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Theater
Humor und Mitspieler müssen passen

Noch ist der Theaterverein Illingen bei der Probenarbeit. Ende des Monats kommt das neue Stück auf die Bühne.
Noch ist der Theaterverein Illingen bei der Probenarbeit. Ende des Monats kommt das neue Stück auf die Bühne. FOTO: Anja Kernig
Illingen. Es geht auf den Endspurt zu bei der Illinger Mundartbühne. Wir besuchten eine Probe für das Stück „Alles neu macht der Mai“, das bereits Ende Oktober in der Illipse aufgeführt wird. Von Anja Kernig

Aber hallo, das ist ja wie Stummfilm mit Ton. Ständig klopfen die Akteure mit raumgreifenden Gesten an irgendwelche Wände, öffnen und schließen umständlich Türen und Fenster und passieren den schmalen Flur – ohne dass es auch nur irgendetwas davon real gibt. Wie auch, die Kulissen sind derzeit noch in Arbeit. Wobei das schwierigste ja die Tapeten sind. Denn die müssen auf alt getrimmt werden, was mit Kaffee ganz gut klappen soll.


Noch zwei Wochen, dann feiert die Mundartbühne Illingen mit „Alles neu macht der Mai“ Premiere. Diesmal hat sie sich besonders schwer getan mit der Auswahl des Bühnenstücks, verrät Regisseurin Sabine Engel beim Probentermin mittwochabends. Zwölf standen zur Auswahl. Wobei die Spielleiterin des Theatervereins stets mit drei Mappen arbeitet. In der gelben landen die „vielleicht, zur Not“-Stücke, in der grünen die „auf jeden Fall“-Stücke, „da warte ich nur auf die Idealbesetzung“. Was „gar nicht geht“, kommt in die rote Mappe – nur um sicher zu gehen, dass sie die nicht aus Versehen noch mal liest.

Gefragt, was das wichtigste Auswahlkriterium ist, meint Sabine Engel: Die Anzahl der Mitspieler muss passen, aber auch der Humor. Und das tut er bei „Alles neu macht der Mai“, grüner geht’s nicht, wenn man so will. „Diese Verwechslungen, das ist so genial gemacht.“ Beim Lesen hat Sabine Engel direkt schon angefangen, im Kopf zu inszenieren und die Dialoge ins Platt zu übersetzen. Kostprobe gefällig? „Off jede Fall gehn ich aweil als emol bei de Raab Karcher unn suche dort schon emol die deiersten Plättche aus, die die dort hann“, monologisiert Veronika Bayer alias Brigitte Hoffmann.



Tatsächlich dreht sich ziemlich viel um neue „Plättche“, eine neue „Badebitt“ und so weiter. Zwar verfügt Familie Bayer über die Annehmlichkeiten eines komfortabel ausgestatteten Eigenheims, in dem drei Generationen wohnen. Aber es ist halt alles Asbach-uralt und müsste dringend mal renoviert werden. Was Hausherr Michael (Benedikt Schmidt) seit Jahren nicht auf die Reihe kriegt. Zum Glück gibt es die Heimwerkersendung „Alles neu macht der Mai!“. Dort nimmt Gattin Veronika teil, um sich die Bude zeitgemäß aufmöbeln zu lassen.

Was sie nicht weiß: Opa Karl (Roland Siegler) hat den Handwerker Jupp Schwarz (Andreas Hübgen) für dieses Vorhaben engagiert, der das, nomen est omen, kostengünstig realisieren will. Oma Maria (Brigitte de Pizzol) schweben dagegen ganz andere Renovierungen vor: Sie träumt von einer Schönheits-OP. Derweil schmieden Sabine Bayer (Caroline Zetzsche) und ihre Freundin, die Architektin Katja Schön (Lea Knödgen) heimlich ihre eigenen Pläne. Und auch Michael war nicht faul. Endlich hat er sich durchgerungen, die beiden Handwerker Ivan Ivanowitsch (Jörg Zetzsche) und Ali Gürüst (Johannes Marx) das Bad verschönern zu lassen.

Seit Juni wird geprobt: einmal die Woche, in der Endphase täglich. „Wir haben das intensiv üben müssen“, plaudert die Regisseurin aus dem Nähkästchen. Am schwierigsten war, dass im Ess- und im benachbarten Wohnzimmer „parallel geschwätzt“ wird. Dazu die vielen Auf- und Abgänge, die punktgenau sitzen müssen. Schwerstarbeit. Aber eine, die Laune macht. Eben versucht Johannes Marx, der einen toughen, „konkret“ machomäßigen Türken spielt, mit seinem Zollstock ein Herz zu falten. Es klappt nicht. Alle machen Witze wie „der Meter ist noch zu neu“ oder „du hast wohl vor dem Spiegel geübt, aber seitenverkehrt“.

Später wird der Ruf nach Schnäkes laut, Nervennahrung. Gummibärchen tauchen auf, es gibt eine neue Runde Kaffee. Die Nacht wird lang – hier im Mundart-„Stummfilmstudio“.