Madrigalchor Illingen unter der Leitung von Thomas Doll überzeugte in der Pfarrkirche St. Stephan

Illingen : Madrigalchor bietet anspruchsvolles Chorkonzert

Illinger Formation unter der Leitung von Thomas Doll sorgt für stehende Ovationen in der Pfarrkirche St. Stephan.

Der Madrigalchor Illingen unter der Leitung von Thomas Doll überzeugte am Sonntag in der Pfarrkirche St. Stephan mit einem anspruchsvollen Chorkonzert, das mit der Orchestersuite C-dur BWV 1066 von Johann Sebastian Bach eröffnet wurde. Den Einstieg in den konzertanten Nachmittag gestalteten Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken und Kaiserslautern. Die Orchestersuite ist wenig bekannt. Sie erinnert an den französischen Stil von J.B. Lully, der zur damaligen Zeit (1723) häufig kopiert wurde, um Konzerte und Tanzfest im Glanz des Versailler Hofes erstrahlen zu lassen.

Als nächsten Programmpunkt präsentierten Chor und Orchester sowie die Solisten Katharina Becker (Sopran), Angela Lösch (Alt), Manuel Horras (Tenor), Vinzenz Haab (Bass) und Hans-Peter Doll (Cembalo/Orgel) die Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (BWV 93). Laut Information der Programmgestalter konzipierte Bach dieses Werk als Choralkantate, das heißt, dass die sieben Strophen des Trostliedes von Georg Neumark in den einzelnen Sätzen in unterschiedlicher musikalischer Gestaltung erschienen. Stimmgewaltig die Einlagen der Solisten und beeindruckend das Zusammenspiel mit Chor und Orchester. Die Kantate mündete im Schlusschoral, der zur Zeit Bachs von der Gemeinde mitgesungen wurde, um die Glaubensaussage für alle verbindlich zu bekräftigen. Beim Konzert übernahmen diesen Part die Sängerinnen und Sänger des Madrigalchores.

Mit der Interpretation „Antiche Danzi ed Arie per Liuto“ (1917) von Ottorino Respighi gab es eine weitere Kostprobe der Virtuosität des Orchesters. Drei Stücke der ersten Suite standen auf dem Programm. In ihnen konnten die Zuhörer die typischen Merkmale italienischer Musik wieder finden. „Die Lebenslust spiegelt sich in tänzerischen Rhythmen und in der Freude an der Melodie“, fassten die Programmgestalter zusammen. Mit „Missa Festiva“ von John Leavitt präsentierten Chor und Orchester das Werk eines zeitgenössischen US-amerikanischen Komponisten und Musikpädagogen, der in Kansas wirkt. Seine Kompositionen sind tonal gebunden und verwenden häufig Gestaltungselemente aus Jazz und Pop, aber auch solche früher Musik.

Angekündigt war, dass sich die Zuhörer beim Credo in eine mittelalterliche Kathedrale versetzt, aber beim rockig-jazzig gestalteten Sanctus zum Mitgrooven animiert würden, was auch bei der Aufführung so empfunden wurde. Begleitet wurde das Orchester bei dieser Interpretation von Peter Littner (Cembalo/Orgel). Die unterschiedlichen Programmpunkte unterstrichen die Vielseitigkeit von Chor und Orchester. Viele Stimmen sorgten für einen vollen homogenen und gut intonierten Klang. Das Orchester bildete eine wunderbare Einheit und vermittelte von sehnsuchtsvoll traurig bis freudig mitreißend die Intention, die sich hinter dem jeweiligen Werk verborgen hatte. Mit stehenden Ovationen honorierten die Zuhörer das Konzert. Als Zugabe gab es das rockig-jazzige Sanctus des US-amerikanischen Komponisten John Leavitt.

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