Metzgerei Meiser in Hüttigweiler wird 120 Jahre

120 Jahre Metzgerei Meiser : Seit vier Generationen geht’s um die Wurst

Bei der Metzgerei Meiser in Hüttigweiler blickt man auf eine lange Tradition zurück und feiert doppeltes Jubiläum.

Es war nun wirklich keine Liebe auf den ersten Blick zwischen Irmgard Meiser und ihrem Beruf. 1956 nämlich, als die damals 14-Jährige in die Lehre zur Fleischereifachverkäuferin ging, „da habe ich am Anfang jeden Tag geweint“. In der Metzgerei Suleder war das, in der Provinzialstraße im Illinger Ortsteil Hüttigweiler. Die gehörte dem Onkel von Bernhard Meiser, der ebenfalls dort in die Lehre ging und später Metzgermeister wurde. Und weil ja alles im Leben auch für irgendwas gut ist, sollte die Liebe dann doch noch eine Rolle hinterm Tresen spielen. Denn Irmgard und Bernhard lernten sich dort kennen, heirateten später und hatten plötzlich das Zepter ganz in der Hand.

„Nach dem Tod des Onkels haben wir von einem auf den anderen Tag den Laden übernommen“, erinnert sich Irmgard Meiser. Das war im August 1968, und so steht in diesem Monat das goldene Jubiläum an. Allein die 50 Jahre sind schon Grund genug zu feiern. Hinzu kommt aber noch, dass die Metzgerei bereits vor 120 Jahren gegründet wurde. In Raßweiler, einem kleinen Ortsteil von Hüttigweiler. „Von der Oma meines Mannes. Der Name Suleder war jedem in der Gegend ein Begriff. Manch einer kommt heute noch in den Laden und nennt mich so. Ich sage dann einfach nichts“, lacht die 76-Jährige, die diesen Namen ja selbst nie trug.

Und weil ein guter Ruf verpflichtet, legten sie und ihr Mann sich kräftig ins Zeug. Haus und Laden wurden zunächst gemietet, 1974 dann gekauft. Ein Teil wurde abgerissen und wieder neu aufgebaut. Viel investiert. „Wir haben Tag und Nacht gearbeitet. Es musste ja alles bezahlt werden. Das waren nicht immer leichte Zeiten. Es gab so manche schlaflose Nacht.“ Schlimm war dann das Jahr 2005, als Bernhard Meiser starb. „Da stand ich plötzlich alleine da. Aber ich habe zwei gute Söhne“, sagt Irmgard Meiser, die sich damals wie heute auf ihre „Buwe“ verlassen kann. Sohn Frank ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten und sorgt als Metzgermeister dafür, dass der Familienbetrieb fortgeführt wird. Sohn Bernd hilft bei der Verwaltung, und die Chefin selbst steht nach wie vor jeden Tag im Laden.

„In all den Jahren hatten wir den Laden nur an einem einzigen Tag geschlossen. Das war, als mein Mann beerdigt wurde“, sagt Irmgard Meiser, die mit dem Begriff Urlaub nicht viel anfangen kann. „Ich habe bis heute keinen Tag Urlaub gemacht. Als ich mal im Krankenhaus lag, dachte ich so für mich: So ähnlich muss sich Urlaub anfühlen“, sagt sie und lacht. „Für mich bedeutet Arbeit nicht Stress. Mir gefällt das.“ Und so steht Irmgard Meiser jeden Morgen um 5 Uhr in ihrem Laden und schließt abends ab. An sechs Tagen in der Woche. Und sonntags? „Da stehe ich um 6 auf. Dann mache ich 100 Gefüllte und schnippele Wurst für den Wurstsalat.“ Und irgendwas ist dann ja immer noch da, das geputzt werden muss. „Die Arbeit ist mein Hobby. Mir gefällt es einfach so. Warum sollte ich was anderes machen?“, sagt sie.

40 Jahre lang zählte noch ein Partyservice zum Betrieb, bis 2013. Sieben Leute sind heute angestellt. Nach wie vor betreibt Irmgard Meiser einen Imbiss in Illingen, selbstverständlich mit den leckeren Rostwürsten, die wie der Lyoner und der Fleischkäse mehrfach prämiert sind. Und, darauf legt die Chefin besonderen Wert: „Bei uns wird alles selbst verarbeitet und die Wurst  mit Buchenholz geräuchert. Das machen heute nur noch wenige. Es ist zwar viel Aufwand und dauert länger, aber man schmeckt es einfach.“ Und weil  das zählt, wird sich daran auch nichts ändern, verspricht sie.

Es wird sich auch nichts daran ändern, dass Irmgard Meiser Tag für Tag ihre Kunden selbst bedient. „Ans Aufhören denke ich nicht“, sagt sie.

Aber eine Sache gibt es da schon, die die Chefin etwas bereut. „Ich hätte gerne Metzger gelernt. Wurst selbst zu machen, das hätte mir wirklich Spaß gemacht“, sagt Irmgard Meiser.

Aber wer weiß: Vielleicht geht Irmgrad Meiser ja demnächst wieder in die Lehre. In einer Metzgerei in Hüttigweiler. Wie vor 62 Jahren.

Mehr von Saarbrücker Zeitung