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Laxemkochen der Hirzweiler Solidargemeinschaft

Solidargemeinschaft Hirzweiler : Hier sind vor allem starke Arme gefragt

Vor zehn Jahren hat die Hirzweiler Solidargemeinschaft das traditionelle Laxemkochen wieder aufleben lassen. In diesem Jahr erstmals komplett aus heimischem Obst.

 Vor zehn Jahren hat die Solidargemeinschaft, der alle Hirzweiler Vereine angehören, das alte Brauchtum „Laxem kochen“ wieder aufleben lassen. „Diese Drei-Tage-Veranstaltung gilt nicht nur dem Laxem, es soll auch ein Beitrag zur Dorfkultur sein“, erzählt Ralf Fischer der Saarbrücker Zeitung. Normalerweise finde die Veranstaltung Ende September statt. Wegen der Überreife des Obstes entschieden sich die Verantwortlichen, den Brotaufstrich, der über offenem Feuer hergestellt wird, eine Woche früher zuzubereiten.

Bevor am Freitag viele fleißige Hände in der Dorfwaldhalle unter Einhaltung der Abstandsregeln sechs Zentner Birnen schälten und in Viertel teilten, mussten diese und weitere sieben Zentner Birnen erst einmal geerntet werden. Im Einsatz waren an zwei Nachmittagen hierzu zehn Leute. Die Birnen stammen in diesem Jahr alle „vom Hirzweiler Bann“, freuten sich die Organisatoren einschließlich des Ortsvorstehers Ralf Fischer, der auch gleichzeitig der Vorsitzende der Solidargemeinschaft ist.

Fischer erinnerte sich: „Vor zwei Jahren war die Birnenernte bei uns sehr schlecht. Da mussten wir alle Birnen in der Pfalz besorgen. Letztes Jahr mussten wir die Hälfte der benötigten Menge zukaufen. Dieses Jahr ist es ein Novum, dass wir mit komplett heimischer Ernte den beliebten Brotaufstrich machen können.“

Vor der großen Kochaktion auf dem offenen Feuer wurde natürlich noch Brennholz organisiert, und sieben Zentner der geernteten Birnen mussten zunächst gekeltert werden. Sie wurden in der Kelter in Leopoldsthal (Schiffweiler) zu Saft gepresst. Am Freitag um Mitternacht wurde dann das Feuer unter zwei Kupferkesseln entzündet, eine halbe Stunde später der Saft eingefüllt und erhitzt. Die Nachtschicht, die den Kochvorgang überwachte, wurde am Samstagmorgen um 6 Uhr nach einem Lyonerfrühstück abgelöst. Jetzt übernahm die Rührschicht.

Mittlerweile war der Saft erhitzt, sodass die Birnenschnitze und der Zucker zur Haltbarmachung dazugegeben werden konnten. Von nun an waren starke Arme gefragt. Denn es musste ständig gerührt werden, damit der heiße Sud nicht anschlägt und nicht anbrennt. Am späten Nachmittag war sozusagen die Arbeit geschafft und der Laxem konnte in Gläser, die mit eigenen Etiketten, auf denen das Logo der Solidargemeinschaft, das Dorfwappen und das Herstellungsdatum aufgedruckt sind, abgefüllt werden. Der Verkauf fand am Sonntagmorgen im Freien statt.

„Normalerweise gab es an dem Verkaufstag immer ein großes Frühstückbüffet in der Dorfwaldhalle. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir in diesem Jahr schweren Herzens darauf verzichtet“, bedauerten Fischer und sein Helferteam.

Unglücklich sind die Verantwortlichen der Solidargemeinschaft auch, dass viele Feste, wie Hexenfeuer, Schwenke und Sprooche, Rommelschnitze, Kinderolympiade, Weihnachtsmarkt und das Dorffest wegen Corona abgesagt werden mussten. Vieles spiele sich auf dem Platz vor der Halle ab, der sich zum Mittelpunkt entpuppt hätte. „Wir haben hier ein Holzlager, einen Spielplatz, der von den Kindern sehr gut angenommen wird, sanitäre Anlagen, eine Garage, um das ganze Equipment unterzustellen und mittlerweile eine Grillbude, die wir aus einem alten Trafohäuschen umfunktioniert haben und von Annette Zewe außen bemalen ließen mit Bildern, die unsere Aktivitäten andeuten“, erzählt der Ortsvorsteher im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.

Die Nachtschicht muss auch gruselfest sein. Foto: Helmut Raber
Die Tagschicht: Ortsvorsteher Ralf Fischer, Rainer Schmitt, Michael Meiser, Helmut Raber. Foto: Maria Boewen-Dörr
Vorm Kochen steht das Schnippeln. Foto: ralf Fischer/Ralf Fischer
So sieht es aus, wenn die Gläser gefüllt und etikettiert sind. Foto: ralf Fischer/Ralf Fischer

Wenn „geschwenkt und gesproocht“ wird, versammeln sich zirka 80 Personen auf dem Hallenvorplatz. „Auch die Kinder haben viel Spaß auf dem angrenzenden Spielplatz.“ Die Teilnehmer bringen sich ihr Grillgut selbst mit; die Getränke stehen zentral zur Verfügung. „Jeder bezahlt seine Getränke eigenständig in eine dafür vorgesehene Box. Das System funktioniert hervorragend“, freut sich Fischer.