Mundartbühne Illingen übersetzt ihre Stücke spontan simultan

Illinger Platt kommt an : Aus dem Dämlack wird dann halt der Dummbeidel

Die Mitglieder der Mundartbühne Illingen übersetzen ihre Stücke spontan simultan in ihren eigenen Dialekt.

Theater spielen in Dialekt? Für diese Idee wurden die Illinger Theaterfreunde zu Beginn der 70er Jahre noch belächelt. Heute ist die Illinger Mundartbühne das älteste Mundarttheater des Saarlandes, „unn doo sinn mir ach stolz druff“, sagt Brigitte Hoffmann zur Begrüßung. Wir dürfen bei einer Probe zum neuen Stück „Kreuzfahrt im Schweinestall“ dabei sein. Die Komödie in drei Akten von Carsten Lögering wird am 13. April in der Illinger Illipse Premiere feiern.

Das Skript ist in Hochdeutsch, die Schauspieler übersetzen simultan und ganz von selbst in ihre Muttersprache. Bei den meisten ist dies „Illingerisch“. Aber auch „Urwilla Platt“ und – man höre und staune – ein sächsischer Zungenschlag sind hier vertreten. Die Eltern von Caroline Zetzsche, Jörg und Iris Zetzsche, stammen aus Sachsen. Die beiden müssen sich nicht verbiegen, Mundart ist schließlich Mundart. Integration ist für die Illinger Schauspieltruppe offensichtlich kein Fremdwort. Bei der Probe in der Grundschule Auf der Lehn herrscht eine zwar lockere, aber konzentrierte Atmosphäre. Die Schauspieler „kleben“ nicht am Text, dürfen durchaus spontan improvisieren. Das macht die Aufgabe für die Souffleusen Sabine Engel und Iris Zetzsche nicht unbedingt leichter. Gerade gibt’s eine ungeplante Pause. „Ich hann gemennt, do käm noch ebbes. Saaschd dau nix meh?“, fragt die Gerda (Rita Bick) die Lina (Brigitte Hoffmann). Kein Problem, das eingespielte Team nimmt’s mit Humor. Überhaupt wird viel gelacht bei der Probe, die Amateurschauspieler haben offensichtlich jede Menge Spaß. Sollte ja auch so sein bei einem Hobby, das doch recht zeitintensiv ist.

Jeder hat so seine Methoden, den Text zu lernen. Jens Lehnhof, der erste Vorsitzende des Vereins, spielt die Hauptrolle des Bauern Jens Speckmann, der eine Kreuzfahrt gewonnen hat, aber eine „Riesenschiss“ vor Wasser hat. Lehnhoff hat sich wie gewohnt „alles uffs Handy geschwätzt“, auf einen Stick gespeichert und auf der Fahrt zur Arbeit aufgesagt. Jetzt sitzt der Text, lokale Besonderheiten inklusive. So wird aus dem „Wirt vom Dorfkrug“ es Kersche Evi, und de Birjameischder Keenisch kriegt natürlich auch sein Fett weg. „Das registriere die Leit“, weiß Jens Lehnhof, das gibt noch ein paar Lacher mehr. Ausdrücke wie „Dummbeidel“, Übersetzung für den „Dämmlack“ oder „Puddel“ für Gülle tun ihr Übriges.

100 Mitglieder hat der Illinger Theaterverein. Rund 50 wirken aktiv im Vereinsgeschehen mit, auf und hinter der Bühne, etwa beim Getränkeverkauf. Seit 1995 spielen auch Kinder und Jugendliche in Illingen Theater, allerdings werden deren Stücke in Hochdeutsch aufgeführt.

So zu improvisieren „uff platt“ wie die Erwachsenen wäre für die meisten der Jungen und Mädchen doch zu schwierig. Die heiteren Stücke in Mundart wollen viele Illinger jedenfalls nicht mehr missen.