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Regionalwettbewerb Jugend debattiert am Illtalgymnasium

Regionalentscheid am Illtalgymnasium : Gemeinsam um die Wette reden

16 Gymnasiasten aus Illingen, Lebach und St. Wendel traten im Regionalwettbewerb „Jugend debattiert“ im Illtal-Gymnasium gegeneinander an.

Da denkt man an nichts Böses und auf einmal befindet man sich mitten drin in der schönsten Windrad-Pro-und-Contra-Diskussion. Während Raphael und Johanna immer wieder auf Einhaltung der Klimaziele pochen und dafür Windräder gern näher an Wohnsiedlungen bauen würden, bedienen Magnus und Evelyn die emotionale Ebene: Er schildert Zustände auf einer Nerzfarm, wo sich die Tiere nach Inbetriebnahme eines Rotors in nächster Nähe zerfleischten, sie berichtet von ihrer Oma, die mit Krankheitssymptomen auf Kühlschrankgeräusche aus den Geschäftsräumen unter ihrer Wohnung reagiert – die, so Evelyns Argumentation, den Geräuschen ähneln, die ein Windrad erzeugt. Super Zündstoff, der in einer Fernseh-Talkrunde sicher genüsslich ausgeschlachtet und hochgekocht werden würde.

Ganz anders stellte sich die Situation am Donnerstag Mittag im proppenvollen Musiksaal des Illtal-Gymnasiums dar: In dem fairen, ausgewogenen Streitgespräch der Finalisten wurde niemand persönlich, jeder der Vier respektierte den Standpunkt des anderen – ein Paradebeispiel für gelebte Demokratie. Mancher Parlamentarier könnte hier noch richtig was dazulernen.

Mit Eröffnungsrunde und Schlussworten, bei denen jeder der Teilnehmer zu Wort kommt, dauern die Wettbewerbsdebatten jeweils 24 Minuten. Ein Glöckchen erinnert zart daran, dass die Redezeit um ist. Zu den Themen, welche die 16 Teilnehmer des Regionalwettbewerbs „Jugend debattiert“ am gestrigen Donnerstag vor Publikum verhandelten, gehörte unter anderem die Frage, ob Randalierern bei Sportveranstaltungen der Führerschein entzogen werden soll oder ob Jugendliche ihre eigene Handynutzungszeit selbst reglementieren können.

14 Tage lang hatten die Jugendlichen, Schulgewinner des Geschwister-Schollgymnasiums Lebach, des Wendalinums St. Wendel und des gastgebenden Illtal-Gymnasiums, Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Drei dieser Diskussionsrunden fundiert und qualifiziert an einem Vormittag zu führen, sei eine Riesenleistung, würdigte Regionalkoordinatorin Christine Scheil diesen Kraftakt. Für die Juroren keine ganz einfache Aufgabe, die vielen guten Redebeiträge zu bewerten. Auf vier Dinge kommt es an, wie Landeskoordinator Reiner Veek erläuterte: Zum einen Fachkompetenz, sprich, „wie sich jemand mit dem Thema auskennt“. Daneben spielt „das gute Formulieren“ eine Rolle, „man muss sich verständlich ausdrücken können“. Wichtig sei auch das Miteinander: „Jeder muss zum Zuge kommen. Das Rederecht darf nicht beeinträchtigt werden.“ Die Königsdisziplin aber ist die Überzeugungskraft, so Veek: „Dabei geht es nicht ums Überreden, das wäre ja Manipulation, sondern um gutes Begründen“.

All das meisterte das Quartett in seiner Windenergie-Debatte, zollte die Jury später Respekt. Worauf vor allem die Vertreter der „Contra“-Position noch mehr achten sollten, ist eine Versachlichung des Themas. Schade wäre es allemal gewesen, wenn man diese rundum gelungene Veranstaltung abgesagt hätte. Das wäre Corona-Krisen bedingt um ein Haar passiert, wie Vize-Schulleiter Patric Busch verriet. „Es stand auf der Kippe.“ Die Abordnung der Gemeinschaftsschule Marpingen war trotzdem vorsichtshalber zuhause geblieben.

Generell steht die Teilnahme an „Jugend debattiert“ allen Schülern ab Klasse 8 offen. Nächste Etappe für die Saarland-Nord-Regionalgewinner der Klassenstufe 8 bis 10, Raphael Ihme (Illtal-Gymnasium) und Evelyn Ziborius (Wendalinum), und der Klassenstufe 11 bis 13, Nicole Ziborius (Wendalinum) und Anna Scherschel (Illtalgymnasium) ist der Landesentscheid.

Die erfolgreichen Teilnehmer von „Jugend debattiert“. Foto: Anja Kernig

Den Siegern dort winkt die Teilnahme am Bundesfinale in Berlin. Die vier Erstplatzierten konnten sich gestern über einen Platz für ein mehrtägiges Seminar freuen – eine Art Trainingslager für die nächste Wettbewerbsebene.