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Saarländisches Literatur-Festival
Das kurze Leben des Hans Scholl

 Der Hamburger Theologe und Buchautor Robert M. Zoske bringt den Schülern das kurze Leben von Hans Scholl näher.
Der Hamburger Theologe und Buchautor Robert M. Zoske bringt den Schülern das kurze Leben von Hans Scholl näher. FOTO: Volker Ammann
Illingen. In der Aula des Illtal-Gymnasiumsin Illingen konnte man beim Vortrag von Robert M. Zoske eine Stecknadel fallen hören. Von Volker Ammann

  In einem lebendigen und bildhaften Vortrag im Rahmen des Festivals erLesen!   brachte der Autor des Buches „Flamme sein!“, Robert M. Zoske,   Schülern des Illtal-Gymnasiums das Leben und Wirken von Hans Scholl, Bruder von Sophie Scholl und Widerstandskämpfer, nahe.


Zoske, evangelischer Pfarrer und Historiker der Weißen Rose, lebt mit seiner Frau in Hamburg. Nach dem Abitur studierte er evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen, Göttingen, München und Kiel. Bis 2017 war er Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. 2014 promovierte er an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg über Hans Scholl und dessen religiöse Motivation und veröffentlichte 2018 dessen Biographie. Zoske fand im Rahmen seiner Forschung auch bisher nicht beachtete religiöse Gedichte von Scholl. Obwohl schon verschiedenste Quellen zugänglich sind, vor allem im rund 800 Bände umfassenden Nachlass von Inge Aicher-Scholl, der älteren Schwester von Hans und Sophie, im Institut für Zeitgeschichte in München sowie im Bundesarchiv Berlin kann der Autor bislang unbekannte Details über die Weiße Rose in seinem Buch veröffentlichen.

Zoske hat für seine neue Biografie von Hans Scholl erstmals im Kontext Briefe und Prozessunterlagen ausgewertet, die sich im Hauptstaatsarchiv Nordrhein-Westfalen erhalten haben. Zoske zeichnet auf der Grundlage von bisher unbekannten Dokumenten ein neues, faszinierendes Bild von einem jungen Mann, den der Heroismus des Nationalsozialismus ebenso anzog wie eine naturmystische Frömmigkeit, dessen Freiheitsdrang aber seine größte, kompromisslose Leidenschaft war. „Ganz leben oder gar nicht!“, notierte Hans Scholl, und es ist erstaunlich, welche Erfahrungen sich in seinem kurzen Leben verdichten. Während er zum Fähnleinführer in der Hitlerjugend aufstieg, leitete er eine verbotene Jugendgruppe, die abenteuerliche Fahrten unternahm und verpönte Schriftsteller las.



Als Medizinstudent interessierte er sich vor allem für Philosophie und erlebte als Sanitätssoldat das Grauen an der Front. Er war mit Künstlern und Schriftstellern befreundet, verehrte Stefan George und zunehmend Thomas Mann. Robert Zoske zeigt, wie sehr dessen Rundfunkansprachen die Flugblätter der Weißen Rose beeinflussten, die Hans Scholl verfasste und zusammen mit seinen Mitstreitern verbreitete. „Es lebe die Freiheit“, waren seine letzten Worte.

Das fesselnd geschriebene Buch lässt dieses Vermächtnis eindrucksvoll lebendig werden. Aber wie kam der 23-Jährige dazu, sein Leben im Kampf gegen Hitler zu riskieren? Ohne Hans Scholl hätte es die Weiße Rose nicht gegeben. Archivfunde zeigen, dass er als zentrale Figur der Widerstandsgruppe Weiße Rose auch ein schwärmerischer Poet war. Am 18. Februar 1943, kurz vor elf Uhr vormittags, lagen auf einmal überall im Hauptgebäude der Münchner Universität Flugblätter herum „Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad“, begann der Text darauf: „330 000 deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken Dir!“ Bündelweise hatten die Geschwister, Hans und Sophie Scholl, die Flugblätter vor den Hörsälen ausgelegt und sogar in den Lichthof hinuntergeworfen. Ein Hausmeister allerdings hatte sie dabei beobachtet, hielt sie auf und brachte sie in die Hochschulverwaltung, wo bald darauf die Gestapo erschien und sie abholte. So begann das Ende der Weißen Rose, der neben Stauffenberg und dem 20. Juli bekanntesten Widerstandsgruppe gegen Hitler und den Nationalsozialismus. Vier Tage später, am 22. Februar 1943, wurden die ersten drei Todesurteile gesprochen und binnen Stunden vollstreckt: an Hans und Sophie Scholl sowie an Christoph Probst, der eher eine Randfigur der Gruppe gewesen war.

Auf die Frage, warum ausgerechnet Zoske ausgewählt wurde, beantwortet der Mitorganisator Peter Kleiss so: „Ich fand bei Recherchen eine Rezension zum dem Buch, die mich auf den Inhalt neugierig machte. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich begeistert. Auch von der Art und Weise, wie Zoske diese Buch geschrieben hat“.