Seit 1955 findet die Wallfahrt der Sinti und Roma in Illingen statt

An der Bergkapelle Illingen : Seit 1955 findet die Wallfahrt statt

Einmal im Jahr treffen sich Sinti und Roma bei der Bergkapelle in Illingen. Else Weiss ist schon immer dabei.

Else Weiss gehört gewissermaßen zu den Pionierinnen der Illinger Sinti- und Roma-Wallfahrt. Sie wurde im selben Jahr geboren, als die erste Wallfahrt in Illingen stattfand. „Meine Mutter hat mich damals als Baby schon mitgenommen. Und seitdem habe ich keine einzige Wallfahrt verpasst, da war mir auch immer das Wetter egal.“ Eine große Anzahl Roma und Sinti (wenngleich es wetterbedingt etwas weniger waren als in den Jahren zuvor), versammelte sich am Sonntag wieder unterhalb der Bergkapelle in Illingen zur traditionsreichen Wallfahrt. Seit 1955 strömen Sinti und Roma aus der näheren und weiteren Umgebung von Illingen anlässlich dieser Prozession zur Bergkapelle. Pastor Arnold Fortuin, der viele Jahre in Illingen bis zu seinem Tod 1970 in Illingen als Seelsorger wirkte, initiierte die Wallfahrt. Fortuin, nach dem in Illingen auch eine Schule und eine Straße benannt sind, rettete in der Zeit des Nationalsozialismus Hunderte von Sinti und Roma vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten das Leben.

Pfarrer Jan Opiéla von der katholischen Seelsorge für Roma und Sinti führte die Wallfahrt entlang der sieben Kreuzwegstationen bis hinauf zur Bergkapelle an. Der Geistliche ist seit vielen Jahren der spirituelle Begleiter der Wallfahrt. Er bringt aus Köln jedes Jahr die Statuette der Heiligen Maria in seinem Lieferwagen mit. Für die Sinti und Roma ist es ein Ehre, beim Umzug mit der Heiligen Maria zusammen voran zu schreiten. In diesem Jahr hatten die Verantwortlichen Danny Weiss, Marcello und Meik Bamberger und Nico Lind auserwählt. Vor jeder der sieben Kreuzwegstationen hielten die Wallfahrerinnen und Wallfahrer inne, sangen und beteten. Im Rahmen des Gottesdienstes in der Bergkapelle fand auch eine Taufe statt.

Pfarrer Opiéla betonte, dass sich die Kirche für die Roma und Sinti einsetzen müsse, da die Lebensbedingungen der Menschen oftmals prekär seien. Antiziganismus, gespeist aus Vorurteilen, sei nach wie vor gesellschaftliche Realität. In vielen europäischen Ländern seien Sinti und Roma auch heute noch, fast 75 Jahre nach dem Naziterror, Opfer von Diskriminierungen, etwa in Schule und Ausbildung, auf dem Arbeitsmarkt und bei der Gesundheitsfürsorge.

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