| 20:23 Uhr

Handball
Löwen reißen die Zebras

Illtals Trainer Steffen Ecker  redet in einer Auszeit auf seine Mannschaft ein. Vergebens. Am Ende verlieren die HFI gegen den SV 64 Zweibrücken.
Illtals Trainer Steffen Ecker  redet in einer Auszeit auf seine Mannschaft ein. Vergebens. Am Ende verlieren die HFI gegen den SV 64 Zweibrücken. FOTO: Horst Klos (Klosfoto) / Klos Horst
Eppelborn. In einem Herzschlagfinale unterliegen die Illtaler Zebras den Zweibrücker Löwen – trotz 14 Treffern von Marcel Becker. Von Lucas Jost

Ein Verein verpflichtet einen neuen Spieler. Der Vertrag ist unterschrieben. Es steht fest: Zur kommenden Saison wird er das eigene Trikot tragen. Aufmerksam verfolgt man die weiteren Leistungen seines kommenden Schützlings. Über jeden positiven Auftritt herrscht Freude, in der Hoffnung, dass die eigenen Erwartungen nicht enttäuscht werden. Über jeden? Fast. Dass Tobias Alt, aktuell noch beim SV 64 Zweibrücken und ab der kommenden Saison im Zebra-Dress auf Tor-Jagd, ausgerechnet gegen seinen zukünftigen Verein eine wahre Glanzleistung ablieferte, dürfte den Verantwortlichen ein wenig bitter aufgestoßen haben. Alt verwandelte fast alle seine Chancen traumhaft sicher und leitete die Wende im Spitzenspiel der Handball-Oberliga ein.



„Das war ein bitterer Spieltag für uns. Es ist schwierig, das zu verarbeiten, weil wir große Erwartungen hatten. Die Vorbereitung lief gut, ich persönlich war überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen“, resümiert HF Illtal-Kreisläufer Pascal Meisberger. Mit seinen Zebras hatte er im Derby am Samstag eine 26:27-Niederlage hinnehmen müssen. Noch bitterer: Zwei Stunden später trudelte das Ergebnis aus Budenheim ein: Die VTZ Saarpfalz siegte mit 25:24 gegen den Tabellendritten und erhöhte damit den Abstand auf die Handballfreunde auf drei Punkte.

550 Zuschauer pilgerten in die Zweibrücker Westpfalzhalle zum Spitzenspiel der Zebras gegen die Löwen. Und sahen einen zähen Beginn. Viele Unterbrechungen prägten die Anfangsphase, das Schiedsrichtergespann Haas/Müller versuchte früh, die Emotionen gar nicht hochkochen zu lassen und hatte nach sieben Minuten bereits zwei gelbe Karten und zwei Zwei-Minuten-Zeitstrafen verteilt. „Es fing ganz gut an, wir hatten sie in der Abwehr gut im Griff“, lobte der Illtaler Kreisläufer indes den Auftritt seiner Mannschaft. Mit der sehr beweglichen, aggressiven Abwehr tat sich Zweibrücken enorm schwer. Illtal legte mit 7:3 vor, der SV zog eine Auszeit. „Mitte der ersten Halbzeit kam ein Bruch“, meint der HF-Abwehrchef. Und Linkshänder Alt mutierte zum Alleinunterhalter. In achteinhalb Minuten legte er sechs seiner insgesamt neun Treffer auf, davon alle vier zwischen dem 7:10 und dem 11:10 aus Zweibrücker Sicht im Alleingang. Zweibrücken hatte das Spiel an sich gerissen, die Halle stand Kopf. Besonders Marcel Becker, der von Rückraumkollege Christoph Holz immer wieder in Szene gesetzt wurde, stemmte sich dagegen. Er hatte bei Spielende vierzehn Mal getroffen und sechs von sechs Strafwürfen verwandelt. „Wir haben sie ins Spiel gebracht, das war das Ärgerliche“, sagt Meisberger. Halbzeitstand: 13:13.

Der 27-Jährige fügte an: „Im Angriff hat taktisch alles gepasst. Aber wir haben zu viele einfache technische Fehler gemacht, wir hatten zu viele einfache Ballverluste. Und in der Abwehr haben wir in der zweiten Halbzeit am Anfang nicht richtig Zugriff bekommen.“ Zweibrücken zog unter Leitung des blitzschnellen Nils Wöschler auf 18:15 davon. Illtal-Trainer Steffen Ecker ordnete eine Manndeckung an. Die Zebras verkürzten auf 21:22. Wieder legte Zweibrücken vor (24:21, 51. Minute), doch Illtal ließ sich Dank Becker, Christoph Holz und Norbert Petö erneut nicht abschütteln. Und kam beim Stand von 26:27 45 Sekunden vor Spielende nochmal in Ballbesitz. Ecker zog seine letzte Auszeit und stellte seine Mannen auf den abschließenden Angriff ein. Und Illtal bekam die Chance zum Ausgleich. Sekunden vor Schluss, über rechts, über Torjäger Marcel Becker. Doch sein Wurf ging über das Zweibrücker Gehäuse. Die dritte Saisonniederlage war besiegelt. Meisberger: „Die Saison ist noch lang: Ich bin enttäuscht, aber nicht so, dass ich die Hoffnung aufgegeben habe.“

Tore für die HFI: Marcel Becker (14/6), Christoph Holz (6), Patrick Bach, Niklas Kiefer, Max Mees, Pascal Meisberger, Norbert Petö, Oliver Zeitz (je 1)