Mit Farbe die Seele ergründen

Homburg/Illingen. "Malen muss man nicht können. Das ist der Seele egal." Mit diesen Worten nimmt Malleiterin Annette Friedrich SZ-Leserin Claudia Zimmer die Angst davor, dass das so genannte begleitete Malen im Malraum an mangelnden Malkenntnissen scheitert. Heilende Wirkung sagt man dem begleiteten Malen nach

Homburg/Illingen. "Malen muss man nicht können. Das ist der Seele egal." Mit diesen Worten nimmt Malleiterin Annette Friedrich SZ-Leserin Claudia Zimmer die Angst davor, dass das so genannte begleitete Malen im Malraum an mangelnden Malkenntnissen scheitert. Heilende Wirkung sagt man dem begleiteten Malen nach. "Die Arbeit am Bild hilft die eigenen Gefühle besser wahrzunehmen", sagt Malleiterin Annette Friedrich bei einem Besuch in ihrem Malraum in Illingen in der Poststraße 12. Die Rollläden im Malraum sind heruntergelassen, die Lampe an der Wand liefert das Licht. Das Tageslicht soll den Malfluss nicht stören. Ansonsten sind in dem Raum Spanplatten an den Wänden befestigt, auf denen das Papier zum Malen angebracht wird. In der Mitte des Raumes stehen Farben auf einer Art Anrichte. Außer Wasser zum Händewaschen und Töpfen für die Farben - Erwachsene malen mit der Hand, Kinder mit Pinseln - befindet sich in diesem Raum nichts. Schließlich sollen sich die Teilnehmer - Annette Friedrich bietet Kurse für Frauen und Kinder an - auf das Malen konzentrieren. Bekleidet mit Kitteln macht sich SZ-Leserin Claudia Zimmer gemeinsam mit SZ-Redakteurin Yvonne Wildschütz ans Werk. Zunächst suchen die beiden Frauen sich Farben aus, die sie ansprechen, mit denen sie malen möchten. Annette Friedrich beobachtet genau, was die beiden machen und fragt, wie sie sich damit fühlen. Ungewohnt ist es, als Erwachsene mit Fingerfarben zu malen. Vor allem ist es ungewöhnlich, bei der Anfertigung nicht daran zu denken, ein "Kunstwerk" erstellen zu wollen, sondern einfach für die Seele zu malen; zu überlegen, mit welchen Farben man sich gut fühlt, nicht darüber nachzudenken, was man da gerade malt - ein Schiff, eine Palme, eine Sonne - und das Bild wachsen, entstehen zu lassen."Bei manchen Teilnehmern passiert lange nichts, bei manchen geht es schnell", sagt die Malleiterin. Aber was meint sie damit eigentlich? Was soll denn passieren? Diese Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, passiert tatsächlich etwas. Man findet sich, seinen Charakter wieder in der Art und Weise, in der man malt. "Bist du leistungsorientiert?", fragt Annette Friedrich SZ-Redakteurin Yvonne Wildschütz (im Malraum duzt man sich). Mit solchen Fragen tastet sich die Malleiterin an ihre Teilnehmer heran. Was beschäftigt die Teilnehmer, was durchleben sie, wenn sie ihr Bild anfertigen? Jedoch eines tut Annette Friedrich nicht: Sie gibt keine Antworten. "Ich mache lediglich auf Dinge aufmerksam, die wir im Alltag oft nicht beachten", sagt die Malleiterin. Claudia Zimmer empfindet das als angenehm. "Man fühlt sich nicht ferngesteuert", sagt die SZ-Leserin. Nicht ferngesteuert, aber getrieben fühlt sich die SZ-Redakteurin. Irgendwie hat sie das Gefühl, das Bild in den zwei Stunden fertig bekommen zu müssen. "Wenn das Bild nicht fertig ist, fühlt es sich an wie eine nicht erledigte Situation", erklärt Annette Friedrich. Ziel sei es ja auch im Leben, etwas abzuschließen. "Eine Lösung für sich zu finden", nennt sie das. "Eine Lösung, mit der ich leben kann." Aber egal, ob das Bild fertig ist oder nicht. Zum begleiteten Malen gehört, das Bild nicht mit nach Hause zu nehmen. Es werden auch nicht die Bilder anderer Teilnehmer beurteilt. Aber was ist dieses begleitete Malen denn nun? Es ist keine Verhaltenstherapie, keine Psychotherapie. "Eigentlich ist es eine Art Lebenshilfe. Allerdings finde ich diesen Begriff furchtbar", sagt Annette Friedrich lachend und fährt fort: "Es ist eine Möglichkeit, sich selbst zu finden."Informationen erteilt Annette Friedrich, Telefon (06825) 44514. Maltermine in der Poststraße 12 in Illingen sind für Frauen, dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr, 16 bis 18 Uhr; mittwochs von 9.30 bis 11.30 Uhr; 16 bis 18 Uhr; donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr; für Kinder freitags von 15 bis 16 Uhr. Frauen zahlen für einen Termin 25 Euro inklusive Material, 225 Euro für zehn Termine; Kinder zahlen 90 Euro für 10 Termine im Malraum. Außerdem bietet Malleiterin Annette Friedrich auch kostenloses Schnuppermalen an. "Malen muss man nicht können. Das ist der Seele egal." Malleiterin Annette Friedrich

HintergrundArno Stern hat begleitetes Malen 1946 erfunden. Er sollte Kriegswaisenkinder beschäftigen. Bettina Egger hat dieses Malen dann zu einer kunsttherapeutischen Methode weiterentwickelt. Malkenntnisse sind weder Voraussetzung noch sollen diese erlernt werden. Dieses Malen bringt die Teilnehmer in Kontakt zu sich selbst. Beim begleiteten Malen werden die Sinne der Teilnehmer geschärft. Es hilft, Signale und Gefühle des Körpers wieder besser wahrzunehmen. red