Mehr Freiheiten für Firmlinge

Das Credo der Konzept-Entwickler lautet: „Wir müssen in der Lebenswelt der Jugendlichen ansetzen.“ Die Firmbegleiter können bei der Themenwahl eigene Akzente setzen. Ein „kompletter Systemwechsel“.

Den Firmlingen im Dekanat Illingen wird jetzt wohl mehr Freiheit um die Nase wehen. Ein neues Konzept - getragen von und ab 2017 umgesetzt in allen fünf katholischen Pfarreiengemeinschaften des Dekanats (siehe "Stichwort") - wagt einen "kompletten Systemwechsel". So skizzieren es Dekanatsreferent Reiner Klein und Pastoralreferentin Jennifer Schmitt im SZ-Gespräch. Kernbotschaft: freiwillige Angebote statt verpflichtender Termine und Themen. Offen über Pfarreigrenzen hinweg. Jahrgangsübergreifend.

In einem Dreivierteljahr ist das Konzept aus einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Dekanat und Pfarreiengemeinschaften entstanden. Ein Studientag im September mit Synoden-Sekretär Christian Heckmann brachte den Illingern dann noch die "Selbstvergewisserung": Was sie sich zur Firmung überlegt haben, passt zu den Perspektivwechseln, wie sie die Trierer Bistumssynode zur Zukunft der Kirche festschrieb: Firmvorbereitung als begleitender Prozess. Nicht mehr volkskirchlich denken, sondern vom Einzelnen her. Klein: "Meines Wissens ist es im Bistum das erste Mal, dass mit einem Konzept auf Dekanatsebene auf die Firmung vorbereitet wird."

Wie ist es bisher gelaufen? Ein junger Katholik so um die 14 steht vor seiner Firmung (Bekräftigung der Taufe). Auf ihn warten in der Regel Gruppenstunden als Vorbereitung auf den Empfang des Sakraments. Jede Pfarrei hat dabei ihr eigenes System. "Unzufriedenheit bei allen Beteiligten", stellen Klein und Schmitt fest. "Die Katecheten gefrustet, der Pastor gefrustet, die Firmlinge gefrustet." Wer künftig gefirmt werden möchte, muss am Firmgottesdienst und Probentermin teilnehmen. Alle anderen Angebote sind freiwillig.

Von Januar bis Mai 2017 gibt es monatlich einen fünfstündigen Projekttag - jeweils von einer Pfarreiengemeinschaft verantwortet - mit Infos zur Firmung, Workshops zu jugendnahen Themen und Abschlussgottesdienst (siehe "Stichwort"). Die Workshops - zentral in Merchweiler - werden von Haupt-, vor allem aber Ehrenamtlichen verantwortet. Deren Talente (die Synode spricht von Charismen/Gaben) sollen genutzt werden.

"Wir fragen: Was ist für dich das Thema, mit dem du mit Jugendlichen ins Gespräch kommen möchtest?", so Schmitt und Klein an die Adresse der Ehrenamtlichen. "Deshalb folgen wir auch keinem Buch." Firmlinge und ihre Firmbegleiter sollen nichts aufgedrückt bekommen. Credo: "Wir müssen in der Lebenswelt der Jugendlichen ansetzen."

"Was ist mit Gott, Jesus und Heiligem Geist?" Diese Stimmen haben die Konzept-Entwickler auch gehört. Und entgegnen: "Gott, Jesus und Heiliger Geist - das ist bei den Jugendlichen in irgendwelchen alten Büchern." Über andere Wege könne ein Zugang gelingen. Während man vielleicht zusammen Traumfänger bastelt, lässt sich fragen: "Was sind meine Träume? Was wünsche ich mir für mein Leben? Und darüber kann man vielleicht auch über den Glauben ins Gespräch kommen", sagt Schmitt. Und nichts Vorgefertigtes zum Lernen vorsetzen, sagt Klein: "Wenn die Jugendlichen mitnehmen, Glauben ist nichts Fertiges, nichts was ich attackieren muss, es hat mit mir zu tun und ich muss mich auf den Weg machen, dann reicht das vollkommen."

Anmeldung zur Firmung bis 30. November. Weitere Infos in den Pfarrbüros oder im Dekanatsbüro, Telefon (0 68 25) 40 30-6 80, E-Mail: dekanat.

illingen@bistum-trier.de. Facebook : Jugend Dekanat Illingen.

dekanat-illingen.de

Wie ist denn Ihre Gefühlslage kurz vor dem Startschuss zur Firmvorbereitung in neuer Form?

Schmitt: Gespannt. Wir hören oft: Ohne Druck bleibt nichts hängen. Ich bin also gespannt bei diesem offenen Angebot, wie viele Jugendliche sich melden. Und ich bin da aber auch zuversichtlich. Unser Angebot wird breit gestreut über unsere Kontakte, wenig über Medien wie den Pfarrbrief, mehr über Homepage, über Facebook . Unser System basiert auch darauf, dass Jugendliche andere Jugendliche mitbringen.

Gibt es denn keine Vorbehalte gegen das neue Konzept?

Schmitt: Sicher gibt es konservative Kräfte mit spürbarer Skepsis gegenüber den Veränderungen. Das A und O ist, mit den Leuten zu reden. Viele, die die Pfarrei tragen, leben oft noch im Volkskirchenglauben, haben Ängste vor der Auflösung. Sie wollen die Jugendlichen gern an ihre Gemeinde binden. Binden klingt aber wie fesseln. Wir fragen zurück: Was bietet ihr denn in eurer Gemeinde, dass Jugendliche bleiben? Da kommt das Nachdenken. Es gibt mehr Angebote, wenn mehrere was anbieten.

Und Ihre Erwartungshaltung?

Schmitt: Erwartet ihr jetzt blühende Landschaften?, heißt es manchmal. Das ist nicht unser Anspruch. Volkskirche ist durch. Wir werden nicht mehr an die alten Firmzahlen herankommen (zuletzt waren es im Dekanat 450 Firmlinge, d. Red.). Ich bin auch nicht enttäuscht, wenn eine Veranstaltung ausfällt. Wir wollen umdenken. Die, die kommen, kommen, weil sie sich dafür interessieren. Und wenn sie erst später, nicht mit 14, vielleicht mit 23, kommen. Es ist eine freiwillige Entscheidung. Wir müssen aufbrechen, dass Glaube keinen Spaß machen darf und Firmvorbereitung frustig sein muss.

Zum Thema:

Stichwort Zum Dekanat Illingen gehören rund 39 000 Katholiken in fünf Pfarreiengemeinschaften (PG): PG Illingen - Firmgottesdienst am 19. Mai 2017 in St. Stephanus Illingen. PG Uchtelfangen - Firmgottesdienst am 20. Mai 2017 in St. Augustinus Wiesbach. PG Eppelborn-Dirmingen - Firmgottesdienst am 21. Mai 2017 in St. Sebastian Eppelborn. PG Merchweiler-Wemmetsweiler - Firmgottesdienst am 10. Juni 2017 in Heilige Rosenkranzkönigin Merchweiler. PG Ottweiler - Firmgottesdienst am 11. Juni 2017 in Maria Geburt Ottweiler. Die Projekttage sind ein Baustein der Firmvorbereitung. Daneben gibt es weitere Angebote. Sie werden im "Jugendplaner 2017" aufgelistet. Die Angebote reichen von Firmprojektband und Chor (werden bei allen fünf Firmgottesdiensten dabei sein) über einen Nachmittag im Altenheim oder Jugendkreuzweg bis hin zu Klettern oder Segeltörn. Offen für alle aus dem Dekanat. Verteilt wird die Broschüre zum Startschuss der Firmvorbereitung beim Jugendgottesdienst am 17. Dezember, 18 Uhr, in der Pfarrkirche Wiesbach. cle