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Ortschronist darf „als einziger alles sagen“

Ortschronist darf „als einziger alles sagen“

Bei der Kirmeseröffnung in Uchtelfangen stand ganz klar die Kerweredd des 83-jährigen Karl Drawe im Mittelpunkt. Viel Applaus ernteten seine durchaus kritischen Äußerungen. Auch die Kinder kamen auf ihre Kosten.

. Der Lokalpatriot Karl Drawe sorgte mit seiner Kerweredd bei der Kirmeseröffnung für große Lacher. Der Chronist, "der als einziger in dem Illtalörtchen alles sagen darf" (so Ortsvorsteher Stefan Maas), brachte so einiges pointiert auf den Punkt und verbreitete gleichzeitig Visionen. "In der gesamten Gemeinde sind die Kunstrasenplätze kaputt, aber kein Geld im Ruinenhaushaltspott. Uchtelfangen ist davon nicht betroffen, weil wir auf einen echten Rasenplatz hoffen. Wir denken und planen in anderen Dimensionen, Weltstadien sind unsere Visionen." Verwirklicht werden sollte diese Idee im Bamsterwald. Der Name für das Stadion sei schon bekannt: "Patrik-Herrmann-Stadion". Natürlich hatte Drawe sich auch über die Finanzierung Gedanken gemacht. "Wir haben die Landgräfin Cornelia. Sie spinnt wie einst Gold aus Stroh. Sie wird die Beherrscherin aller Sparkassen und Banken. O Herr, wir danken."

Er klärte auf, was es mit dem Namen "Kaiser" auf sich hat und mit der Monarchie, die er dann wieder ausrief. Er ernannte Ortsvorsteher Stefan Maas zu Stefan I. von und zu Maas, "zu unserem großen Kaiser und das nicht nur zum Spaß. Ich habe an alles gedacht und den Reichsapfel gleich mitgebracht." Die wichtigsten Posten hatte er alle schon besetzt. "Nur das verarmte Rittertum deren von Kerpen wollen wir nicht beerben. Wir picken nur die Rosinen, der König darf weiter wursteln in seinen Ruinen." Zum Thema machte Drawe auch die vorübergehende Schließung des "neugotischen Doms" in Uchtelfangen wegen Renovierungsarbeiten mit der Anregung: "Das wäre eine willkommene Möglichkeit, Ökumene zu leben."

Ein Satz aus dem Gedicht des Uchtelfanger Bürgers Theo Krämer "Was kümmert uns der Peter, was kümmert uns der Maas, und kommt der Frühling wieder, dann wächst auch wieder Gras" zog sich wie ein goldener Faden durch die geschliffene Rede des 83-Jährigen. Der Vers beruhe allerdings auf einer wahren Begebenheit, als die Kinder am liebsten Schlitten fuhren auf dem "Maas Peter seinem besten Gras."

Drawe erntete viel Applaus für seine Rede, die er auf einer Rolle zusammengeschrieben hatte. Gemeinsam mit den Hirtenbergmusikanten, seiner Familie, dem Ortsvorsteher und den vielen Gästen, die zur Eröffnung der Kirmes an den Linnebrunnen kamen, marschierte er mit dem "Michel vom Linnebrunne" Richtung Kirmesplatz. Dort feierte der Ortsvorsteher Premiere beim Fassanstich. Damit es ordentlich sprudelt, hatten die Helfer Alfons Vogtel und Bürgermeister Armin König etwas an der Schraube gedreht. Bernd Fuchs von der Karlsberg Brauerei war gleich zur Stelle, um das Bier wieder in Richtung Zapfhahn zu lenken.

Derweil tummelten sich schon viele Kinder und Jugendliche auf dem Kirmesplatz und probierten die ansprechenden Fahrgeschäfte und die Angebote der Kirmesbuden aus. Am Dienstag werden die Fahrgeschäfte ab 14 Uhr zu ermäßigten Preisen fahren.