die Fassade kommen noch Farbtupfer: „Wir nehmen das Orange dieser Halle aus den 70er Jahren wieder auf. Im Mittelbereich werden die Hauptakteure – figürlich abgehoben und auch angestrahlt – dargestellt: Ringen, Karneval mit der Garde und Musikverein.“ Die Kegler haben einen eigenen Eingang zum Untergeschoss. Zu kurz gekommen, weil die Halle weg ist – Seniorentag, Hobbyausstellungen, Ringerrunde, Karnevalsitzungen: „Alle mussten umziehen, kamen in kleinere Hallen, hatten weniger Einnahmen. Jetzt kommt alles zurück und belebt den Ort.“ Was für die Illtalhalle noch fehlt: Ein Konzept für die Bewirtschaftung.

Ortsvorsteher Ralf Fischer schaut aus der Buden-Luke des umgebauten alten Trafohäuschens. Ende August will Hirzweiler Einweihung feiern. Foto: Claudia Emmerich

Illtalhalle und Umfeld sind das Ortszentrum für die Vereine, einen Dorfplatz gibt es nicht. Das Feuerwehrgerätehaus neben der Halle ist halb abgerissen. Sie warten voll Ungeduld auf das neue in Hirzweiler. Vor sieben Jahren sind beide Ortsteile zu einem Löschbezirk zusammengegangen. „Wenn das neue Feuerwehrgerätehaus da ist, dann können wir unseres hier abreißen und dann entsteht hier ein neuer Kommunikationsplatz“, schaut Jost voraus. In diesen Plan haben sie viele junge Leute eingebunden: „Die haben schon gesagt: Wenn das hier abgerissen ist, bauen wir hintendran – als Bürgerprojekt – eine Waldbühne. Überdacht. Die Überlegung: Auch die kulturtreibenden Vereine sind vom Altersdurchschnitt mittlerweile sehr hoch. Deshalb fallen auch so viele kleine Feste weg. Das Risiko ist zu hoch. Wir sind der Ansicht: Wenn da eine Waldbühne ist und wir haben Tische, Stühle eingelagert und in der Halle ist die Toilette nutzbar, dann sagt zum Beispiel der Gesangsverein: Wir machen am Sonntag mal ein schönes Konzert.“

Das Dorffest hat der Heimat- und Verkehrsverein seit ein paar Jahren wieder belebt. Metzgerei, Bäckereien, Arzt/Zahnarzt, Apotheke, Sparkasse: „Wir sind in Hüttigweiler noch sehr gut ausgestattet. Es fehlt der Vollsortimenter“, stellt Jost fest. Sie hatten fast mal 30 Gastronomien, erinnert Jost, jetzt noch zwei Kneipen und ein Restaurant. Wichtig für die Zukunft sei: Hüttigweiler bleibt Schulstandort, der Kindergarten wurde neu gebaut. „Wir haben wenig Leerstände. Vor allem junge Familien kaufen. Die fragen: Wo hab ich für uns als Familie eine Infrastruktur – Krippe, Kindergarten, Grundschule? Das haben wir alles hier gehalten.“ Sie wollen noch Lückenschlüsse hinbekommen, vielleicht ein kleines Gebiet von sechs oder acht Baustellen, „aber immer in den Ortskern gerichtet zur Verdichtung, weil ja auch die Infrastruktur wie Kanäle und all diese Dinge umso besser zu finanzieren sind, je höher die Anschlussdichte ist“. Und die Vitalität seines Ortes auf unserer Skala von „0“ (ziemlich leblos) bis „10“ (höchst vital)? „6 in der Hoffnung, wenn das Zentrum wieder da ist, Richtung 8 zu marschieren.“

Blick auf Welschbach vom Rosengarten runter. Foto: Claudia Emmerich

Welschbach. Treffpunkt der Festplatz bei Welschbachhalle, ehemaliger Grundschule, Vereinsheimen, Feuerwehr. „Wir versuchen, in diesem Bereich weiteres Leben hineinzubringen“, sagt Ortsvorsteher Christian Petry (SPD). „Das ganze Gelände hier ist ein Langzeitprojekt, eine Daueraufgabe. Immer in kleinen Schritten kommt hier und da mal ein bisschen was dazu.“

Der eigentlich historische Ortskern des 1100-Seelen-Dorfes ist um den alten Dorfbrunnen. Einen klassischen Dorfplatz hat Welschbach nicht. So wurde der Schulhof zum Festplatz. Hier feiern die Welschbacher ihr Dorffest und mehr. Die ehemalige Grundschule, seit 2005 zu, wird jetzt von der Musikschule genutzt. Der Motorradclub „Frösche“ Illingen ist gegenüber zu Hause, ebenso die Funker. Auch der Ortsvorsteher hat hier sein Büro, ein paar Meter weiter die Feuerwehr. Hinter der Welschbachhalle trifft man den Schützenverein. Eigentlich gehört auch der Jugendtreff hierher, ist aber derzeit zu. Petry: „Da gab es ein paar Probleme. Und es gibt im Moment auch keinen, der es in die Hand nehmen will. Weil wir es als selbstverwaltetes Jugendzentrum wollen. Selbstverwaltet heißt: Es müssen ein paar Jugendliche machen.“

Der Eichert-Brunnen in Hüttigweiler. Foto: Claudia Emmerich

Die Welschbachhalle ist in die Jahre gekommen. „Die Cafeteria wird jetzt saniert, nach 40 Jahren modernisiert. Wir hoffen, dass dann wieder ein Pächter reinkommt“, sagt Petry. Die Hüttigweiler, deren Illtalhalle ja saniert wird, haben die letzten zweieinhalb Jahre hier ein Ausweichquartier gefunden. „Die gehen raus im August. Dann arrangieren wir hier nochmal alles neu.“ Eine Neuordnung streben sie über dem gesamten Areal an. Die Fläche wolle die Gemeinde erwerben, sagt Petry: „Grundstücksverhandlungen sind immer schwierig, seit zwei Jahren sind wir da etwas konkreter dran.“ Wohnen für Senioren könnte hier ein Thema werden.

Die Betreiber der Karlsberg-Klause, ihrer Gaststätte im Ort, hören im Herbst auf. Nachfolger zu finden – „das ist eine spannende Aufgabe für den Herbst“. Zeitlich parallel könnte eine neue Lokalität entstehen. Am Sportplatz Welschbach sind Start und Ziel für den Themenweg „Nach der Schicht“ um Welschbach und den Themenweg „Rund ums liebe Vieh“ um Hirzweiler. „Die Themenwege sind sehr attraktiv. Wir schätzen etwa 20 000 Wanderer in der Saison.“ Das motiviere eine Interessentin, dort eine Restauration aufbauen zum Thema Alm.

Der Veranstaltungskalender Hirzweiler 2020 für Dorfwaldhalle und drumrum war voll. Dann kam Corona. Foto: Claudia Emmerich

Welschbach hat eine gemeinsame Kita mit Hirzweiler, die Grundschüler gehen nach Hüttigweiler. Und Bauplätze/Häuser für junge Familien? Welschbach habe wie andere auch keine eigenen öffentlichen Flächen: „.Der Blick geht nach innen, aktiv vermitteln. Da waren wir bisher eigentlich ganz erfolgreich.“

Und die Vitalität seines Dorfes auf unserer Skala von „0“ (ziemlich leblos) bis „10“ (höchst vital)? „Eine 7. Ich wünsche mir, dass unsere Infrastruktur noch ein bisschen gestärkt wird. Irgendwann wünsche ich mir natürlich auch wieder Einkaufsmöglichkeiten. Da braucht es Ideen. Und die Anbindung Nahverkehr muss stimmen.“

Hirzweiler. Treffpunkt Platz vor der Dorfwaldhalle. Hier drumrum spielt sich das Dorfleben ab, erzählt Ortsvorsteher Ralf Fischer (SPD) und spricht auch von zwei „Glücksfällen“: In die 2005 geschlossene Grundschule ist mit Familie Fried ein lokaler Investor eingestiegen. Daraus entstand die Käserei Hirztaler. Und die Lebenshilfe hat den Hirzbachhof als Wohnstätte übernommen. Fischer spricht von einem gedeihlichen Miteinander mit Impulsen fürs Dorf.

Am Platz steht ein ehemaliges Trafohäuschen. Vor drei Jahren baute die VSE ein neues, wollte das alte abreißen. Fischer: „Da haben wir uns überlegt: Da könnte man was damit machen.“ Sie haben es entkernt, neu ausgebaut etwa mit Grill, ein Dach drauf gesetzt: „Haben wir alles selbst gemacht.“ Wie das so in einem kleinen Dorf sei: Ansässige Fachleute helfen. Oder man kennt jemanden, der was kann. Statt grauer Fassade bunte Motive vom Hirzweiler Dorfleben wie Hexenfeuer, Rommelschnitzen oder die beiden Kirchen. „Das wird jetzt innendrin noch gelb gestrichen. Und dann sind wir fertig.“ Wenn Corona es zulässt, wollen sie Ende August einweihen.

In den vier Garagen am Platz „haben wir das ganze Dorfequipment drin liegen“, sagt Fischer. Das wird rausgeholt zum Beispiel bei „Schwenke und sprooche“. Vor drei Jahren hatten sie diese Idee. Immer am ersten Freitag im Monat Juni, Juli, August, September (ohne Corona) um sieben Uhr abends geht es los: Es werden Schwenker aufgestellt. Biertischgarnituren, Rundtische. Dann können sich ungefähr 100 Leute setzen. Bei 1200 Einwohnern. „Und wir haben ein ganz einfaches System: Es gibt keine Preise, keine Bedienung. Hier drin stehen Kühlschränke, die sind bestückt. Essen bringt sich jeder mit. Jeder wird gebeten, wenn er nach Hause geht, das, was er meint, was er zahlen müsste, in der Garage in einen Beutel einzuwerfen. Das System funktioniert.“ Und wegen des organisatorischen Aufwands: „Wenn es regnet, fällt das Ganze aus.“

Ein Film, der fertiggestellt wurde von Luca Fischer, zeigt, was sich 2019 in Hirzweiler mal wieder so getan hat. Der Bogen spannt sich von Feuerwehr über Ostereierverkauf am Hirzbachhof („8000 Eier am Gründonnerstag, 100 Kuchen“) Hexenfeuer/Maibaum vor der Halle („50 Kilo Pommes, 300 Würstchen, 30 Kästen Bier“), Laxem kochen (endet nach einer Nachtschicht mit Frühstück) bis Zeltlager am Fischweiher

Ihr Dorffest (Kästage) feiern sie alle zwei Jahre. Dieses Jahr fällt es Corona zum Opfer. 2022 planen sie Großes: Da wird ihre Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Walschbronn 50 Jahre. Organisiert werden auch die Dorffeste von der Solidaraktion, der Dachorganisation der Hirzweiler Vereine. „Der Trend geht klar zu kleineren Festen“, beobachtet Fischer. Die Helfer würden älter. „Uns fehlt so ein bisschen die Generation Anfang 30“: Akquirieren – auch dazu eigne sich „Schwenke und sprooche“.

„Die Nachfrage nach Häusern ist groß bei uns“, berichtet Fischer. „Grundstücke gibt es ganz wenige, zurzeit nicht veräußerbar. Häuser waren vor einem Jahr einige auf dem Markt, so aus den 70er Jahren, alle weg.“ Die Bäckerei Schäfer bietet eine Verkaufsstelle mit Café – „Das ist auch eine Kommunikationsstelle.“ Hirzweiler ist ländlich geprägt, hat noch vier Vollerwerbslandwirte. Was man auch wissen müsse, so Fischer: „Im kleinen Dorf leben, das ist nicht so ganz anonym.“ Aber auch: „Nachbarschaftshilfe, Fahrdienste gab es hier auch schon vor Corona.“

Heile Welt Hirzweiler? „Wir sind nicht sorgenfrei“, sagt Fischer. „Ungefähr 60 Häuser mit einer Person über 70. Da sieht man, was uns erwartet die nächsten Jahre. Es heißt, die Attraktivität hochhalten, dass die Häuser schnell verkauft werden.“ Und: „Wir leben vom Zuzug von außerhalb.“ Daueraktuelles Thema: Neubau Feuerwehrgerätehaus – Hirzweiler ist mit Hüttigweiler zusammengegangen. Fischer: „Man ist da dran. Aber man ist da seit sieben Jahren dran.“

Und die Vitalität seines Dorfes auf unserer Skala von „0“ (ziemlich leblos) bis „10“ (höchst vital)? „Eine 8.“

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